| «Der Anti-Schrei» - Paris zeigt den anderen Edvard Munch |
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| Freitag, 19. Februar 2010 um 21:10 Uhr | ||
Von Sabine Glaubitz, dpa
Paris (dpa) - Was wäre Edvard Munch ohne den «Schrei», das berühmteste Werk des norwegischen Malers? Auf diese Frage finden die Besucher der Pariser Pinakothek ein beeindruckende, umfassende künstlerische Antwort. Denn unter dem Titel «Der Anti-Schrei» sind seit Freitag rund 170 Werke zu sehen, darunter knapp 70 Ölgemälde und 100 Arbeiten auf Papier, die einen Munch zeigen, der vielen unbekannt ist. Einen Munch, der sich nicht nur auf sein weltberühmtes Werk reduzieren lässt. «Den Künstler, den wir heute vorstellen, ist nicht der, den sie glauben zu kennen», heißt es denn auch im Vorwort des Katalogs. Es ist die erste große Munch-Ausstellung in Frankreich seit mehr als 20 Jahren.
Die Exposition (bis 18. Juli) ist gewagt. Sie legt den Schwerpunkt auf das Spätwerk des Künstlers (1863-1944) und weniger bekannte Werke, von denen mehr als ein Drittel noch nie öffentlich gezeigt wurden. Damit bringt sie dem französischen Publikum einen Maler aus ungewohnter Perspektive näher, der in Frankreich ohnehin weniger bekannt ist als in den deutschsprachigen Ländern und Skandinavien.
«Ich bin gegen Ausstellungen, die den sicheren Kurs fahren. Es ist wichtig, Neuland zu betreten», erklärte der Kurator und österreichische Kunsthistoriker Dieter Buchhart. Und so findet der Besucher statt düsterer und desperater Bilder, die im Gesamtwerk Munchs als Symbol für Angst und Apokalypse stehen, vor allem Porträts und Landschaftsbilder aus seiner frühen und späten Schaffensperiode.
«Natürlich gibt es nur einen Munch. Doch wird dieser auf sein künstlerisches Schaffen auf die Jahre zwischen 1885 und 1895 reduziert», erklärte Buchhart. Die Werke, die der Besucher entdeckt, die vor und nach dieser Zeit der Verzweiflung und des Wahnsinns entstanden sind, wirken hell und freundlich - etwa die farbenprächtigen, mit schwungvollem Pinselstrich entworfenen Porträts. Munch hatte sich sehr früh mit dem Tod und anderen existenziellen Fragen auseinandersetzen müssen: Seine Mutter starb an Tuberkulose als er fünf Jahre alt war, seine 15 Jahre alte Schwester wenige Jahre später, ebenfalls an Schwindsucht.
Die düstere und melancholische Zeit Mitte der 1880er und 1890er Jahre wird jedoch nicht völlig ausgeblendet. Sie findet ihren Niederschlag in mehreren kolorierten Lithografien der bekannten barbusigen, lasziv blickenden «Madonna» oder dem Motiv des kranken Kinds.
Was die Ausstellung von der umfassenden Munch-Ausstellung 2007 in der Fondation Beyeler bei Basel und der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall unterscheidet? «Sie konzentriert sich auf einen anderen Zeitraum und zeigt vor allem ganz andere Werke. Noch nie wurde eine Munch-Ausstellung aus überwiegend privaten Leihgaben organisiert», betonte Buchhart.
In einem unterscheidet sich die Pariser Ausstellung jedoch nicht: Sie zeigt einen Munch, der mit seinen intensiven Farbkombinationen, seiner geradezu brutalen Ausführung einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus und einer der Pioniere der modernen Kunst ist - auch ohne den «Schrei».
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