| Doppelschau zum Thema Schenken auf zwei Kontinenten |
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| Samstag, 20. Februar 2010 um 09:30 Uhr | ||
Von Simona Block, dpa
Dresden/Vancouver (dpa) - Eine einzigartige Kooperation verbindet die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit einem indianischen Kulturzentrum in Kanada: Sie bereiten für 2011 eine Doppelausstellung zum Thema Schenken gemeinsam mit dem U'mista Cultural Centre in Alert Bay nahe der Olympiastadt Vancouver vor. «Das von der Kulturstiftung des Bundes großzügig geförderte Projekt soll Schenken, die Gabe als sozialen und wirtschaftlichen Austausch miteinander vergleichen», sagt Generaldirektor Martin Roth in Dresden. «Die Kultur der First Nation ist das zentrale Motiv der Olympischen Spiele.» Im Sächsischen Haus in Vancouver wurde am Samstag der Kooperationsvertrag zwischen dem U'mista Centre und den Kunstsammlungen unterzeichnet.
Unter dem Titel «The Great Potlatch: Gift-Giving Customs and Economies of Plenty» (1. Juni bis 31. September) werden rund 80 Holzplastiken - darunter bis zu 300 Jahre alte Tier-, Ahnen- und Kultmasken - im Japanischen Palais in Dresden gezeigt. Zeitgleich zeugen Dresdner Stücke auf der kleinen Insel vor Vancouver Island von höfischer sächsischer Kultur. «Welche Objekte das sind, müssen wir noch gemeinsam entscheiden», sagt Roth. Die Doppelschau auf zwei Kontinenten werde gleichwertig von den Partnern kuratiert.
«Ich fand die Idee gleich überzeugend», sagt der Vorsitzende der U'mista Cultural Society, Chief William T. Cranmer. Auf diese Weise hätten nicht nur die Inselbewohner, sondern Menschen aus der gesamten Gegend die Möglichkeit, solche Schätze zu sehen. Der Ort mit rund 1500 Einwohnern liegt rund drei Kilometer vor Vancouver Island auf Cormorant Island. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung gehören zu den Kwakwaka'wakw, einer Gruppe von First Nations (Indianer), auf deren traditionellem Territorium sich Alert Bay befindet.
Das für deren Kultur zentrale «Fest des Schenkens» (Potlatch) war 1884 von der kanadischen Regierung verboten worden, nachdem man behauptet hatte, dass Häuptlinge sich und ihre Stammesgruppen in den Ruin getrieben hätten. «Man wollte auf diese Weise den First Nations Tradition und Selbstverständnis rauben», so Roth. Auf Grundlage des Indian Act seien zahlreiche Masken, Kupferschilde und weitere kulturell bedeutsame Objekte konfisziert worden. Seit Aufhebung des Verbots in den 1950er Jahren wird das ursprüngliche Wesen des Potlach in zeitgemäßer Form neu belebt. In den 1970er Jahren forderten die First Nations ihren Besitz erfolgreich zurück.
«Beim Potlatch werden bei Hochzeiten, Totenfeiern oder anderen Zeremonien in ritueller Weise Geschenke verteilt oder ausgetauscht», erklärt Chief Cranmer. «Es ist zugleich eine Möglichkeit, unsere Geschichte an die nächste Generation weiterzugeben.» Potlatch gebe zudem der indianischen Gesellschaft die Struktur. «Der, der alles mit anderen teilen kann, ist dabei der Größte, der Bedeutendste.» Die Objekte für die Zeremonien - die laut Museum «weltweit bedeutendste Potlatch Collection» - im 1980 gegründeten U'mista Cultural Centre locken Experten und Touristen an: Totempfähle, Trommeln und Rasseln, Kupferplatten, Masken sowie Dokumente und Sprachaufzeichnungen, auf deren Grundlage die Sprache wieder gelehrt wird.
Das gemeinsame Thema der Ausstellung ist der Nachweis der eigenen Identität durch die Kultur der Gabe - in Europas Adelsgesellschaft und der indianischen Gemeinschaft. Die Parallelen sollen aber nicht zwanghaft konstruiert, sondern die Formen des gesellschaftlichen Austauschs mit Kunstwerken dokumentiert werden - diplomatische Geschenke auf der einen und Potlatch auf der anderen Seite. In beiden Kulturen sollte damit der Reichtum gezeigt und die Macht erhalten werden. Die Kooperation ist laut Roth ein «absolutes Novum». Einige wenige Exponate aus dem U'mista wurden bisher nur für eine Ausstellung im National Museum of the American Indian ausgeliehen, sagte Chief Cranmer, der auch Häuptling ist. «Inzwischen gibt es in Alert Bay und anderen Orten der First Nation viele junge Künstler, die alte Masken und Symbole als Anregung für eigene Werke nehmen.» |
























































