| Museum für einen Vergessenen: Der Maler Hans Körnig |
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| Dienstag, 16. Februar 2010 um 17:20 Uhr | ||
Von Simona Block, dpa
Dresden (dpa) - Faszination Karneval: Bunt verkleidete Gestalten, Harlekine, Damen mit Hut und grotesken Masken bevölkern die Gemälde und grafischen Blätter. Die Bilder, die vom lustigen Treiben zur Faschingszeit im Dresden der 1950er Jahre zeugen, waren über Jahrzehnte ebenso verborgen wie die anderen Werke des Malers und Grafikers Hans Körnig (1905-1989). Dazu zählen Familienbildnisse, Selbst- und Porträts von Freunden und Bekannten, Landschaften, Akte und Stadtansichten sowie Zeugnisse seiner Kriegserlebnisse. Körnigs Töchter und ein Mäzen haben die lange weggesperrten Kunstwerke nun ans Licht geholt und ihnen ein «Körnigreich» geschaffen - in einem Museum in Dresden, das am Dienstagabend eröffnet werden sollte.
In für die Kultur nicht eben rosigen Zeiten hat der aus Bayern stammende Kaufmann Rudolf Presl das Privatmuseum eingerichtet, um nicht nur die Dresdner Kunstwelt an einen Vergessenen zu erinnern. Darin ist der Eigentümer der Bavaria Kliniken mit den Erben einig. Presl hatte den Nachlass des Künstlers erworben, den die Familie nach der Wende zurückerhalten hatte. «Es stehen 110 Ölbilder und rund 1300 Aquarinta-Radierungen zur Verfügung», sagt der Endfünfziger, der eigentlich lieber im Hintergrund bleiben würde. Für die Präsentation des Oeuvres konnte er sogar Räume im Haus Wallgässchen 2 im Barockviertel anmieten, in dem Körnig einst 26 Jahre wohnte, arbeitete und ausstellte.
«Ich möchte, dass sein Werk dauerhaft ausgestellt und wissenschaftlich bearbeitet werden kann.» Körnig stammte aus Flöha und studierte 1930 bis 1933 an der Dresdner Kunstakademie, die er aber aus stillem Protest gegen die Entlassung von Otto Dix verließ. Bis zum Zweiten Weltkrieg und nach Rückkehr aus Kriegsgefangenschaft arbeitete er freischaffend in Dresden. Mangels Alternativen zeigte er seine Arbeiten im Atelier und auf dem Dachboden - zur zweiten Dachbodenausstellung 1955 kam neben den damals jungen Malern Georg Baselitz und A.R. Penck auch Altmeister Otto Dix. Körnig malte farbintensiv impressionistisch, aber auch kubistische Porträts und expressionistische Akte. Seine Motive waren die Familie, das Leben der kleinen Leute, Bahnanlagen, Friedhöfe, Rummelplätze, das barocke Dresden und der Karneval.
«Ich bin von ihm und seiner Geschichte fasziniert», sagt Presl, der 1990 das damalige Zentralinstitut für Sportmedizin übernommen hatte. Bei einem Besuch der Städtischen Galerie in Dresden sei er zur Kunst gekommen. «Das Körnig-Bild "Fasching in Pieschen" hat mich gefesselt.» Presl recherchierte und stellte fest, dass Körnig lange Zeit in der Nähe seines Heimatortes in Niederbayern gelebt hat. «Da kreuzten sich plötzlich zwei Spuren», sagt Presl. Später hörte er sich in der Galerieszene um, erfuhr, dass Körnig als «Meister der Aquatinta» - einer speziellen Technik der Radierung - galt und nahm Kontakt zu den Erben auf.
Das Museum stellt für Presl und die drei Körnig-Töchter, zwei davon hatte seine Frau mit in die Ehe gebracht, eine späte Würdigung des Vaters und seines Schaffens dar. Körnig war 1958 aus dem Verband Bildender Künstler Deutschlands ausgeschlossen worden, da auf seinem Bild «Straße der Befreiung» Hammer und Sichel der sowjetischen Fahne unter die Hufe des Pferdes vom Reiterstandbild August des Starken geraten waren. Während einer illegalen Reise mit Frau und Tochter nach Holland und Belgien versperrte ihnen 1961 die Mauer die Rückkehr, die Körnigs blieben im Westen.
Das in Dresden befindliche Werk wurde beschlagnahmt und war bis zur Wende unzugänglich. Körnig arbeitete in Niederbayern weiter, bis er sich am 14. Oktober 1989 das Leben nahm. «Ich bin kein Sammler, aber kunstinteressiert», sagt Presl. Die erste Schau «Fastnachtsspuk im Wallgässchen» vereint 32 Ölbilder, 76 Aquatinten und Zeichnungen, eine Druckplatte und die Staffelei des Künstlers. Das «Körnigreich» ist montags, freitags und am Wochenende geöffnet. Es soll auch ein spezielles Programm für Kinder und Jugendliche geben, die bis 16 Jahre freien Eintritt haben. Ein Werkverzeichnis der Grafiken ist in Arbeit, das der Gemälde soll folgen. Weitere Ideen gibt es genug, sagt Presl. «Der Sprössling ist gesetzt, ob er noch Seitentriebe bekommt, wird man sehen.»
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