| Museum Wiesbaden gibt Nazi-Raubkunst zurück Von Jan Brinkhus, dpa |
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| Freitag, 06. August 2010 um 08:35 Uhr | ||
In Museen lagern heute noch viele Kunstwerke zweifelhafter Herkunft. Denn sie wurden in der Nazizeit ihren jüdischen Besitzern geraubt. Das Museum Wiesbaden überprüft nun Gemälde, die es damals erworben hat - und ist fündig geworden.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Das Museum Wiesbaden gibt ein von den Nazis geraubtes Gemälde an die Familienangehörigen eines jüdischen Kunsthändler-Ehepaars zurück. Das Gemälde, das dem niederländischen Barockmaler Pieter de Grebber (1600-1653) zugeschrieben wird, war einst im Besitz des Berliner Kunsthandelsunternehmers Jakob Oppenheimer und seiner Frau Rosa, teilte Museumsdirektor Volker Rattemeyer am Donnerstag mit. Das NS-Regime habe die Firma zerschlagen und die Bestände unter anderem einer zugehörigen Galerie unrechtmäßig versteigert.
Das Museum hatte das «Doppelbildnis eines jungen Paares» 1937 von einer Wiesbadener Galerie erworben. Das Gemälde, das Rattemeyer zufolge in der Kunstliteratur auch als «Schäferszene» bekannt ist, soll am Dienstag (10.8.) in Wiesbaden an die Anwältin der Erbengemeinschaft ausgehändigt werden.
Das Bild, das nun zurückgegeben wird, war aus Platzgründen bislang nicht in der Dauerausstellung des Wiesbadener Museums zu sehen gewesen. Das Museum Wiesbaden durchforstet nach Angaben von Rattemeyer seit August 2009 systematisch seinen Bestand an Gemälden, die zwischen 1935 und 1944 unter dem damalige Direktor Hermann Voss «unter teilweise ungeklärten Umständen» erworben worden waren. Betroffen sind rund 220 Bilder. Bis Ende nächsten Jahres soll die Herkunft der 100 wichtigsten Gemälde geklärt sein.
Das Ehepaar Oppenheimer hatte nach Angaben des Museums im März 1933 Berlin verlassen müssen, um einer Verhaftung zu entgehen. Ihrem Unternehmen seien im Dezember 1933 alle Rechtsgeschäfte untersagt worden. «Die im Jahre 1935 erfolgte Liquidierung der Galerie van Diemen und die unrechtmäßige Versteigerung ihrer Bestände durch den Auktionator Paul Graupe Berlin gilt als Paradebeispiel einer nationalsozialistischen Kunstenteignung», schreibt das Museum Wiesbaden.
Jakob und Rosa emigrierten nach Frankreich, wo sie nach dem deutschen Einmarsch in Lager gebracht wurden. Jakob Oppenheimer wurde schwer krank entlassen und starb 1941. Seine Frau deportierten die Nazis 1943 nach Auschwitz, wo sie kurze Zeit später ermordet wurde.
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