| Schloss Friedenstein erstellt Verlustliste für Gemälde |
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| Sonntag, 28. Februar 2010 um 09:05 Uhr | ||
Gotha (dpa/th) - Cranach, Rubens, Rembrandt - die Verluste an Gemälden auf Schloss Friedenstein Gotha seit Ende des 19.Jahrhunderts sind groß. «Diebstähle, Verkäufe, ein Brand und der Abtransport in die Sowjetunion haben die einst 467 Bilder zählende Gemäldesammlung der Herzöge auf heute etwa 150 dezimiert», sagte Martin Eberle, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
«Für uns ist das ein großer kunsthistorischer Verlust. Die Gemäldesammlung der Gothaer Herzöge war weltberühmt.» Bis zum Sommer wollen die Museumsleute nach Jahren der Recherche eine neue «Verlustliste» vorlegen. Sie erhoffen sich davon auch Hinweise auf den Verbleib von gestohlenen, verschollenen, aber auch verkauften Bildern. «Und wir wollen natürlich potenziellen Händlern und Sammlern ein schlechtes Gewissen machen, wenn sie gestohlene Bilder haben oder kaufen wollen», sagte der Kunsthistoriker.
Auch nach 30 Jahren ungeklärt sei der Diebstahl von fünf Gemälden alter Meister im Dezember 1979 aus dem Schloss, darunter «Landstraße mit Bauernwagen und Kühen» von Jan Brueghel der Ältere und «Heilige Katharina» von Hans Holbein der Ältere. «Besonders bitter ist das Schicksal des Bildes "Brustbild eines jungen Mannes" des Niederländers Frans Hals», erzählte Eberle. Es gehörte zu den rund 300 Werken, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationskosten in die Sowjetunion abtransportiert wurden. «Es kam 1958 mit etwa 150 Bildern zurück - nur um dann nach 20 Jahren gestohlen zu werden.»
Eine große Lücke sei in die Cranach-Sammlung gerissen worden. «Im Inventar von 1640 sind 40 Cranachs verzeichnet, heute haben wir noch 23.» Zu den Verlusten von Lucas Cranach der Ältere gehört «Adam und Eva» von 1527 und «Die Heilige Genoveva» (1506/08). «Wir gehen davon aus, dass sie sich im Puschkin Museum in Moskau befinden.» Andere Kunstwerke sind in der Eremitage in St. Petersburg. Den Russen sei die Einzigartigkeit der Gothaer Sammlungen, darunter Kunsthandwerk und zehntausende Bücher, sehr wohl bewusst gewesen.
«Bereits 1943 haben sie den Abtransport der Kunstsammlung aus Gotha vorbereitet. Das war sehr ungewöhnlich», betonte der Stiftungsdirektor, «Rubens, Rembrandt und Co. wurden dann sicher verpackt in Kisten abtransportiert.» Eine Rückkehr der verbliebenen Gemälde ist einer der großen Stiftungshoffnungen, die sich jedoch kaum erfüllen wird. Russland vertritt den Standpunkt, dass der Abtransport ein Ausgleich für die im Krieg erlittenen Kunstverluste ist. Mit der «Verlustliste» will die Stiftung auch die Geschichte der herzoglichen Gemäldesammlung dokumentieren.
«Nicht alles war unrechtmäßig, was wegging», erklärte Eberle. In den 1930er Jahren wurden rund 100 Werke verkauft, um sich auf Sammlungsschwerpunkte zu konzentrieren. 1931 verbrannte im Münchner Glaspalast - zusammen mit 3000 Bildern - Caspar David Friedrichs «Am Meeresufer» (1818). Gotha hatte es für eine große Romantikerschau ausgeliehen. 1945 brachte die herzogliche Familie bei Nacht und Nebel vor allem kleinformatige Gemälde vor dem Einmarsch der Sowjets ins fränkische Coburg, berichtete Eberle. Darunter war auch Staatsbesitz. «Erst nach 1990 wurde dies rückwirkend legitimiert, da im Gegenzug auch Familienbesitz in Gotha geblieben war. Man einigte sich darauf, dass jeder behält, was er hat.»
Gespräch: Antje Lauschner, dpa
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