| Sechs Homer-Adaptionen an einem Wochenende uraufgeführt Von Ulrich Fischer, dpa |
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| Montag, 01. März 2010 um 11:26 Uhr | ||
Essen (dpa) - Mit sechs Homer-Bearbeitungen an einem Wochenende hat die Ruhrregion als diesjährige Kulturhauptstadt Europas ihr Theaterprogramm ambitioniert eröffnet. Die uraufgeführten Schauspielevon sechs namhaften europäischen Dramatikern haben das Thema «Odyssee/Europa» als inhaltliche Klammer. Drei Inszenierungen hatten am Samstag Premiere, drei standen am Sonntag auf dem Programm.
Im Theater Oberhausen beeindruckte der irische Dramatiker Enda Walsh mit seiner Homer-Adaption «Odysse Europa - Penelope». Sein Text erwies sich in Tilman Knabes Regie als bühnenwirksam: klug, geistreich, tiefgründig und kurzweilig zugleich Futter für die Schauspieler.
Erzählt wird von den Freiern, die um die Schöne werben. Sie wartet auf Ithaka auf ihren Gemahl Odysseus, der zunächst vor Troja kämpfte und dann für die Heimreise Jahre braucht. Penelope sagt nie ein Wort. Sie scheint jung geblieben und verkörpert, was Männer wollen: Erfolg, Aufstieg. Walsh macht sich zunächst lustig über einen Freier, der sich wie ein Gockel spreizt und seine Eitelkeit mit Attraktivität verwechselt. Auch vom Chef der kleinen Freier-Gemeinde, der sich mit aller Macht durchsetzen will, wendet sich die Königin ab. Erst der dritte Freier kann sie fesseln. Er wirbt mit einer Utopie: der Überwindung von Eitelkeit und Machtprotzerei eine Hinwendung zu Liebe und Zuneigung, zur Überwindung von Wettbewerb und Krieg.
Die Oberhausener Inszenierung konnte mehr überzeugen als die Stücke am selben Tag in Essen und Bochum. Das Schauspiel Essen präsentierte Grzegorz Jarzynas «Areteia» («Tugend»), der jungepolnische Autor inszenierte die Uraufführung selbst im GrilloTheater. Jarzyna geißelt die Gewaltförmigkeit der Politik, die bis heute nicht überwunden ist. Am Schauspiel Bochum inszenierte Lisa Nielebock ein neues Stück von Roland Schimmelpfennig: «Der elfte Gesang», so der Titel, führt zu den Toten ins Schattenreich hinab. Die Regisseurin arbeitete in der Uraufführung den unschätzbaren Wertdes Lebens heraus - das Ensemble spielte glänzend.
Die Stärke des übergreifenden Themenkonzepts diesesTheaterprojekts ist zugleich seine Schwäche: die Vielfalt der europäischen Sichtweisen überflutet und überfordert den Zuschauer mit gleich drei Stücken an einem Tag. Am Sonntag sollten die drei anderen Uraufführungen folgen: Emine Sevgi Özdamars «Perikizi. Ein Traumspiel» im Schlosstheater Moers, Péter Nádas` «Sirenengesang. Ein Satyrspiel» in Mülheim, und in Dortmund Christoph Ransmayrs «Odysseus, Verbrecher. Schauspiel einer Heimkehr». Angesichts der Überfülle stellte sich die Frage, ob nicht weniger mehr gewesen wäre.
Internet: www.odyssee-europa.de
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