| Schäfer: «Ich bin Politikerin und keine Kunstexpertin» |
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| Dienstag, 28. Dezember 2010 um 18:57 Uhr | ||
Düsseldorf (dpa/lnw) - Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport - Ministerin Ute Schäfer führt eines der Ministerien mit den meisten Ressorts in der rot-grünen Landesregierung. Kultur habe wieder eine Stimme im Parlament, sagt Schäfer. Andere unken dagegen, die Kultur werde das fünfte Rad am Wagen sein. Im dpa-Interview spricht die Kulturministerin über ihre Pläne und den Stellenwert, den Kultur für sie hat.
Sie wollen besonders Jugendlichen die Tür zur Kultur öffnen - haben Sie schon Geld für ihre Projekte in die Hand genommen?
Schäfer: «Wir haben gerade im Kabinett beschlossen, dass wir den Kinder- und Jugendförderplan im Landeshaushalt 2011 von 80 Millionen Euro auf insgesamt 100 Millionen aufstocken wollen. Da wird die Jugendkultur einen zentralen Bereich einnehmen.»
Was machen Sie im klassischen Kulturbereich? Die Kommunen stehen vor riesigen Schulden, Theatern droht das Aus.
Schäfer: «Die Krise der Theater ergibt sich aus der kommunalen Finanzkrise. Und genau die wollen wir bekämpfen, indem wir die Kommunen mit unserem millionenschweren Stärkungspakt Stadtfinanzen entlasten und sie beim Ausbau von Plätzen für unter Dreijährige in den Kindertageseinrichtungen unterstützen. Im Gegenzug erwarten wir dann aber auch, dass die Kommunen nicht als erstes ihren Rotstift bei der Kultur ansetzen. Ich habe für Januar mit den Oberbürgermeistern der theater- und orchestertragenden Städte eine Gesprächsrunde vereinbart, im Anschluss daran mit den Intendanten. Wir wollen erörtern, wie sich die Zukunftsperspektive aus ihrer Sicht darstellt.»
Welche Erwartungen haben Sie denn?
Schäfer: «Einige Theaterentwicklungen im Land zeigen, dass man noch über Kooperationsformen oder Netzwerke nachdenken kann. Rivalitäten zwischen den Städten dürfen nicht handlungsleitend sein, sondern es muss gemeinsam überlegt werden, wer welche Schwerpunkte setzt.»
Ist das Land bereit, Geld zur Rettung der Theater zu geben?
Schäfer: «Die Frage, ob das Land automatisch in die Finanzierung einsteigen kann, die bisher von den Kommunen und Zweckverbänden geleistet wurde, wage ich in der Dimension zu bezweifeln. Da sind viele Erwartungen geweckt worden. Wir werden in die Diskussion einsteigen, weil es mir wichtig ist, dass wir die Vielfalt und hervorragende Qualität unserer Theater und Orchester bewahren.»
Sie werden kritisiert, Ihr Ministerium sei ein Sammelsurium von Ressorts und die Kultur fünftes Rad am Wagen...
Schäfer: «Bei meinen zahlreichen Kulturterminen habe ich genau das Gegenteil erfahren. Kunst und Kultur haben nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Ministerium einen hohen Stellenwert. Beim Regierungswechsel wurde in der Kulturabteilung nicht eine Stelle gestrichen.»
Sie haben angekündigt, Kultur habe wieder eine Stimme im Parlament. Bislang hat man noch wenig davon gehört.
Schäfer: «Das ist wohl eher der Tatsache geschuldet, dass es am Anfang Zeit braucht, sich einen umfassenden Überblick über den Sachstand der einzelnen Projekte zu verschaffen. Und dabei mussten und müssen wir leider noch einige Baustellen der Vorgängerregierung aufräumen.»
Wo zum Beispiel?
Schäfer: «Das Programm "Jedem Kind ein Instrument" zum Beispiel ist absolut unterfinanziert. Man ging davon aus, dass 12 Millionen Euro Spenden eingeworben werden. Es kam aber nur eine knappe Million zusammen. Mit anderen Worten, eine Ausweitung dieses erfolgreichen Projektes wäre gar nicht möglich gewesen. Es ist uns aber jetzt gelungen, die Fortsetzung im Ruhrgebiet zu sichern. Das nächste ist natürlich, wie es außerhalb des Ruhrgebiets weitergeht. Ein anderes Beispiel ist die Stiftung Burg Hülshoff. Mit Ach und Krach haben wir vier Millionen Euro, die der frühere CDU-Ministerpräsident Rüttgers versprochen, aber nicht finanziell abgesichert hatte, im Nachtragshaushalt aufgenommen.»
Wann waren Sie zuletzt im Theater?
Schäfer: «Ich habe in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe von Vorstellungen besucht. Zuletzt war ich in Wuppertal beim Pina-Bausch- Tanztheater. Das ist revolutionär, was Pina Bausch geleistet hat. Kürzlich war ich einen ganzen Tag in der Oper am Rhein, um mir den Betrieb anzuschauen, speziell das Ballett von Martin Schläpfer. Ich gucke auch regelmäßig hinter die Kulissen und nehme mir viel Zeit für Gespräche. Und zwar nicht nur im Theater, sondern auch in Museen und anderen Kultureinrichtungen.»
Für Sie ist also nicht nur die Vernissage und die Premiere wichtig?
Schäfer: «Das wäre fatal. Ich bin Kulturministerin, also Politikerin und keine Kunstexpertin. Ich habe natürlich eine Affinität zur Kultur, wichtiger allerdings ist für mich, Rahmenbedingungen zu gestalten, Moderationen zu übernehmen, Netzwerke zu schmieden, als ständig Premieren zu besuchen. Ich gehe außerdem viel lieber ins Theater, wenn ich nicht als offizielle Ministerin da bin, sondern wenn ich schlicht und einfach den Abend genießen kann.»
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