| Ein Tausendsassa in Kunst und Küche Von Eva-Maria Mester, dpa |
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| Samstag, 28. August 2010 um 08:10 Uhr | ||
Kunstsammler, Kunstforscher, Mäzen und Gastrosoph - Carl Friedrich von Rumohr hatte viele Talente. Zu seinem 225. Geburtstag ehrt das Lübecker Museum Behnhaus den holsteinischen Landjunker mit einer Ausstellung.
Lübeck (dpa/lno) - Die Geisteswissenschaften, aber auch Köche und Feinschmecker haben Carl Friedrich von Rumohr (1785-1843) viel zu verdanken. Er gilt als Begründer der quellengestützten Kunstgeschichte und des modernen Denkmalschutzes, betrieb agrarwissenschaftliche Studien und beriet die Könige beim Aufbau ihrer Gemäldesammlungen. Mit seinen Überlegungen über Ernährung und Lebensmittel legte er den Grundstein zur modernen Kochkunst. Zusammen mit dem Franzosen Jean Anthèlme Brillat-Savarin gilt er als Begründer der «Gastrosophie» und erhob so die Kochkunst in den Rang einer Wissenschaft.
«Entwickle aus jedem eßbaren Dinge, was dessen natürlicher Beschaffenheit angemessen ist», ist ein Kernsatz in seinem 1822 erschienenen Buch «Geist der Kochkunst». Darin beschreibt Rumohr nicht nur die Zubereitung von Speisen. Er vergleicht die Küchen verschiedener Länder, streut literarische Exkurse zur Geografie, Überlegungen zur Wechselwirkung zwischen Ernährung und Gesundheit und Hinweise zum Benehmen bei Tisch ein. Das Buch richtet sich an Könner der Kochkunst und erscheint inzwischen in der 18. Auflage.
Die verschiedenen Aspekte des Wirkens von Carl Friedrich von Rumohr will eine Ausstellung mit dem Titel «Kunst, Küche und Kalkül - Die Entdeckung der Kulturgeschichte» würdigen, die vom 18. September an im Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck zu sehen sein wird. Anlass ist der 225. Geburtstag Rumohrs, der viele Jahre seines Lebens auf seinem Gut Rothenhausen bei Lübeck und in der Stadt selbst verbracht hat. «Wir zeigen unter anderem Bilder und Zeichnungen von Rumohrs und seiner Schüler, Gemälde aus von ihm aufgebauten Sammlungen, seine Kochbücher und Abhandlungen über die Tischkultur», sagt der Leiter des Museums, Alexander Bastek. Im Festsaal des Behnhauses wird eine Tafel «á la Rumohr» gedeckt sein und im Rahmenprogramm zur Ausstellung soll es Koch- und Benimmkurse geben.
Um den kulinarischen Aspekt kümmert sich auch das parallel zur Ausstellung im Norden stattfindende Schleswig-Holstein Gourmet Festival der Restaurantkooperation «Gastliches Wikingland». Zur Eröffnung der Ausstellung wird ein Sternekoch aus dem Raum Lübeck ein Büfett zubereiten - mit saisonalen Zutaten aus der Region, wie es von Rumohr schon vor fast 200 Jahren propagiert hat. «Danach richten sich alle Spitzenköche schon seit Jahren, auch wenn sie sich nicht direkt auf von Rumohr berufen», sagt die Pressesprecherin des Gourmet Festivals, Sabine Plass.
Geboren wurde Carl Friedrich von Rumohr am 6. Januar 1785 in Reinhardsgrimma bei Dresden. Seine Familie besaß eine Reihe von Gütern in Schleswig-Holstein, darunter auch die Güter Bliestorf, Schenkenberg, Rothenhausen und Krempelsdorf bei Lübeck, die er nach dem Tod seines Vaters 1804 erbte. Er bereiste Neapel, Rom, die Lombardei, wurde dänischer Kammerherr, lebte zeitweise in München, Kopenhagen und Böhmen, doch immer wieder zog es ihn nach Gut Rothenhausen zurück. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in einem Stadthaus in Lübeck.
«Carl Friedrich von Rumohr war in vielen Wissensgebieten zu Hause», sagt sein Nachfahre Frederick von Rumohr, der Vorstandsvorsitzende der 2009 gegründeten Rumohr Gesellschaft. «Doch die konkretesten Ergebnisse hat er in der Kunstforschung und mit seinem Nachdenken über das Essen hinterlassen.» Bastek geht noch einen Schritt weiter, wenn er sagt: «Er gilt mit Fug und Recht als Mitbegründer der modernen Kunstgeschichte, die sich auf historische Quellen, statt auf Legenden und Erzählungen stützt. Zudem hat er den Zusammenhang zwischen verschiedenen Geisteswissenschaften hergestellt und kann deshalb auch als Entdecker der Kulturwissenschaften bezeichnet werden», sagt er.
Carl Friedrich von Rumohr starb am 25. Juli 1843 in Dresden - beim Frühstück, wie es in seinem Lebenslauf heißt. Unter Feinschmeckern und Gastronomen aber ist seine Erinnerung sehr lebendig. So trägt die Lübecker Hotelfachschule seinen Namen, die Gastronomische Akademie Deutschlands verleiht als höchste Auszeichnung des Carl-Friedrich- von-Rumohr-Ring und Koch Eckart Witzigmann wurde nicht zuletzt durch sein «Kalbsbries Rumohr» berühmt.
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