| Märchenprinz und Tausendsassa: Ernst Fuchs wird 80 |
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| Montag, 08. Februar 2010 um 19:32 Uhr | ||
Wien (dpa) - Wenn in der heutigen Zeit noch jemand das Prädikat «Universalkünstler» verdient, dann ist das Ernst Fuchs. Der gebürtige Wiener ist nicht nur Maler und Bildhauer, sondern auch Architekt, Komponist, Bühnenbildner, Buchautor und Philosoph. Auch als «Märchenprinz» und «Kaiser» wird er von Kunstfans gerne betitelt - bedeutende Posen sind dem Meister nicht fremd. «Der Mensch glaubt, dass die Vernunft alles ist. Aber die meisten Dinge, die den Menschen ausmachen, kommen durch Einfälle», sagte Fuchs einmal in einem Interview mit der dpa. An diesem Samstag (13. Februar) wird der Künstler mit dem markanten Bart 80 Jahre alt.
Seine Werke sind dem Surrealismus und Manierismus zuzuordnen, seine Themen reichen von christlicher und jüdischer Symbolik über Träume und Visionen bis hin zu mittelalterlichem Totentanz, Gotik und Renaissance. All dies verbindet sich bereits in seinem Frühwerk zu einer charakteristischen, eigenständigen Bildwelt. «Schon als Vierjähriger konnte er mit seinen Bleistiftzeichnungen die Erwachsenen in Sprachlosigkeit versetzen», sagte der Dirigent Friedrich Haider einmal, der Fuchs seit seinem 10. Lebensjahr kennt. «Das wurde für ihn zu einer Art Waffe der Selbstbehauptung.»
Ernst Fuchs wurde 1930 geboren und blieb Einzelkind. Sein Vater war ein glühender Wagner-Fan und beeinflusste die künstlerische Entwicklung seines Sohnes maßgeblich. Von 1946 bis 1950 studierte er an der Wiener Akademie der Bildenden Künste, bereits 1949 würdigte ihn Paris mit einer ersten Einzelausstellung.
Nach einem längeren Aufenthalt in einem Benediktinerkloster am Berg Zion in Jerusalem und eingehender Beschäftigung mit der Ikonenmalerei zog der Österreicher nach Paris. Es folgten Reisen in die USA, nach Italien, Spanien und England. Entscheidend wurde die Begegnung mit Salvador Dalì, der dem jungen Wiener Anerkennung und Unterstützung zukommen ließ.
Künstlerisch setzte sich Fuchs in den 60er Jahren international durch. 1972 kaufte er die Otto-Wagner-Villa am Wiener Stadtrand und widmete sich beim Bau der Brunnenanlage «Nymphäum Omega» seinen architektonischen Talenten. Seit 1988 lebt Fuchs jedoch überwiegend in Monaco, so dass die Villa, in der er früher sein Atelier hatte, als Privatmuseum dient. Das Museum gibt in seinem Zusammenspiel von Architektur, Kunst und Inneneinrichtung einen Einblick in die Vorstellungswelt des Tausendsassa, der stets ein Gesamtkunstwerk schaffen wollte.
Aus den 70er Jahren stammen zahlreiche Skulpturen sowie Opernausstattungen, etwa für «Parsifal» und «Die Zauberflöte» in Hamburg und für den «Lohengrin» in München. Später spielt Fuchs mystisch inspirierte Schallplatten ein.
Dem in dritter Ehe verheirateten Vater von 16 Kindern hat der Regisseur Jürgen Haase vor wenigen Jahren einen Dokumentarfilm gewidmet. «Mit den Augen der Seele. Straßensänger und Kaiser wollt' ich werden», heißt das Werk, das tiefe Einblicke in das Leben und künstlerische Schaffen des Exzentrikers gibt. «Über ein Jahr, 2005, hatte ich die Gelegenheit, einen Künstler des 20./21. Jahrhunderts mit der Kamera zu begleiten: Entstanden ist die filmische Erzählung von einem Menschen, der aus seiner eigenen Geschichte eine Lebensphilosophie entwickelt hat, die mich als Filmemacher fasziniert», erläuterte Haase später.
Der 1991 gestorbene deutsche Bildhauer und Architekt Arno Breker brachte die Leistung des Wieners einmal auf den Punkt:«Was an Fuchs besticht, ist seine hohe Intelligenz, seine enorme Belesenheit und seine sprühende Phantasie, die sich wie eine langaufgestaute Quell ergießt und alles in Begeisterung mitreißt; sie scheint nie zu versiegen.»
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