| Werk abgeschlossen: Bildhauer Wieland Förster wird 80 |
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| Donnerstag, 11. Februar 2010 um 05:54 Uhr | ||
Von Simona Block, dpa
Dresden (dpa) - Vor drei Jahren hat der Bildhauer Wieland Förster mit der bildenden Kunst abgeschlossen. «Mein Werk war vollendet, ich habe einen klaren Bruch gemacht», sagt der aus Dresden stammende Künstler. Rund 340 Plastiken, meist Bronzegüsse, rund 1000 Zeichnungen und etwa 350 Radierungen und Lithografien umfasst sein Oeuvre. Eine 2,40 Meter hohe Porträtstele des Schriftstellers Uwe Johnson (1934-1984), die vor dessen Gymnasium in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) steht, war seine letzte Arbeit. «Ab da versagte meine kaputte Wirbelsäule», erzählt Förster, der an diesem Freitag (12. Februar) 80 Jahre alt wird. Jede weitere bildhauerische Arbeit hätte ihn in den Rollstuhl gebracht.
«Es gibt zwei Pole: die Traumatisierung in jungen Jahren und das Glücksgefühl, was ein Mann von einer Frau erfahren kann», beschreibt der bei Berlin wohnende Förster Leben und Werk. «Die Arbeit an Frauengestalten hat mir immer wieder Kraft gegeben.» Einen Tag nach seinem 15. Geburtstag war er Zeuge der Bombardierung und Zerstörung seiner Heimatstadt Dresden geworden. Nach dem Ende der Nazidiktatur folgte ein neues Martyrium: Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte den Halbwüchsigen 1946 zu Unrecht wegen angeblichen Waffenbesitzes zu zehn Jahren Zwangsarbeit - «die schmerzlichste Phase meines Lebens».
Er kam ins berüchtigte «Sterbelager» Bautzen. Als man ihn drei Jahre später amnestierte, war seine Gesundheit durch eine schwere Tuberkulose dauerhaft geschädigt. «Als sogenannter freier Mann habe ich allein mit meinem Schicksal, Verlust und Traumata fertigwerden müssen.» Geholfen habe ihm die heilsame Liebe zu Frauen. «Die Frau war das Glückselement in meinem Leben.» Nach dem Studium an der Kunsthochschule Dresden und als Meisterschüler bei Fritz Cremer an der Akademie der Künste in Berlin arbeitete er von 1961 an als freischaffender Künstler.
«Ohne aufzusehen habe ich praktisch bis 2007 pausenlos an meiner künstlerischen Arbeit gehangen», erinnert sich Förster. Er sei besessen gewesen, den unsinnigen Toten von Kriegen und Diktaturen Denkmäler zu setzen. Fast alle seine Arbeiten entstanden - wie sein «Großer Trauernder Mann» (1983), der den Bombenopfern vom 13. Februar 1945 in Dresden gewidmet ist - im «Selbstauftrag». Erst nach langen Kämpfen wurde die Aufstellung vom SED-Staat genehmigt. Über Jahre in einem Keller verschwinden musste auch sein «Großer Schreitender Mann» (1969), bis sich in Güstrow doch ein Platz fand. Die nackte Gestalt, die irdische Lasten mit sich herumzuschleppen schien, widersprach zu augenfällig den Lobgesängen vom aufblühenden Sozialismus.
«Ich habe meiner inneren Spur folgend immer das gearbeitet, was mir wichtig war, mich erfüllt, seelisch-geistig beschäftigt hat», sagt Förster, der seine prägenden Erlebnisse erst nach dem Mauerfall mit «Protokoll einer Gefangenschaft» filmisch dokumentieren konnte. «Die Leiderfahrung hat mich nicht zerbrochen, sondern stärker und liebevoller gemacht», schrieb er später. Die Darstellung des «Menschen, der schikaniert und verletzt» wird, war sein Thema. Seit Mitte der 1960er Jahre entstehen einprägsame, expressiv-figurative Skulpturen von Opfern, Martyrien und Passionen.
Nach Herztod und Wiederbelebung 1991 schuf er «mit größerer Gelassenheit und größerer innerer Freiheit» sein Spätwerk. Bis zum körperlichen Zusammenbruch folgten «Nike»- und «Daphne»-Figuren, späte Porträts und der «Marsyas» (1999). In die Figur floss seine 70- jährige Erfahrung des 20. Jahrhunderts ein, sagt er. Mit der weiblichen Figur «Anfang» von 2000 habe er einen Hoffnungspunkt setzen wollen. «Um den Menschen ins Stammbuch zu schreiben, dass ein neues Jahrtausend neue Chancen bietet.» Entgegen seinen Hoffnungen habe sich aber nichts geändert.
Die Mahnung, die Förderung des Guten und die Ächtung des Bösen hätten ihn immer angetrieben. «Den Satz, ein Künstler stirbt erst dann, wenn sein Werk fertig ist, habe ich zu meinem Lebensmotto gemacht.» Nach fast 50 Jahren künstlerischer Tätigkeit hat sich Förster einem Genre zugewandt, das er schon lange nebenbei pflegte, dem Schreiben. «Ich bin mit genauso großer Leidenschaft als Schriftsteller tätig.» Davon zeugen seine veröffentlichten Reisetagebücher. Nun arbeitet er an der Jugendbiografie über seine Kindheit in Dresden, die fünf kleinen Erzählungen sollen im August erscheinen.
Mit der bildenden Kunst habe er Schluss gemacht. «Wir grüßen uns noch, aber ich habe den Absprung geschafft.» Auch das Zeichnen falle zu schwer. «Was wichtig war, habe ich gemacht, so gut es ging, mehr kann ich nicht tun.»
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also, wie habe ich mich gefreut, von wieland förster neues zu lesen, auch, wenn es eigentlich traurig ist. ich bin ein fan von dem bildhauer schon seit 20 jahren. auch seine texte sind wunderbar. ich zitier oft aus seinen vüchern, aus seinen interviews. klasse. grüssen sie ihn von mir. danke anne-gret winkler