| Baseballschläger, nackte Türkin: Metzel-Installationen in Duisburg |
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| Dienstag, 23. Februar 2010 um 19:53 Uhr | ||
Von Gerd Korinthenberg, dpa
Duisburg (dpa/lnw) - Mit Stoffstreifen aus braun-grünem Militär- Tarntuch hat der Bildhauer Olaf Metzel derbe Baseballschläger gleich zu Dutzenden an der Museumswand verknotet. Die unmissverständliche Installation «Noch Fragen?» des prominenten Künstlers ist zwar schon ein Jahrzehnt alt, hat aber wohl nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. «Einen Baseballschläger im Sportgeschäft zu kaufen, ist kein Problem. Aber bei 70 Stück alarmieren die gleich den Verfassungsschutz», bringt der gebürtige Berliner ironisch die Brisanz seines Werks auf den Punkt. Ironie und Tiefsinn, Brutalität und Poesie in feiner Abgewogenheit sind Kennzeichen auch der anderen zehn teils saalfüllenden Werke, mit denen der 57-Jährige im Duisburger Museum Küppersmühle gastiert.
Die Schau «Olaf Metzel - Noch Fragen?», Kapitel eines Ausstellungs-Gesamtprojekts der Ruhrgebiets-Museen zum Kulturhauptstadt-Jahr, ist von Freitag an bis zum 24. Mai in Duisburg und anschließen im Bremer Museum Weserburg zu sehen. Zwar wollte der mit vielen Preisen geehrte Professor an Münchens Kunstakademie den ehemaligen «Kohlenpott» mit dem Künstlerblick von außen umzirkeln, aber seine Themen weisen weit über jede Region hinaus. «Es geht um Aggression, die Ästhetik der Gewalt, um Medien, Sport und Bildung», erklärte Metzel, der zu Deutschlands gefragtesten Bildhauern gehört, am Dienstag.
Oft genug standen Zeitungsüberschriften beim Titel Pate: «Hartz IV wird fünf» heißt zum Geburtstag der umstrittenen Arbeitslosenhilfe eine von fünf extra für Duisburg geschaffenen Arbeiten. Ein wildes Gemisch aus Stahlröhren, Rauchglas und schrillen Sesseln türmte Metzel auf - die Anregung kam aus den Katalogen von Billigmöbel- Anbietern. An dem saalfüllenden Patchwork aus demolierten und beschmierten Schultischen («ichhasseschule»/2010), das Bildungsmisere und Schulgewalt thematisiert, haben begeistert Duisburger Jugendliche mitgewirkt.
Deckenhohe Schichtungen aus zertrümmerten Stadion-Sitzreihen oder dem zersplitterten Holzboden einer Sporthalle mit Basketball-Körben und zerfetzter Bandenwerbung bringen ebenso ästhetisch wie eindrücklich das Gewalt-Potenzial der Freizeit-Beschäftigung Sport auf den Punkt. Viel stiller hingegen eine Reihe sensibler Kohle- Zeichnungen und Metzels Klassiker «Turkish Delight» (2006), realistische Skulptur einer nackten, nur mit Kopftuch bekleideten jungen Frau. Das provokante Werk ist in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch dauernden Vandalismus bekanntgeworden. Den türkischen Katalogbeitrag dazu hat der gewitzte Kunstprofessor mit Absicht nicht ins Deutsche übertragen lassen: «Schließlich ist Türkisch doch im Ruhrgebiet die erste Fremdsprache.»
Drei weitere Arbeiten von Olaf Metzel zeigt das benachbarte Duisburger Lehmbruck-Museum. In der Synagoge Stommeln in Pulheim bei Köln ist noch bis Mai seine Deckeninstallation «Sprachgitter» zu sehen.
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