| Zwist über bayerische Kultur im Landtag |
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| Mittwoch, 10. Februar 2010 um 17:42 Uhr | ||
München (dpa/lby) - Die neuen «Leitlinien zur bayerischen Kultur» bringen die Staatsregierung im Landtag in Bedrängnis: Alle drei Oppositionsfraktionen warfen der CSU/FDP-Koalition im Hochschulausschuss einhellig vor, in den am Mittwoch vorgestellten Leitlinien die Kultur im Freistaat viel zu eng auf das Althergebrachte zu begrenzen - Münchner Oper und Wittelsbacher Kunstschätze auf der einen, Trachtenvereine auf der anderen Seite. Grüne, SPD und Freie Wähler hingegen forderten, dass die Moderne mehr Platz in der bayerischen Kulturpolitik erhält. Das Wissenschaftsministerium selbst wiederum hat wegen der schlechten Haushaltslage Angst vor drohenden Sparmaßnahmen bei Kunst und Kultur. Was die bayerische Kultur eigentlich ausmacht, blieb ungeklärt.
In den Leitlinien schreibt das Wissenschaftsministerium fest, dass München auch künftig Zentralgestirn am bayerischen Kulturhimmel bleiben soll: «Jedes Land braucht ein Zentrum, in dem die unterschiedlichen kulturellen Strömungen zusammen kommen», heißt es in dem Papier. Als die zwei wichtigsten «Traditionslinien» in Bayern werden das höfische Erbe der Wittelsbacher und die regionalen Kulturschätze in früher selbstständigen Städten und kirchlichen Fürstentümern wie Nürnberg oder Passau eingestuft.
Die Bevorzugung Münchens stößt vielen Nicht-Münchnern im Landtag sauer auf - sogar denen aus dem Münchner Dunstkreis. Sie fürchten eine andauernde Vernachlässigung anderer Regionen. «Ich bin Provinzpolitiker und stolz darauf», sagte der Grüne Sepp Dürr - der aus dem Münchner Vorort Germering stammt. «Wenn's in München überquillt, so ist die Vorstellung, wird das ganze Land bewässert.» Dürr bescheinigte der Staatsregierung «ein erzkonservatives Kulturverständnis». Die Kulturpolitik sollte nach Einschätzung der Grünen nicht hauptsächlich das höfische und klerikale Erbe Bayerns bewahren, sondern viel aufgeschlossener für Neues sein.
Das verlangten auch SPD und Freie Wähler. «Die Veränderungen der bayerischen Gesellschaft haben keinen Niederschlag gefunden», kritisierte Isabell Zacharias (SPD), die Vizevorsitzende des Hochschulausschusses. Als Beispiele nannte sie die Kultur der vielen Einwanderer in Bayern und neue Medien wie Computerkunst und -spiele. Michael Piazolo von den Freien Wählern beklagte eine «vergebene Chance». Kulturpolitik für die Jugend komme in den Leitlinien kaum vor, und die Kulturpolitik für alte Menschen überhaupt nicht.
Die CSU hingegen ist zufrieden sowohl mit dem Kulturangebot in Bayern als auch mit den Leitlinien des FDP-geführten Wissenschaftsministeriums. «Wir haben eine sehr gute Situation der kulturellen Arbeit in Bayern, und zwar sowohl in der Spitze als auch in der Breite», sagte der Ausschussvorsitzende Bernd Sibler (CSU). Theaterschließungen drohen in Bayern nach CSU-Einschätzung bisher nicht. Das Wissenschaftsministerium pocht angesichts der leeren Staatskasse vorbeugend darauf, dass freiwillige Leistungen bei der Kulturförderung «nicht überproportional» gekürzt werden. |
























































