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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Haitis quirlige Kunstszene will nach vorne sehen PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 04. Februar 2010 um 19:53 Uhr

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Von Ulrike Koltermann, dpa

 

Port-au-Prince (dpa) - Eine haushohe Statue mit einem wippenden Penis steht mitten zwischen den Trümmern von Port-au-Prince. Sie ist das Werk von André Eugène, einem der zahlreichen haitianischen Künstler, die die Hauptstadt mit ihren Werken überziehen. Nirgendwo in der Karibik ist die Kunstszene so quicklebendig wie in Haiti. Das galt zumindest bis zum Erdbeben - und viele Künstler sind entschlossen, die Katastrophe mit den 200 000 Toten so schnell wie möglich hinter sich zu lassen. «Wir müssen weitermachen sobald es geht», sagt Mabelle Williams, Voodoo-Priesterin und Künstlerin, die mit anderen in einem Hinterhof der chaotischen Hauptstraße Grand Rue arbeitet und ihre Werke ausstellt.   

 

«Voodoo hat immer mit dem Leben zu tun, deswegen gibt es viele Darstellungen von Geschlechtsteilen», erklärt die zart gebaute 26- Jährige. Von den etwa 20 Künstlern der Grand Rue sei ein einziger bei dem Beben ums Leben gekommen. «Manche haben schon begonnen, das schlimme Erlebnis in ihren Werken zu verarbeiten», sagte Mabelle und zeigt auf ein Stück Kautschuk, in das eine hässliche Fratze und die Worte «Ho secour» (kreolisch für «Hilfe!») eingraviert sind.   

 

Die Freiluft-Galerie ist vollgestopft mit fantasievollen Schrottkreationen. Hier ist aus einem Kanisterhenkel eine groteske Maske geworden, dort grinsen geisterhafte Gestalten aus verrosteten Ölfässern. Eugène hat seine Skulpturen schon in den USA, Großbritannien und vor einigen Monaten noch in Paris ausgestellt. Im Dezember haben die Künstler der Grand Rue noch eine internationale «Ghetto Biennale» organisiert.   

 

Während die Recycling-Skulpturen unter freiem Himmel vom Beben verschont blieben, sieht es in den zahlreichen Galerien von Port-au- Prince schlimm aus. Das 1944 von einem Amerikaner gegründete Centre d'Art, die erste Galerie des Landes, war in einem der traditionellen Häuser im Hexenhäuschen-Stil untergebracht. Das Beben hat es regelrecht auseinandergerissen. «Wir versuchen, zu retten was zu retten ist», sagt Marie Tout, die mit anderen Mitarbeitern Leinwand um Leinwand aus den Trümmern zieht und säuberlich stapelt.   

 

Auch im Musée de l'Art wird aufgeräumt. Stellwände sind umgekippt, Bilder von der Wand gestürzt, Risse spalten den Beton. «Zum Glück sind unsere Meisterwerke verschont geblieben», sagt der 82 Jahre alte Museumschef Louis Dubois. Der kleine Mann schaut traurig auf das Chaos. Hängen geblieben sind nur die Schwarz-Weiß-Fotos der Künstler, von denen gerade eine Ausstellung gezeigt wurde.   

 

«Haiti lebt in der Kunst», sagt er. Fast jeder Haitianer habe das Bedürfnis, sich in Musik, Malerei oder Skulpturen auszudrücken. Das Musée de l'Art zeigt vor allem die sogenannte naive Kunst, für die Haiti seit den 20er Jahren bekannt ist: Sie verzichtet auf Perspektive und zeigt häufig Landschaften oder landwirtschaftliche Szenen in grellbunten Farben.   

 

Mehr oder weniger schlecht gemachte Variationen davon verkaufen sich auf der Straße rund um die Hotels, in denen Ausländer absteigen. Und selbst in der Katastrophe läuft das Geschäft: Derzeit zählen unter anderem französische Sicherheitskräfte zu den Kunden, die sich von ihrem Kriseneinsatz ein buntes Souvenir mitnehmen wollen.

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