| Museumsuferfest 2010: Wer tanzt, friert nicht Von Christian Rupp, dpa |
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| Montag, 30. August 2010 um 06:39 Uhr | ||
Es zählt zu den größten Kulturfesten Europas, lockt jedes Jahr im August rund drei Millionen Besucher an den Main: das Frankfurter Museumsuferfest. Doch in diesem Jahr machten zum Auftakt am Freitag Regen und kühle Temperaturen den Veranstaltern das Leben schwer.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die Bierbänke sind leer, der Würstchenverkäufer bohrt sich gelangweilt in der Nase. Dort, wo sich in den Jahren zuvor die Massen nur mühsam ihren Weg bahnten, herrscht am diesem Freitagabend gähnende Leere. Kalt ist es und nass. Von den Girlanden fallen die letzten Tropfen des Gewitterregens herab, der sich noch kurz vor der Eröffnung über der Stadt entladen hat. Ein Regen, heftig wie ein Unwetter, der selbst den Verkehr am benachbarten Flughafen zeitweise lahmlegte und Flugzeuge zu Boden zwang.
Nur wenige Menschen haben bei diesen Temperaturen Lust, das Volksfest zu besuchen, das in den vergangen Jahren an den drei Tagen mehr als drei Millionen Menschen anlockte und damit zu den größten seiner Art in Europa zählt. Bei der Eröffnung haben sich gerade einmal 300 Besucher an der Argentinien-Bühne versammelt, auf der eine Tango-Show gezeigt wird.
Der argentinische Generalkonsul Juan L. Garibaldi ist da, ebenso rund 30 Lokalpolitiker - unter ihnen Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) und Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Sie würdigt das Spektakel eifrig als «das facettenreichste Kulturfest Europas». Es mache das Motto des Frankfurter Museumsufers «Kultur für alle» seit 1988 jährlich erlebbar.
Tatsächlich präsentieren sich die Museen der Stadt entlang der acht Kilometer langen Festmeile am Main auch in diesem Jahr wieder mit einem umfangreichen Programm. Rund 1000 Stände sind aufgebaut, auf mehr als 20 Bühnen gibt es Live-Musik aller Stilrichtungen, Kleinkunst, Varieté und Lesungen.
Die Museen bieten Sonderprogramme, stellen sich selbst ins bestmögliche Licht. Das Museum für Komische Kunst bietet ein «Festival der Komik». Im Karmeliterkloster findet ein «Festival der Alten Musik» statt. Die Deutsche Bank, die Commerzbank und die DZ-Bank öffnen ihre Kunstsammlungen für die Öffentlichkeit.
Schwerpunkt im Programm ist traditionsgemäß der Buchmessen-Gast des Jahres - dieses Mal eben Argentinien. Das Land zeigt sich unter anderem mit Tango- und Gaucho-Shows, mit Rotweinen und natürlich Rindfleisch.
Doch das Interesse des Publikums hält sich spürbar in Grenzen. Die Stimmung ist entspannt. Fast ruhig. Keine Rangeleien, keine Übergriffe, die sonst bei solchen Festen an der Tagesordnung sind. «Das Klientel, das Probleme macht, hat sich bei dem Wetter nicht hingetraut,» meint ein Sprecher der Polizei am Samstag.
Selbst zur besten Party-Zeit zwischen 23.00 Uhr und Mitternacht - wenn sonst am Sachsenhäuser-Ufer kein Durchkommen mehr war - bilden sich lediglich an den Bühnen mit Live-Musik kleine Menschentrauben. Das gilt etwa für die Regenbogen-Area, wo hauptsächlich Schwule und Lesben feiern. Dort wiegen die ewig gleichen Gesichter zu den ewig gleichen Rhythmen unbeeindruckt vom Wetter die Hüften.
Und dann gibt es natürlich noch die Argentinien-Bühne, wo Tango- Melodien Erotik und Sinnlichkeit verströmen: Dort tanzen eng umschlungene Paare, die Köpfe dicht aneinander, und erinnern sich selbst und die Umstehenden an den Flair der Bars in Buenos Aires. Außerdem: Wer tanzt, friert nicht. Und wer Tango tanzt, friert erst recht nicht.
Gewinner gibt es an diesem windig-frischen Abend naturgemäß auch. Es sind die Museen, die Zuflucht vor Wind und Wetter bieten. Sonst ist es bei dem gigantischen Sommerfest dort eher ruhig, und nur wenige Besucher laufen mit den Buttons umher, die freien Eintritt in die teilnehmenden Häuser gewähren. In diesem Jahr ist eben alles anders.
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