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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Maler des Lichts - zum 75. Todestag von Max Liebermann PDF Drucken E-Mail
Freitag, 05. Februar 2010 um 20:29 Uhr

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Von Catherine Simon, dpa

 

Hamburg (dpa) - Als am 30. Januar 1933 die Nazis mit brennenden Fackeln durch das Brandenburger Tor ziehen, seufzt er: «Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte.» Auch sonst nahm Max Liebermann nie ein Blatt vor den Mund. Der Hauptvertreter des deutschen Impressionismus und Wegbereiter der Moderne in Deutschland wurde wegen seiner realistischen Bilder von Bauern, Waisenkindern und Näherinnen anfangs als «Apostel der Hässlichkeit» beschimpft. Heute ist das Interesse an seiner Kunst genauso groß wie das an seiner Person. In seine frühere Villa am Berliner Wannsee strömen jährlich 80 000 Besucher. An diesem Montag jährt sich der Todestag des humorvollen Großbürgers zum 75. Mal.   

 

«Die gut gemalte Rübe ist ebenso gut wie die gut gemalte Madonna», entgegnete Liebermann (1847-1935) dem Vorwurf der «schmutzigen Staffelei» und der «unheroischen Motive». Eins seiner berühmtesten Bilder, die «Gänserupferinnen», rief 1872 «einen unglaublichen Aufschrei hervor», sagt der Kunsthistoriker und Leiter der Berliner Villa Liebermann, Martin Faass. «Solche niederen Arbeiten in einem solchen Großformat zu zeigen, wie es sonst nur Bildern von Schlachten vorbehalten war, war schon sehr revolutionär.» Das erkannten die meisten seiner Zeitgenossen jedoch nicht an. Sie erregten sich über seinen nüchternen Realismus und beschimpften Liebermann als «Herrgottschänder».   

 

Auch gegen seine Eltern muss sich der Sohn eines reichen jüdischen Textilfabrikanten durchsetzen. Die Familie lebt in einem herrschaftlichen Palais direkt am Brandenburger Tor. Mutter und Vater wünschen sich für ihn ein sinnvolles Studium, das auch für Familie und Betrieb von Nutzen ist. Doch Liebermann reitet lieber im Berliner Tiergarten aus oder malt, statt seine Chemie-Vorlesungen zu besuchen. Schließlich wird er wegen «Studienunfleiß» exmatrikuliert. «Seine Eltern haben sicher die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen», vermutet Faass. «Für sie war seine Entscheidung für die Kunst eigentlich inakzeptabel.»   

 

At the Swimming Pool by German Max Liebermann 1875-1878 oil

 

Doch Liebermann lässt sich nicht beirren. Als Schüler des belgischen Historienmalers Ferdinand Pauwels und nach intensiver Beschäftigung mit dem Werk Rembrandts, porträtiert Liebermann mit Vorliebe das Leben der einfachen Leute auf dem Land. In seinen Bildern beschönigt er nichts, aber die soziale Anklage ist trotzdem nicht sein Ziel.   

 

Um die Jahrhundertwende wechselt der Künstler dann die Motive. Er malt nun seine eigene Welt, die des preußischen Großbürgertums: Müßiggänger, Polospieler, Kaffeekränzchen und Reiter am Strand. Sein Stil wird immer impressionistischer. «Sein Interesse verschob sich hin zu optischen Phänomenen und besonders denen des Lichts», sagt Faass. Berühmt wurden seine «Sonnenflecken», wie er sie erstmals auf einem Bild mit schwarz gekleideten Herren im Garten eines katholischen Altmännerhauses in Amsterdam festhält. Die durch das Laub von Bäumen fallenden Sonnenstrahlen erzeugen eine ganz besondere Atmosphäre. In mehr als 200 Bildern malt der Künstler Motive aus dem Garten seiner Villa am Wannsee.   

 

Doch nicht nur als Maler hatte Liebermann großen Einfluss. «Er war ein sehr wichtiger Motor für die moderne Kunst in Deutschland», sagt Faass. Als Gründungsmitglied der fortschrittlichen Künstlergruppe «Berliner Secession» und Präsident der Preußischen Akademie der Künste setzte er sich für Künstler wie Otto Dix ein und macht Berlin zu einem bedeutenden Forum für die zeitgenössische Kunst.   

 

Doch die Nationalsozialisten brandmarken seine Werke als «entartet» und entfernten sie aus der Berliner Nationalgalerie und anderen öffentlichen Museen. Aus Protest gegen ihre antisemitische Propaganda legt Liebermann 1933 alle öffentlichen Ämter nieder. Er isoliert sich immer mehr, und auch seine Kollegen meiden ihn. Er stirbt vereinsamt am 8. Februar 1935 im Alter von 87 Jahren. Seine letzte Ruhestätte findet er auf dem Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee in Berlin. Acht Jahre später nahm sich seine Frau das Leben, um der Deportation ins KZ Theresienstadt zu entgehen.   

 

«Fast keine Bilder werden auch heute noch so teuer verkauft wie die von Max Liebermann», sagt Kunsthistoriker Faass. Der Maler selbst hatte diese Popularität wohl schon vorausgesehen. Als sich der berühmte Arzt Ferdinand Sauerbruch bei Liebermann beschwerte, weil er so lange für ein Porträt stillsitzen musste, bekam er von ihm zu hören: «Wenn Sie'n Fehler machen, dann deckt ihn anderntags der jriene (grüne) Rasen. Aber'n Fehler von mir sieht man über hundert Jahre an de Wand häng'n.»

 

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Tags: liebermann  f  
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