| Fastnachtsspuk im Körnigreich - Museum für einen Vergessenen |
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| Montag, 15. Februar 2010 um 17:42 Uhr | ||
Von Simona Block, dpa
Dresden (dpa/sn) - Faszination Karneval: Bunt verkleidete Gestalten, Harlekine, Damen mit Hut und grotesken Masken bevölkern die Gemälde und grafischen Blätter. Die Bilder aber, die vom lustigen Treiben zur Faschingszeit im Dresden der 1950er Jahre zeugen, blieben jahrzehntelang ebenso verborgen wie die anderen Werke des Malers und Grafikers Hans Körnig (1905-1989). Dazu zählen Familienbildnisse, Porträts von Freunden, Nachbarn und Bekannten, Landschaften, Akte und Stadtansichten sowie Zeugnisse seiner Kriegserlebnisse. Körnigs Töchter und ein Mäzen haben die über Jahrzehnte weggesperrten Kunstwerke nun ans Licht geholt und ihnen ein «Körnigreich» geschaffen.
Unter diesem Namen eröffnet in für die Kultur nicht eben rosigen Zeiten im Dresdner Barockviertel ein privates Kunstmuseum, mit dem zugleich viele Körnig-Werke an den Ort ihrer Entstehung zurückkehren. Eingerichtet hat es der Kaufmann Rudolf Presl gemeinsam mit den Erben in dem Haus Wallgässchen 2, in dem Körnig 26 Jahre wohnte, arbeitete und ausstellte. Presl, Besitzer der Bavaria Kliniken, hatte einen bedeutenden Teil des Nachlasses erworben, der Anfang der 1990er Jahre der Familie zurückgegeben worden war. «Ich möchte dem Werk Körnigs eine dauerhafte Ausstellung und wissenschaftliche Begleitung ermöglichen», sagt der Endfünfziger, der das Museum finanziert.
Körnig stammte aus Flöha und studierte 1930 bis 1933 an der Dresdner Kunstakademie, die er aber aus stillem Protest gegen die Entlassung von Otto Dix verließ. Bis zum Einzug an die Russische Front und nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft arbeitete Körnig freischaffend in Dresden. Mangels Ausstellungsmöglichkeiten zeigte er seine Arbeiten im Atelier und auf dem Dachboden - zur zweiten Dachbodenausstellung 1955 kam neben den damals jungen Malern Georg Baselitz und A.R. Penck auch Altmeister Otto Dix.
«Ich bin von ihm und seiner Geschichte fasziniert», sagt Presl, der 1990 nach Sachsen kam und in Kreischa das damalige Zentralinstitut für Sportmedizin übernahm. Vor einigen Jahren habe er die Städtische Galerie in Dresden besucht. «Das Körnig-Bild "Fasching in Pieschen" hat mich gefesselt.» Presl las über den Künstler und stellte fest, dass Körnig lange Zeit in der Nähe seines Heimatortes in Niederbayern gelebt hat. «Da kreuzten sich plötzlich zwei Spuren», sagt Presl. Später hörte er sich in der Galerieszene um, erfuhr, dass Körnig als «Meister der Aquatinta» galt und nahm Kontakt zu den Erben auf.
Für wechselnde Ausstellungen im «Körnigreich» stehen nun insgesamt 110 Ölgemälde und 1300 Aquatinta-Radierungen - wie sie auch Goya, Picasso, Käthe Kollwitz oder Dix nutzten - zur Verfügung. In dem Museum sehen Presl und drei Körnig-Töchter, zwei davon hatte seine Frau mit in die Ehe gebracht, eine späte Würdigung für den Vater. Körnig war 1958 aus dem Verband Bildender Künstler Deutschlands ausgeschlossen worden, da auf seinem Bild «Straße der Befreiung» Hammer und Sichel der sowjetischen Fahne unter die Hufe des Pferdes vom Reiterstandbild August des Starken geraten waren. Während einer illegalen Reise mit Frau und Tochter nach Holland und Belgien versperrte ihnen 1961 die Mauer die Rückkehr, die Körnigs blieben im Westen.
Das in Dresden befindliche Werk wurde beschlagnahmt und war bis zur Wende unzugänglich. Körnig arbeitete in Niederbayern, bis er sich nach zunehmender Erblindung am 14. Oktober 1989 das Leben nahm. 20 Jahre später konnte Presl 260 Quadratmeter in dem Haus mieten, in dem Körnig einst arbeitete. «Ich bin durch ihn zur Kunst gekommen, kein Sammler, aber kunstinteressiert.» Mit dem «Körnigreich» will er die Dresdner für den Künstler begeistern und hofft auf viel Zuspruch. Die erste Schau «Fastnachtsspuk im Wallgässchen» vereint 32 Ölbilder, 76 Aquatinten und Zeichnungen, eine Druckplatte und die Staffelei von Körnig. Geplant sind ein Programm für Kinder und Jugendliche, ein Werksverzeichnis der Grafiken ist in Arbeit, das der Gemälde soll folgen. Weitere Ideen gibt es genug, sagt Presl. «Der Sprössling ist gesetzt, ob er noch Seitentriebe bekommt, wird man sehen.»
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