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Nicht erst zum Beginn des 21. Jahrhunderts und angesichts der drohenden Folgen des globalen Klimawandels und der ungehemmten Erschließung der natürlichen Ressourcen entwickelte sich die Sehnsucht nach unberührter Natur. Schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bildete sich in Frankreich eine Bewegung, die die Künstler in Scharen aus ihren städtischen Ateliers auf das Land ziehen ließ, um sich »en plein air« der Schönheit und Unberührtheit der freien Natur zu vergewissern. Dabei suchten die Künstler nicht mehr das erhabene und pittoreske Motiv, wie zuvor auf der traditionellen Grand Tour durch die Alpen und Italien, sondern das Ursprüngliche und Einfache in der nahen Umgebung und im bäuerlichen Leben. Mit ihrer genauen Beobachtung der atmosphärischen Erscheinungen zu den unterschiedlichen Tagesund Jahreszeiten wurden sie auch zu Wegbereitern des Impressionismus. In Barbizon, einem Dorf am Rande des Waldes von Fontainebleau bei Paris, bildete sich um Jean- François Millet, Gustave Courbet, Camille Corot, Charles-François Daubigny, Théodore Rousseau u.a. ein Zentrum der Freilichtmalerei, das viele Künstler aus anderen europäischen Ländern anzog.

Thomas Ludwig Herbst, Alte Kuh, um 1870, Öl auf Leinwand, 62 cm x 102 cm,
Hamburger Kunsthalle, © Klassik Stiftung Weimar
Diesem Phänomen widmet sich vom 14. März bis zum 30. Mai 2010 im Neuen Museum Weimar eine umfangreiche Ausstellung der Klassik Stiftung zum 150. Jubiläum der Gründung der Weimarer Kunstschule, die die Rolle der Weimarer Landschaftsmalerei im Beziehungsgeflecht zwischen Frankreich, den Niederlanden und Deutschland verdeutlicht. Mit einer hochkarätigen Auswahl von rund 200 Werken aus internationalen und deutschen Museen sowie aus Privatsammlungen stellt die Ausstellung in thematischen Kapiteln sowohl das prägende Vorbild der Schule von Barbizon als auch die Vermittlerrolle der Haager Schule um Jozef Israëls, Willem Roelofs, die Gebrüder Maris und Anton Mauve für die Verbreitung der neuen Wirklichkeitserfassung in der »paysage intime« vor. Wie die neue Freilichtmalerei in Deutschland aufgenommen wurde und zur Gründung von Künstlerkolonien in Willingshausen, Dachau oder Goppeln führte, zeigt die Ausstellung mit einer Auswahl von bedeutenden Werken der Düsseldorfer Malerschule um Johann Wilhelm Schirmer, Eugène Gustav Dücker, Carl Seibels und der Münchner Malerschule um Eduard Schleich, Adolf Heinrich Lier, Hans Thoma und den Leibl-Kreis. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet, das neben Vorträgen und Kuratorenführungen auch Exkursionen zu den beliebtesten Motiven der Weimarer Künstler und ihren Ateliers in Weimar sowie ein Malatelier für Besucher im Neuen Museum anbietet.
Im Kerber Verlag erscheint begleitend zur Ausstellung ein umfangreicher Katalog, der neue Aspekte der Weimarer Malerschule und ihrer internationalen Verbindungen aufzeigt (ca. 360 Seiten, 200 Farbabbildungen).
Parallel zur Ausstellung findet vom 11. April bis 21. Mai 2010 im Druckgraphischen Museum Pavillon-Presse eine Kabinettschau über den Weimarer Radierverein statt. www.klassik-stiftung.de/weimarer-malerschule
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