| Attraktion Schlangestehen: «Botticelli» endet als RiesenerfolgVon Inga Radel, dpa(Bild geplant) |
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| Donnerstag, 25. Februar 2010 um 11:02 Uhr | ||
Frankfurt/Main (dpa) - Die «Botti»-Schlange nennen einigeFrankfurter liebevoll das lange Gebilde, das sich von derHolbeinstraße um das halbe Museum bis vor den historischen Städel-Eingang schlängelt. Wartezeiten: bis zu vier Stunden. Nur noch bisSonntag besteht die Chance, sich hier engelsgeduldig anzustellen. Umsagen zu können: Ich war auch drin, in «Botticelli». Absolut gehyptwurde die Blockbuster-Ausstellung über den italienischen Renaissance-Maler - trieb Laien ebenso wie Kenner ins Städel - und geht nun mitriesigem Erfolg zu Ende. Bereits mehr als 334 000 Besucher zog sie an- wie eine Boygroup ihre Groupies. Sie ist damit die mit Abstanderfolgreichste Schau in der rund 200-jährigen Geschichte desFrankfurter Städel Museums. Lockten die Botticelli-Frauen? Museums-Direktor Max Hollein hält Eines für zentral: «DieBegeisterung für einen Meister der Schönheit und des melancholischenBlicks.» Im 500. Todesjahr Sandro Botticellis wird deutlich, welchschöne und zugleich distanziert wirkenden weibliche Ikonen er schufund damit bis heute die Werbeindustrie beeinflusst. Etwa mit dem«Weiblichen Idealbildnis», das aus dem Städel-Besitz selbst stammt.Model Kate Moss und Schauspielerin Uma Thurman nennt Hollein heuteals Beispiele für «Botticelli-Frauen». Den Audio-Guide spricht«Superweib» Veronica Ferres - mit ihrer belegten, kühlen Stimme.
Andere Kunst erschließt sich den Besuchern erst mit einemGrundstudium in Kunstgeschichte. Bei Botticellis Werken geht esleichter. Und das hat das Städel noch forciert: «Es ist eineAusstellung für absolute Experten und auf der anderen Seite auch fürdas Massenpublikum», sagt Hollein. Auch der Spagat gelang, imFeuilleton ziemlich gut wegzukommen. Cleveres Marketing Es ist die erste große Botticelli-Schau im deutschsprachigen Raum.Rund 40 Arbeiten des Meisters und aus seiner Werkstatt sowie 40 Werkevon Zeitgenossen werden auf den zwei Stockwerken vor weinroter Wandmit sakraler Strahlkraft gezeigt. Darunter sind äußerst schwierig zubekommende Leihgaben wie das Gemälde «Minerva und Kentaur» aus denUffizien in Florenz, wo Botticelli im Goldenen Zeitalter der Medici-Herrschaft wirkte. Hollein ist bekannt für sein weltweites Netzwerk -und sehr umtriebig beim Marketing und der Sponsorensuche. Seit Beginnder Ausstellung Mitte November ist Botticelli omnipräsent inFrankfurt, selbst Bioläden und Parfümerien warben für die Schau. Gewisse Eigendynamik und die Schlange Man habe zwar schon große Resonanz erwartet, sagt Hollein. «Abernatürlich hat das jetzt noch einmal eine andere Dimension erreicht.»Einerseits sei diese Eigendynamik, das entstandene Gruppengefühl undauch dieser «Ruf, einfach dabei gewesen sein zu müssen», schön. «Aufder anderen Seite sind wir auch an die Grenze des Machbaren gelangt.»
Zeichen dafür: die Schlange. Heizstrahler, Info-Broschüren undTraubenzucker halten die Massen bei Laune. Die Öffnungszeiten wurdenverlängert - für diesen Freitag und Samstag gar bis Mitternacht. Die«Botti» steht in der Tradition der MoMA-Schlange in Berlin 2004. Dortgab es bis zu acht Stunden Wartezeit und einen Stuhl-Verleih-Service. «Wir haben die Schlange im positiven Sinn bearbeitet, abersie wurde von selbst zum Kult», erinnert sich der Geschäftsführer vomVerein der Freunde der Nationalgalerie, André Odier. «In derbildenden Kunst kannten wir das Phänomen vorher nicht.»
Kunst als Massen-Event birgt aber auch Gefahren. Es sei sichereine «freundliche Geste und fast auch ein Symbol, wenn die Museen beigroßen Ausstellungen ihren Besuchern entgegenkommen und die Wartendenschon in der Schlange mit Wärmepilzen, Stühlen oder heißem Kaffeewillkommen heißen», sagt die Frankfurter Kunstgeschichte-ProfessorinDaniela Bohde. Problematisch werde es, «wenn den Besuchern nachherihre Wartezeit, die Schlange oder die Enge in den Ausstellungsräumenmehr im Gedächtnis bleibt als die angeschauten Werke».
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