| Letzte Schminke für den «Herkules von Gelsenkirchen» Von Christina Horsten, dpa |
|
|
|
| Mittwoch, 08. Dezember 2010 um 06:48 Uhr | ||
Hoch über dem Ruhrgebiet soll er stehen und dessen Stärke und Erneuerung demonstrieren: Der «Herkules von Gelsenkirchen». Künstler Markus Lüpertz muss seine Monumentalskulptur nur noch «schminken», dann kann sie auf einen mehr als 80 Meter hohen Turm gehoben werden.
Gelsenkirchen (dpa/lnw) - Noch steht der «Herkules von Gelsenkirchen» ein wenig verloren inmitten einer Baustelle. Zwischen Kippladern voll Schotter und kleinen Häufchen aus matschig gewordenen Schneeresten ragt die 18 Meter hohe Monumentalskulptur in die Höhe. Noch ist sie grau, und da, wo einmal Arme und Keule sein sollen, prangen Löcher in der Aluminiumhülle. «Ich muss sie noch schminken, ihr Charakter geben», sagt der Künstler Markus Lüpertz. Auch letzte Schweißarbeiten stehen noch aus. In der kommenden Woche soll der Koloss dann auf den wenige Meter entfernten Turm der Zeche Nordstern gehoben werden - den Blick aus mehr als 100 Metern Höhe weiter starr in Richtung Gelsenkirchen gewandt.
In derben Winterstiefeln und groben Wollsocken, eine schwarze Mütze tief ins Gesicht gezogen, ist Lüpertz bei Minusgraden am Dienstag auf die Baustelle gekommen. «Grauenhaftes Wetter», murmelt der 69-Jährige, als er auf einen Stock gestützt aus dem Auto steigt. Lüpertz will letzte Hand an seinen Herkules legen, die größte Skulptur, die er je entworfen hat, und eine der größten öffentlichen Monumentalskulpturen Deutschlands. Von einer Hebebühne aus will er sein Werk mehrere Tage lang bemalen. «Ich fange mit den Haaren und dem Bart an, die werden blau, dann kommt der Mund. Den Rest überlasse ich der Intuition, aber ich habe alle Farben dabei.»
Die Farben hat Lüpertz, der fast 20 Jahre lang Direktor der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf war und als einer der bekanntesten deutschen Künstler der Gegenwart gilt, speziell für die Aluminium-Oberfläche der Statue gemischt. «Aber es gibt keine Farbe, die auf Aluminium ewig hält - die Bemalung ist deswegen nur für die Zeitgenossen. Zeit und Natur werden irgendwann anfangen, die Skulptur selbst zu bemalen und die werden sie immer noch schöner machen.»
Das rund 23 Tonnen schwere Kunstwerk ist Teil des Kulturhauptstadt Ruhr.2010-Programms. Er sei ein «zugereistes Kind des Ruhrgebiets», sagt Lüpertz, auch wenn er in der Tschechischen Republik geboren und am Niederrhein aufgewachsen sei. Im Ruhrgebiet habe er Fußball gespielt und in einer Zeche gearbeitet.
«Herkules ist eine Figur, die Aufgaben bewältigt und Probleme löst. Für ein junges, aufstrebendes Ruhrgebiet ist er also die entsprechende Figur.» Auch andere Götterskulpturen wie Merkur und Apoll hat Lüpertz schon entworfen. «Wir brauchen Helden. Es gibt fast keine bessere Zeit für Helden, als die unsere. Das haben wir dringend nötig.»
Rund ein Jahr lang hatten zuvor 15 Mitarbeiter einer Düsseldorfer Kunstgießerei an den etwa 240 Einzelteilen des Kolosses gearbeitet. Mit einem Schwertransport waren die Teile der Monumentalskulptur über mehrere Autobahnen nach Gelsenkirchen gebracht worden. Auftraggeber der rund zwei Millionen Euro teuren Skulptur ist die Wohnungsbaufirma THS, die in der ehemaligen Zeche Nordstern ihren Hauptsitz hat.
Am 17. Dezember wird die fertige Skulptur offiziell enthüllt, damit sie bei der Schlussveranstaltung der Kulturhauptstadt am Tag darauf hoch über Gelsenkirchen thronen kann. Parallel eröffnet im Duisburger Lehmbruck Museum eine Ausstellung zu den Werkskizzen und Vorstudien des Künstlers für den «Herkules von Gelsenkirchen».
Trotz aller Skizzen und Planung gab es immer wieder Probleme mit der Statik des Kolosses - auch ein Grund, warum die Schweißarbeiten noch nicht beendet sind. Für Lüpertz kein Grund zur Sorge. «Ich kann ihnen garantieren, dass die Skulptur niemals im Leben runterstürzen wird. Eher stürzt das Haus ein, auf dem sie steht.» Der Künstler hat andere Sorgen: «Der Herkules wird eine Herausforderung für Graffiti-Sprayer sein. Ich habe schon überlegt, ob ich nicht kleine Fenster bauen und einziehen kann.»
|
























































