| Werke von vergessener Malerin Huschke in Neustrelitz |
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| Sonntag, 07. Februar 2010 um 20:23 Uhr | ||
Von Winfried Wagner, dpa
Neustrelitz/Halle/Tübingen (dpa/mv) - Sie war Meisterschülerin in Weimar, verweigerte sich dem staatlichen Kulturbetrieb in zwei Diktaturen und gehört zu den fast vergessenen deutschen Malerinnen: Hedwig Huschke (1900-1987). Trotz der kulturpolitischen Nichtachtung hängen ihre Bilder aber in Tübingen, Berlin und im Lessing-Museum Kamenz. Fast 60 Jahre nach ihrer letzten öffentlichen Ausstellung zeigt das Stadtmuseum Neustrelitz derzeit die bisher umfangreichste Schau mit Werken der damals als Porträt- und Landschaftsmalerin bekannten Künstlerin. «Sie lebte sehr zurückgezogen, hatte aber ein Netzwerk von Bekannten», erinnert sich der Neustrelitzer Ex- Bürgermeister und Neffe der Malerin, Georg Huschke, als Organisator der Ausstellung.
Der 65-Jährige ist einer der wenigen, die die Malerin noch persönlich kennen. Er wuchs nach den Kriegswirren in ihrem Atelier in Halle auf, das zugleich ihre Wohnung war. «In Halle lebte und arbeitete sie von 1930 bis 1987», berichtet Huschke, der sich noch lebhaft an den Geruch von Dammarharz und Terpentinöl zum Farbenmischen erinnert. Der studierte Musiker hat das Atelier 1987 aufgelöst und will jetzt als Ruheständler den künstlerischen Nachlass seiner Tante mit rund 2800 Werken aufarbeiten. Experten schätzen die hohe handwerkliche Kunst Hedwig Huschkes.
Die Frau, die schon als Kind Malerin werden wollte, wuchs bis 1920 in Köslin im damaligen Pommern an der Ostsee auf. Als 21-Jährige kam sie nach Weimar, wo sich akademisch-traditionell arbeitende Meister und Professoren wie Max Thedy und Hugo Gugg mit Bauhaus- Leiter Walter Gropius auseinandersetzten. Hedwig Huschke widmete sich vor allem der Porträtmalerei. Als Christin verweigerte sie sich zunächst den Nationalsozialisten und tritt 1937 aus der «Reichskammer für bildende Künste» aus.
Ihr Können kommt der Malerin auch in der DDR zugute. «Die Teilung hat sie nie hingenommen, fuhr regelmäßig in den Westen, auch zu Bildstudien», erinnert sich der Neustrelitzer. 1953 auf dem Höhepunkt des Stalinismus skizziert sie die Apostel aus dem Dom zu Halle für einen Auftrag des Konsistoriums aus Magdeburg. Das passte den DDR- Kulturfunktionären nicht. «Es war der Grund, sie aus dem Verband Bildender Künstler Deutschlands auszuschließen», sagt Huschke. Damit seien Ausstellungen nicht mehr möglich gewesen, aber ihre Beziehungen halfen der Malerin.
So malt sie 1962 den Rektor der Universität Tübingen, Alfred Nitschke, und später auch den Generaldirektor der Deutschen Staatsbibliothek Berlin, Horst Kunze. Die Führungsetage der Staatsbibliothek bescheinigt ihr eine «hervorragende Ausführung» und beauftragt sie zudem mit einer Kopie des bekannten Bildnisses von Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahre 1771 von Anton Graff. Bei dieser Arbeit las sie nebenbei Lessings Werk, erinnert sich Huschke. Bei der Staatsbibliothek quittierte man die Arbeit mit «vorbehaltloser Bewunderung.» Das Bild kam ins Lessing-Museum Kamenz und wurde Vorlage für Postkarten des Museums in der DDR.
Neben solchen Porträts sind auch Grafiken, wie die von den Aposteln des Hallenser Doms, sowie Landschaftsgemälde der Künstlerin in Neustrelitz zu sehen. «Sie war sehr naturverbunden und spielte auch Geige», berichtet Huschke. Wenn er das Werkverzeichnis fertig hat, will er sich an Museen und Archive in Halle und Weimar wenden, um den Nachlass zu sichern. Nachkommen der Malerin gibt es nicht. Die Ausstellung ist noch bis 14. März in Neustrelitz zu sehen.
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