| Kunsthistoriker: Herkunftsforschung ist Detektivarbeit |
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| Mittwoch, 11. August 2010 um 06:36 Uhr | ||
Wiesbaden (dpa/lhe) - In vielen deutschen Museen gibt es Kunstwerke, die von den Nazis bei ihren früheren jüdischen Besitzern geraubt worden sind. Sie müssen zurückgegeben werden, sagt der Kunsthistoriker Peter Forster vom Museum Wiesbaden im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings sei es oft eine schwierige Detektivarbeit, die Herkunft der Kunstwerke zu ermitteln. Außerdem seien die Mittel dafür knapp.
Wie intensiv suchen die deutschen Museen in ihren Beständen nach Kunst, die unter den Nazis enteignet und geraubt wurde?
Forster: «Seit der Washingtoner Erklärung von 1999 (über die Rückgabe von Raubkunst) ist Bewegung in die Museen gekommen. Fast alle Häuser stehen vor diesem Problem. Sie haben sich am damaligen Kunstmarkt beteiligt. Die Direktoren haben versucht, aus der Situation Vorteile zu ziehen. Deshalb gibt es eine Verpflichtung, die Erwerbungen aus der damaligen Zeit zu überprüfen. Aber das Geld für die Herkunftsforschung ist knapp. Seit 1999 können bei der Provenienz- Forschungsstelle in Berlin Mittel beantragt werden.»
Ist das Museum Wiesbaden besonders belastet wegen seines früheren Direktors Hermann Voss (1884-1969), der auch Sonderbeauftragter für Hitlers geplantes Kunstmuseum in Linz war?
Forster: «Hermann Voss ist von 1935 bis 1945 hier Direktor gewesen, von 1943 war er einer der Beauftragten für das Führermuseum in Linz. Er war kein Parteimitglied, aber er hat eine Museumspolitik betrieben, die den Machthabern genehm war. Auch in Wiesbaden wurden viele Werke aussortiert, die von den Nazis als "entartet" gebrandmarkt wurden. Dann wurde versucht, möglichst schnell Ersatz zu schaffen - auch aus früherem jüdischem Eigentum.»
Wie geht das Museum Wiesbaden mit Kunstwerken um, die in dieser Zeit angeschafft wurden?
Forster: «Wir geben Bilder zurück, die niemals in dieses Haus hätten kommen dürfen. Insgesamt haben wir ein Konvolut von über 200 Werken zu bearbeiten. Jetzt haben wir 40 überprüft, von denen sind nur acht eindeutig nicht belastet. Bei mindestens zwei Werken zeichnet es sich ab, dass sie zurückgegeben werden müssen. Für die Erforschung der Herkunft weiterer 60 Kunstwerke sind die Mittel bewilligt.
Wir bemühen uns, möglichst viel über die Bilder herauszufinden. Dabei sind wir auch auch darauf angewiesen, dass sich Archive öffnen, zum Beispiel bei den Galerien. Es gab aber auch da einen starken Aktenverlust. An vielen Orten sind die Galerien ausgebombt worden, Unterlagen sind verbrannt. Wir müssen viel Detektiv spielen.»
Interview: Friedemann Kohler, dpa
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