| Neuer Hamburger Kultursenator mehr als Notlösung? Von Carola Große-Wilde, dpa |
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| Montag, 23. August 2010 um 06:37 Uhr | ||
Wochenlang wurde in Hamburg gerätselt, ob es überhaupt noch einen neuen Kultursenator geben wird. Jetzt steht fest: Reinhard Stuth (53, CDU) tritt die Nachfolge an der zurückgetretenen Karin von Welck (parteilos). Aber kann er die anstehenden Probleme lösen?
Hamburg (dpa/lno) - Rocko Schamoni muss nicht nach Neumünster auswandern - der Protest von zahlreichen Kulturschaffenden war erfolgreich: Hamburg bekommt nun doch einen eigenen Kultursenator. Quasi in letzter Minute, nachdem der grüne Koalitionspartner am Mittwoch auf ein eigenständiges Kulturressort pochte, präsentierte der designierte Hamburger Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) seinen Mann für die schönen Künste: Reinhard Stuth. Der 53 Jahre alte Jurist ist ein alter Bekannter - war er doch bereits von 2008 bis 2009 Staatsrat in der Kulturbehörde, bis ihn Bürgermeister Ole von Beust (CDU) in den einstweiligen Ruhestand versetzte.
Viele sprechen von einer «Not- oder Verlegenheitslösung», schließlich wird Stuth jetzt Chef einer Behörde, in der er zuletzt gescheitert war. Grund für den Rausschmiss soll Stuths zerrüttetes Verhältnis zu Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) gewesen sein. Außerdem hatte sich der Personalrat über Stuth beschwert. Der Deutsche Kulturrat spricht trotzdem von einem Erfolg für die Kultur. «Es ist ein positives Signal für die Kultur, dass die neue Regierung in Hamburg an der Kulturbehörde festhält», sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann am Wochenende.
Ahlhaus wollte eigentlich - wohl auch aus Mangel an geeigneten Kandidaten - die Ressorts Kultur und Wissenschaft zusammenlegen und in die Hände von Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) geben. Die Entscheidung für einen eigenen Senator sei gefallen, «weil die Kultur in Hamburg über die Grenzen der Stadt hinausstrahlt und deshalb schon symbolisch nicht das erste Ziel von Sparbeschlüssen sein darf», sagte Ahlhaus am Freitagabend. Dennoch bekräftigte er mit Blick auf das Haushaltsloch von jährlich einer halben Milliarde Euro die Notwendigkeit zum Sparen.
Explodierende Kosten bei der Elbphilharmonie, die finanzielle Misere der Hamburger Museen, Unmut in der Kulturszene: Der Posten des Hamburger Kultursenators ist im Moment wahrlich nicht attraktiv - vor allem, weil er auch noch zeitlich begrenzt ist bis, wenn überhaupt, zur nächsten Bürgerschaftswahl im Frühjahr 2012. Kein Wunder, dass vielversprechende Kandidaten weit und breit nicht zu sehen waren. Wie Reinhard Stuth die Probleme lösen will, weiß er auch noch nicht so genau. «Ich hab da kein Patentrezept. Aber die Kultur kann sich Sparbemühungen nicht von vornherein entziehen, genau so wenig wie Schulen oder Kindergärten», sagte er der «Bild»-Zeitung.
Auch seine Vorgängerin Karin von Welck - die sich einige schon wieder zurückwünschen - kann ihm da keine Ratschläge mit auf den Weg geben. «Ich halte es für fast unlösbar, bei der Kultur zu kürzen. Ich mache daher keine Vorschläge», antwortete die 63-Jährige der Tageszeitung «Die Welt» auf die Frage nach Kürzungspotenzialen in ihrem Ressort. «Wenn jetzt gespart werden soll, dann geht es an die Existenz von ganzen Einrichtungen», meinte die Senatorin, die am 25. August zurücktritt. Nur die Elbphilharmonie, die würde bei der heutigen Finanzlage wohl nicht gebaut. «Doch in zehn, 20 oder 50 Jahren wird die Stadt Hamburg dankbar dafür sein.»
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