| Die UN widmen sich dem Kampf der Kulturen |
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| Mittwoch, 17. Februar 2010 um 07:11 Uhr | ||
Von Ansgar Haase, dpa
Paris (dpa) - Die Vereinten Nationen haben sich für 2010 ein hehres Ziel gesetzt. An diesem Donnerstag rufen sie in Paris das «Internationale Jahr zur Annäherung der Kulturen» aus. In den kommenden Monaten soll mit Hunderten von Projekten ein neuer Anlauf unternommen werden, die Gräben zwischen den verschiedenen Kulturkreisen zu schließen. Von mehr Respekt und gegenseitigem Verständnis erhofft sich die internationale Gemeinschaft nichts weniger als eine friedlichere Welt.
Sorgen bereiten den Verantwortlichen bei den Vereinten Nationen vor allem die unerwünschten Nebenwirkungen der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung. Zwar gibt es mittlerweile in fast jedem Land Filialen westlicher Fast-Food-Ketten - die Probleme zwischen den Kulturen sind aber eher größer als kleiner geworden. «Unverständnis und Misstrauen haben mit der Globalisierung zugenommen», sagt die neue UNESCO-Chefin Irina Bokowa. Nun gelte es, verstärkt Austausch und Dialog zwischen den Kulturen zu fördern.
Mehr als 300 Veranstaltungen in aller Welt sollen in den kommenden Monat gegenseitiges Verständnis und Respekt fördern. Manche sind altbekannt, viele aber auch neu. In Kasachstan wird es eine Konferenz zur Rolle der Musik bei der Annäherung der Kulturen geben, in Aserbaidschan und in Burundi wollen sich Religionsführer austauschen. Hinzu kommen Ausstellungen, Konferenzen in zahlreichen anderen Staaten.
Die Bundesrepublik beteiligt sich über die deutsche UNESCO-Kommission an einem internationalen Forum für junge Kulturexperten, das im Herbst in Istanbul stattfinden soll. In Berlin wird sich im Mai das Film-Festival «Black International Cinema Berlin» dem Thema widmen. «Ich glaube an die Kraft der Ideen», sagt die Bulgarin Bokowa optimistisch. Jeder der könne, solle in den kommenden Monaten mit eigenen Initiativen einen Beitrag zum Dialog leisten.
Bei der Pariser Auftakt-Konferenz soll deutlich werden, dass kulturelle Vielfalt nicht als Wurzel zahlreicher Konflikte, sondern als eine Quelle der Kreativität und als Motor für nachhaltige Entwicklung gesehen werden muss. Doch schon bei der Besetzung eines Expertenrats zum Thema zeigte sich, dass die Annäherung der Kulturen schwierig bleibt.
Weder von israelischer noch von palästinensischer Seite gab es eine Zusage. Auch Deutschland wird vorerst nicht vertreten sein. Der Philosoph und Sozialwissenschaftler Jürgen Habermas (80) wurde vergeblich eingeladen. Beim ersten Treffen diskutieren erst einmal 20 Persönlichkeiten aus Politik, Kirche oder Kultur, unter ihnen der Großmufti von Bosnien und Herzegowina, ein nigerianischer Literaturnobelpreisträger und ein ehemaliger norwegischer Premierminister. Die nationale Vielfalt ist begrenzt. Allein vier von ihnen kommen aus Frankreich, dabei hat die UNESCO 193 Mitglieder.
UNESCO-Chefin Bokowa bedauert es, dass der Bereich Kultur nicht in die UN-Millenniumserklärung aus dem Jahr 2000 aufgenommen wurde, die die globalen Herausforderungen und die Agenda für die internationale Politik zu Beginn des 21. Jahrhunderts beschreibt. Sie will jetzt aber die Chancen des «Internationalen Jahres» nutzen. Die von dem US-Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington aufgestellte These vom «Kampf der Kulturen» ist aus Sicht der Vereinten Nationen ein negativer Ansatz, den es umzukehren gilt. «Die Kraft der kulturellen Vielfalt» lautet eines der Themen der Eröffnungskonferenz. Tags: f
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