| Dauer-Zoff um Nofretete - Auf den Spuren der Entdecker |
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| Mittwoch, 10. Februar 2010 um 17:47 Uhr | ||
Von Uta Knapp, dpa
Essen (dpa/lnw) - Mehr als 80 Jahre tobt bereits der Streit um eine Rückgabe der bemalten Büste der ägyptischen Königin Nofretete. Wie kaum ein anderes Fundstück früher Expeditionen ist die mehr als 3000 Jahre alte Gattin des Ketzer-Pharaos Echnaton damit zum Symbol der Verquickung von Archäologie und Politik geworden. Mit seiner ersten Sonderausstellung macht sich das vor einem Monat in Essen eröffnete RuhrMuseum im Kulturhauptstadtjahr 2010 auf die Suche nach den Hintergründen und Motiven der frühen Forscher und Entdecker.
«Das Grosse Spiel - Archäologie und Politik zur Zeit des Kolonialismus» heißt die Schau, die vom 12. Februar bis zum 13. Juni in der ehemaligen Kohlenwäsche der Essener Zeche Zollverein zu sehen ist. Mit der neuen Ausstellung sei dieses Thema zum ersten Mal umfassend untersucht worden, sagte am Mittwoch die Leiterin der archäologischen Sammlung des RuhrMuseums, Charlotte Trümpler. Mehr als 800 Objekte, Fotografien und Filme werden zum Teil erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert.
Stellvertretend für die Original-Nofretete, die die Berliner Museumsinsel nicht verlassen hat, steht in der Essener Schau eine 1913 für Kaiser Wilhelm II angefertigte Kopie. Umrahmt wird die von dem deutschen Architekten und Ägyptologen Ludwig Borchardt ausgegrabene Königin von Ausschnitten aus Satirezeitschriften aus den 1930er Jahren. «Kommen Sie doch wieder mit nach Ägypten, schöne Nofretete, ich mache Sie zu meiner Lieblingsfrau im Harem», lockt etwa König Foud II. von Ägypten in der Satirezeitschrift Kladderadatsch im Jahr 1930.
In dem Katalog zur Ausstellung wird die damals vorgenommene offizielle Teilung der Fundstücke zwischen dem deutschen Ausgräber und dem Inspektor des ägyptischen Antikendienstes dokumentiert. Bereits nach der ersten öffentlichen Ausstellung der so nach Berlin gelangten Büste der Nofretete im Jahr 1924 wurden erste Rückgabe- Forderungen laut. Bis heute existiere aber keine offizielle Forderung der ägyptischen Regierung, betonte der Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts, Professor Hans-Joachim Gehrke, bei der Vorstellung der Schau in Essen. Ägyptens Antikenchef Zahi Hawass hatte allerdings zuletzt Ende vergangenen Jahres den Rückgabe- Anspruch seines Landes unterstrichen.
Mit der Entdeckung des berühmten Pergamon-Altars in der heutigen Türkei sorgte auch der Essener Ingenieur Carl Humann für anhaltende Diskussionen. Der als Sohn eines Gastwirts im Essener Stadtteil Steele geborene Entdecker habe den wertvollen Fund vermutlich nicht nur vor den Kalkbrennöfen gerettet, sondern auch nach damaligen Gesetzen rechtmäßig erworben, betont Trümpler. Während Humann als Straßenbau-Ingenieur seine Liebe zur Archäologie entdeckte, waren seine frühen Forscher-Kollegen auch in militärischer Mission, als Priester, Touristen oder sogar als Spione unterwegs.
Untermalt von «James Bond»-Klängen stellt die Schau den Ausgrabungsassistenten Thomas E. Lawrence vor, der als britischer Spion unter dem Namen «Lawrence von Arabien» Karriere machte. Sein deutscher Forscher-Kollege Max von Oppenheim reiste gar zur Tarnung mit falschem Pass unter dem Namen «Max Ohnesorg». «Archäologie ist ein extrem politisches Geschäft», sagte der Direktor des RuhrMuseums, Professor Ulrich Borsdorf. Moderne Archäologen haben deshalb äußerste Zurückhaltung zu ihrem Grundsatz gemacht. «Wir sind ein Forschungsinstitut. Wir sammeln nicht. Und wir lassen alles in den Ländern, in denen wir es finden», betont der deutsche Chef-Archäologe Gehrke. |

























































