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Donnerstag, 18. Februar 2010 um 19:25 Uhr |
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Von Gerd Korinthenberg, dpa
Amsterdam (dpa/lnw) - Der Eiffelturm ist unbestritten das weltweit bekannteste Relikt der Pariser Weltausstellung von 1889. Welche bis heute nachwirkende Folgen die Industrie- und Kulturschau auch für die Entwicklung der Malerei hatte, dies untersucht jetzt erstmals eine Ausstellung im Van Gogh Museum in Amsterdam. Als Protest gegen eine offiziöse Weltausstellungs-Präsentation gängiger Salon-Malerei hatte Paul Gauguin (1848-1903) seine avantgardistischen Malerfreunde zusammengetrommelt, um im «Café des Arts» am Fuß des Eiffelturms mit einer eigenen Bilderschau der neuen Kunst zum Durchbruch zu verhelfen.
Gleichsam als Ausstellung der Ausstellung im Café von Monsieur Volpini sind ab Freitag (bis 6. Juni) in Amsterdam rund 60 Gemälde, Grafiken, Skulpturen und rare Keramiken Gauguins und seiner Weggefährten wie Émile Bernard, Émile Schuffenecker oder Louis Anquetin zu sehen. Allen gemeinsam ist die Überwindung des Impressionismus durch eine «entfesselte», oft großflächig angewandte Farbe bei der Schilderung volkstümlicher Szenen von der bretonischen Wäscherin bis zu Mangopflückern auf fernen Tropen-Inseln.
Mittelpunkt der Amsterdamer Schau ist die Grafikfolge «Suite Volpini»: Nach einem heftigen Streit mit Vincent van Gogh gerade aus Arles nach Paris zurückgekehrt, zog Gauguin mit dem Druck-Zyklus von elf Blättern eine Summe seines bisherigen Schaffens. Doch lebenslang begleiten diese Motive aus der Bretagne und der Provence oder die exotischen Szenen das Schaffen des Malerpioniers.
Damit wird die an Volpinis Theke verkaufte Grafik-Mappe zum folgenreichen Mittel der Eigenwerbung und zur eindrucksvollen «Visitenkarte» Gauguins, erklärt der Amsterdamer Ausstellungsleiter Edwin Becker. Sorgfältig dokumentiert die Amsterdamer Schau «Gauguin - Der Durchbruch zur Moderne» die Scharnier-Funktion der «Suite Volpini», die dazumal beim Kaffee aber kaum Käufer unter den unglaublichen 28 Millionen Weltausstellungsbesuchern gefunden hat.
Das erotisch geladene Motiv der Badenden findet sich als fast monumentaler Rückenakt einer Rothaarigen in grüner Gischt («In den Wellen»/1889) ebenso wie als winziges Figürchen auf einer symbolistisch gestalteten Keramik-Schale Gauguins von 1887 oder in seinem bemalten Holzrelief «Seid geheimnisvoll» (1890)
Ferne Welten bilden ein Reservoir exotischer Motive, die zudem zur «primitivistischen», starkfarbigen Malweise animieren, wie sie an dem goldgelben «Stillleben mit Früchten und Gewürzen» (1892) abzulesen ist. Zu den großen Meisterwerken aus dem Bilder-Vorrat der «Volpini»- Blätter gehört ohne Zweifel die atmosphärisch dichte Darstellung von zwei Mädchen aus Tahiti mit dem Titel «Welche Neuigkeiten» von 1892.
Warum die kunsthistorisch folgenreiche Grafik-Mappe Gauguins in Volpinis Café kaum drei Dutzend Käufer gefunden hat, darüber rätseln Experten bis heute. Möglicherweise war in der Gaststätte einfach zu viel Trubel, für den musikalisch eine russische Frauenkapelle sorgte.
(Internet: www.vangoghmuseum.com)
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