| Totenköpfe feiern Renaissance: Von Caravaggio bis Hirst in Paris |
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| Mittwoch, 03. Februar 2010 um 14:28 Uhr | ||
Von Sabine Glaubitz, dpa
Paris (dpa) - Totenköpfe als Aufruf zum Leben: Das sollen die rund 170 Gemälde und Skulpturen von Caravaggio, Francisco de Zurbarán, Picasso, Georges Braque, Max Ernst und Gerhard Richter sein, die derzeit im Pariser Maillol-Museum zu sehen sind. «Diese Vanitas-Werke sagen uns nicht nur, dass der Tod Teil des Lebens ist, sondern, dass wir unsere knappe Lebenszeit nutzen und jeden Tag auskosten sollen», erklärt Patrizia Nitti, die Kuratorin der Ausstellung «So ist das Leben. Vanitas von Caravaggio bis Damien Hirst».
Egal welche Botschaft der Besucher beim Anblick dieser Sinnbilder der Vergänglichkeit wahrnehmen wird, ob «Memento mori» (Gedenke des Todes) oder «Carpe diem» (Nutze den Tag), die Ausstellung, die bis zum 28. Juni dauert, besticht durch Qualität und Vielfalt der Werke.
Die bunten Polyester-Totenköpfe von Niki de Saint Phalle sind zum Teil aus dem Tarotgarten in der Toscana bekannt. Ein Werk der Künstlerin aus dem Jahr 1988 stammt aus einer Privatsammlung und wird nur selten gezeigt, genauso wie viele andere Exponate der Ausstellung, darunter eine Wandinstallation des indischen Künstlers Subodh Gupta. Bei dem 2009 entstandenen Unikat handelt es sich um eine Art Spiegel: in der Mitte ein Totenkopf aus Stahl, der von poliertem Edelstahlgeschirr umrahmt wird. Beide Werke zusammen mit Gemälden und Skulpturen von Picasso, Georg Baselitz, Andy Warhol, Max Ernst und Jean-Michel Basquiat in einer Ausstellung vereint zu sehen, ist eine Premiere.
Nur selten ausgestellt wird auch das Gemälde des knienden Franziskus mit Totenkopf von Francisco de Zurbarán. Das 1635 gemalte Bild, das beispielhaft die Virtuosität zeigt, mit der Zurbarán die Hell-Dunkel-Malerei beherrscht, stammt aus der Sammlung Adolfo Nobili.
Ein weiterer Höhepunkt ist das Werk von Max Ernst, «Quasimodo genetis», ein Gemälde, auf dem ein düsterer Wald abgebildet ist und dessen Bäume skelettartige Strukturen erkennen lassen. Das 1956 entstandene Werk, ebenfalls eine private Leihgabe, ist Ausdruck einer alptraumhaften Vision des Zerfalls und der Zerstörung.
«In den letzten Jahrzehnten haben die zeitgenössischen Künstler immer häufiger auf das Motiv des Totenkopfs zurückgegriffen. Ein Phänomen, das wir darstellen wollten», erklärt die Kuratorin die Idee zu dieser Ausstellung über Vanitas-Stillleben in allen Varianten und Kunstepochen. Deshalb beginnt die Ausstellung auch mit Werken aus dem 21. Jahrhundert, bevor sie den Besucher langsam bis ins 16. Jahrhundert führt.
Sie gibt einen herrlichen Überblick über die Entwicklung des Vanitas-Symbols, das seine ursprüngliche religiöse Funktion mit dem 18. Jahrhundert verliert. «Wir haben auch deshalb die chronologische Reihenfolge umgekehrt, weil die heutigen Künstler viel anarchistischer mit dem Symbol umgehen und alle Bedeutungen der letzten Jahrhunderte vereinen», erklärt die Kunstexpertin weiter.
Die Ausstellung ist die erste, die unter der künstlerischen Leitung von Patrizia Nitti stattfindet. Sie hat jahrelang für das Pariser Musée de Luxembourg gearbeitet. Ihre Ausstellungen wie «Botticelli», «Arcimboldo» und «Modigliani» zogen Tausende von Besucher an und machten das Museum zu einer der wichtigsten Ausstellungsadressen in Paris. Mit ihren ausgezeichneten Kontakten zur Kunstwelt will die Kuratorin nun das Museum Maillol, das 1949, fünf Jahre nach dem Tod des gleichnamigen französischen Malers und Bildhauers, gegründet wurde, zu einer Top-Adresse machen. Ihr Programm für 2010 ist vielversprechend. In der zweiten Jahreshälfte soll es wahrscheinlich eine große Medici-Ausstellung geben.
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