| Im Streit um die Figuren schlagen die Emotionen hoch |
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| Mittwoch, 10. Februar 2010 um 06:08 Uhr | ||
Von Stephan Maurer, dpa
Erlangen (dpa/lby) - Eine Fülle von Briefen und E-Mails ist in den vergangenen Tagen im Erlanger Rathaus eingetroffen. Sie alle haben denselben Tenor: Heftiger Protest gegen die geplante Streichung des renommierten Figurentheaterfestivals. Die Mehrheitsfraktionen von CSU und FDP möchten damit 300 000 Euro im Haushalt einsparen. Nun wollen die Kommunalpolitiker nochmals nachdenken: Anstatt bereits an diesem Donnerstag (11. Februar) im Haupt- und Finanzausschuss zu entscheiden, wird ein Beschluss voraussichtlich erst am 25. Februar im Stadtratsplenum fallen. «Zu diesem Punkt besteht noch besonderer Gesprächsbedarf», heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus.
Das Figurentheaterfestival findet bereits seit 1979 statt; es gilt als eine der wichtigsten Veranstaltungen für Figuren-, Bilder- und Objekttheater weltweit. Entsprechend breit fällt der Widerstand gegen den Plan aus, das Festival sterben zu lassen. Aus ganz Deutschland, aber auch aus der Schweiz, Österreich, Frankreich, Spanien, Serbien, Polen und aus den USA trafen Protestschreiben und Solidaritätsadressen ein.
So schrieb Prof. Hartmut Lorenz von der Berliner Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» an Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU): «Sie erschrecken alle Menschen, die sich um die Kultur einer Gesellschaft sorgen.» Das Festival trage zur Professionalisierung einer Kunst bei, «die wie kaum eine andere in der Lage ist, intensiv Phantasie und Sinnlichkeit des Individuums zu fordern und zu fördern».
Sarkastisch äußert sich die Karlsruher Regisseurin und Figurenspielerin Friedrike Krahl: «Sie setzen sich damit ein Denkmal als kurzsichtige Schildbürger ohne Mut und Phantasie», attestiert sie den Erlanger Kommunalpolitikern. Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Puppentheater, Michael Staemmler, fragt: «Wegen minimaler Ersparnis soll eines der weltweit renommiertesten Festivals für Figurentheater gestrichen werden?» Bestürzt zeigt sich die Direktorin des Internationalen Figurentheaterfestivals Baden-Württemberg, Katja Spiess: «Die Einstellung des Festivals wäre ein nicht wieder gut zu machender Verlust für das Genre Figurentheater.»
Auch die Philosophische Fakultät der Universitätsstadt Erlangen protestierte gegen die Streichung des Festivals: «Es zählt zu den bedeutendsten europäischen Festivals für avancierte Theaterformen an der Schnittstelle von Schauspiel und Medienkunst.» Der Ausstieg aus dem Festival wäre «ein enormer Verlust an künstlerischer Inspiration und internationalem Austausch»; die Stadt würde einen «unschätzbaren Standortfaktor» verlieren. Die kulturpolitische Sprecherin der Erlanger CSU, Gabriele Kopper, zeigt Verständnis für die Proteste; ihre Fraktion will aber an dem Sparbeschluss festhalten. «Unsere Position ist unverändert», sagte Kopper der Deutschen Presse-Agentur dpa. Es gehe darum, mit dem Poetenfest und dem Internationalen Comic-Salon wenigstens zwei der drei renommierten Erlanger Festivals zu erhalten. «Ich würde gern alle drei bestehenlassen», versichert Kopper; aber das sei eben aus finanziellen Gründen nicht möglich.
Auch die FDP-Fraktion will sich nicht irre machen lassen. Die Haushaltslage der Stadt sei desaströs, sagt der kulturpolitische Sprecher der FDP-Stadtratsfraktion, Lars Kittel. «Wir haben mit 38 Millionen Euro das höchste Defizit aller Zeiten. Wir werden Steuererhöhungen beschließen und viele andere Kröten schlucken müssen.» Deshalb müsse auch die Kultur zu den Einsparungen beitragen. «Egal welches Festival wir genommen hätten, der Protest wäre immer ähnlich groß gewesen», sagt Kittel. Tags: f
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