| Museum für Moderne Kunst zeigt Konzeptkunst |
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| Donnerstag, 18. Februar 2010 um 20:26 Uhr | ||
Von Inga Radel, dpa
Frankfurt/Main (dpa) - Wo bleibt bloß der Frühling? Im Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt ist er bereits ausgebrochen! Ein prächtiger Blumenstrauß in rosa Tönen schmückt das Haus - und ist zugleich eines der zentralen Werke der Schau «Radical Conceptual». Über das durchaus absurd wirkende «lebendige Kunstwerk» von Jeroen de Rijke und Willem de Rooij sagt Direktorin Susanne Gaensheimer: «Der Strauß wird einmal pro Woche frisch gebunden, es gibt eine exakte Steckanleitung, aber je nach Jahreszeit werden die Farben angepasst.»
Die Konzeptkunst, entstanden in den 60er Jahren als Fortsetzung von Minimal Art, war Entmaterialisierung - bestand häufig nur aus Ideen oder Anweisungen zur künstlerischen Umsetzung. Roter Faden der bis 22. August laufenden Überblickausstellung über diese radikale Kunstrichtung sind die Themen Zeit und Vergänglichkeit. «Radical Conceptual» ist die zweite Sammlungspräsentation aus den etwa 4000 Werke umfassenden MMK-Beständen. Seit Gaensheimer Direktorin ist gehört es zum Konzept des MMK, dieses «unerschöpfliche Füllhorn» aus dem Magazin zu erschließen. Einige Raritäten wurden noch nie gezeigt.
So etwa Alighiero Boettis 80-teilige Mappe «Insicuro Noncurante», die man als Essenz des Gesamtwerks des Künstlers bezeichnen kann. Das MMK verfügt über eine der weltweit wichtigsten Sammlungen Boettis, den Sammlungsleiter Mario Kramer auch als «Sonderling» bezeichnet. Der große Konzeptkünstler der italienischen Arte Povera schlug einen Sonderweg ein, ließ sich in den 70er Jahren in Kabul in Afghanistan nieder und entdeckte dort das Kunsthandwerk des Stickens. So gab er Stickerinnen die Anleitung zu seinem Werk «Order and Disorder»: 199 Quadrate - eine Hälfte geordnet, die andere ungeordnet aufgehängt. Einmal lassen sich die darauf gestickten Wörter «Order» und «Disorder» von links nach rechts lesen, einmal von oben nach unten.
MMK Frankfurt
In der Konzeptkunst geht es auch um den Bruch mit Konventionen der Wahrnehmung: Etwa in dem großformatigen Bild «Tutto», das Boetti in seinem Todesjahr 1994 anfertigte. In einem Durcheinander von Farben und abstrakten Figuren verliert sich der Betrachter - hoffnungslos.
Ordnungssysteme und Zeitrechnung - damit beschäftigte sich in fast manischer Art und Weise auch die große Hanne Darboven. Etwa in ihrer 900-seitigen Schreibzeit «Ein Jahrhundert - Johann Wolfgang von Goethe gewidmet». Im Zusammenhang mit dieser hochkomplexen, zentralen Arbeit der 2009 gestorbenen Hamburger Künstlerin wird auch erstmals ihr musikalisches Werk «Opus 25 A Ludwig van Beethoven» (1988) ausgestellt. Dafür transkribierte Darboven ihr Zahlensystem für das Jahrhundert in Notenschrift - zu einer minimalistischen Komposition.
Zeit und Vergänglichkeit zeigt sich auch in den «Yellow Movies» (1973), Arbeiten Tony Conrads, in denen er weiße Papierfläche einfach ihrem Vergilbungsprozess aussetzt. Unter die Haut geht Hans-Peter Feldmanns Arbeit «Die Toten 1967-1993». Feldmann erinnert an jeden einzelnen Toten des «Deutschen Herbstes» - ob Terrorist, Polizist oder Zivilist - anhand dessen damals in den Medien verbreiteten Foto.
Allzu logisch und strukturiert wirken die Mittel der Konzeptkunst, aber die Ergebnisse faszinieren. Begeisternde Gedankenwelten tun sich auf. Gaensheimer: «Eigentlich waren das alles heillose Romantiker.» |

























































