| Augsburg erhebt keine Ansprüche auf «Geschlechterbuch» |
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| Montag, 01. Februar 2010 um 19:48 Uhr | ||
Augsburg/Stuttgart (dpa/lsw) - Die Stadt Augsburg erhebt keine Ansprüche auf das kürzlich als «Beutekunst» aus den USA nach Stuttgart zurückgekehrte «Augsburger Geschlechterbuch». «Es gehört nach Stuttgart. Der Nachweis lässt sich glasklar führen», betonte der Direktor der Staatsbibliothek Augsburg, Helmut Gier, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Seinen Erkenntnissen zufolge ist es um 1800 rechtmäßig nach Stuttgart gelangt. Eventuell sei es geschenkt worden. Ein bisschen neidisch sei die Fuggerstadt aber schon. Das auf einen Wert von 500 000 Euro geschätzte Buch «würde Augsburg selbstverständlich auch gut zu Gesicht stehen», sagte Gier.
Rund ein Dutzend ähnlicher «Geschlechterbücher» seien wohl noch erhalten, berichtete der Experte. Auch die Stadt selbst habe noch gedruckte Exemplare. Allerdings hätten diese nicht den Wert des Stuttgarter Buchs. «Das besondere daran sind die einzigartigen Zeichnungen und Radierungen, die das Exemplar enthält.» Bücher aus der damaligen Zeit hätten noch nicht eins wie das andere ausgesehen. Allzu neidisch muss Augsburg aber gar nicht sein: Aus der Blütezeit der damaligen schwäbischen Weltmetropole Augsburg im 15. Jahrhundert habe die Stadt noch einige 100 Bücher, die einen ähnlichen Wert hätten wie das Stuttgarter.
Augsburg sei aufgrund seiner finanziellen Lage gar nicht mehr in der Lage, derartige Bücher zu erwerben, sagte Gier. Wenn etwa - wie kürzlich - das «Ehrenbuch der Fugger» dann in die Bayerische Staatsbibliothek in München komme, könne man schon froh sein. «Schließlich hätte es auch in New York oder anderswo landen können. Das womöglich wertvollste Buch in eigenen Beständen sei die «Augsburger Bibelhandschrift» mit einem Millionenwert.
Das «Augsburger Geschlechterbuch» aus dem 16. Jahrhundert ist in der vergangenen Woche nach rund 60 Jahren als «Beutekunst» aus den USA nach Stuttgart zurückgekehrt. Jahrzehntelang galt es als zerstört, bis es 2004 bei Sotheby's in New York zur Versteigerung angeboten wurde. Ein Gericht sprach es dem Land Baden-Württemberg zu. Das Buch mit 43 Zeichnungen und 53 Radierungen werde wieder einen wichtigen Platz in der Sammlung der Staatsgalerie einnehmen, hieß es. Alle Blätter tragen den Stempel des Königlichen Kupferstichkabinetts Stuttgart. Sie zeigen fantasievoll gekleidete Figuren als Halter von Wappen ehrbarer Augsburger Geschlechter.
Gespräch: Roland Böhm, dpa
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