| Kunsthalle Tübingen kämpft um ihren Ruf |
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| Freitag, 01. Januar 2010 um 12:49 Uhr | ||
Tübingen (dpa/lsw) - Die Kunsthalle Tübingen will um ihren Ruf als eines der wichtigen Museen Deutschlands kämpfen und wieder für ein breiteres Publikum interessant werden. Wegen der schlechten Besucherzahlen in diesem Jahr gebe es dringenden Handlungsbedarf, sagte der Leiter der Kunsthalle, Daniel Schreiber, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Nur 15 000 Menschen kamen 2009 in die Ausstellungen - in den 90er Jahren hatte die Kunsthalle unter dem damaligen Leiter und Kurator Götz Adriani bis zu 500 000 Besucher.
«Wir müssen große, breite Brücken zum Publikum schlagen. Das geht durch Werke, die man gerne sieht, die Spaß machen, die aber auch provokativ sind und Sprengkraft besitzen», sagte Schreiber. Zuletzt sei es der Kunsthalle bei mehreren Ausstellungen nicht gelungen, dem breiten Publikum die Bedeutung und die Aussagekraft der gezeigten Werke verständlich zu machen.
Tübingen (dpa/lsw) - Als Götz Adriani vor vier Jahren in Pension ging, hinterließ der Leiter und Kurator der Kunsthalle Tübingen ein Ausstellungshaus mit Weltruf. Seitdem geht's bergab. Nur knapp 15 000 Menschen kamen 2009 in die Kunsthalle - in den 90er Jahren waren es bis zu 500 000. Der jetzige Kurator Daniel Schreiber will deshalb 2010 am Ausstellungskonzept einiges ändern und die Kunsthalle wieder für ein breites Publikum interessant machen.
«Wir müssen große, breite Brücken zum Publikum schlagen. Das geht durch Werke, die man gerne sieht, die Spaß machen, die aber auch provokativ sind und Sprengkraft besitzen», sagt der 44-jährige Kunsthistoriker.
In diesem Jahr zeigte das Publikum oft herzlich wenig Interesse an den Ausstellungen. «Der innere Blick» war der Tiefpunkt: 2681 Besucher kamen in knapp drei Monaten in die Schau über die Darstellung von Innenräumen in der Kunst - das waren durchschnittlich 45 am Tag. «Da ist einfach niemandem klar geworden, weshalb man sich das nun anschauen sollte», sagt Schreiber, der die Ausstellungen bei seinem Amtsantritt im März von seinem Vorgänger übernommen hatte. Dem dänisch-israelischen Künstler Tal R mit «You Laugh An Ugly Laugh» erging es kaum besser: «Ein Drahtgewirr auf einer Euro-Palette, die gelb angestrichen wird, ist zunächst mal ästhetisch fragwürdig. Das bedarf der Interpretation - und da gab es in der Ausstellung ein Vermittlungsproblem», sagt Schreiber dazu.
Unterm Strich lässt sich sagen: Dem breiten Publikum waren die Ausstellungen zu intellektuell, den internationalen Kunstkennern waren sie zu unbedeutend. Geplant war das Jahr 2009 noch von Adriani- Schüler Martin Hellmold, der im März in Elternzeit gegangen ist und nun von Schreiber vertreten wird. In Tübingen wird allerdings schon spekuliert, dass Hellmold wegen der ausbleibenden Erfolge nicht mehr als Kurator in die Kunsthalle zurückzukehren könnte.
2010 wird jedenfalls das Jahr, in dem Schreiber beweisen muss, dass er es besser kann und mehr ist als eine Interimslösung. Am 23. Januar beginnt die erste Ausstellung, die er als Kurator komplett selbst verantwortet. Die knalligen Gemälde des Pop-Art-Künstlers Mel Ramos sollen ein breites Publikum ansprechen. «Mit so einer Kunst können nicht nur Experten etwas anfangen», sagt Schreiber. Anschließend zeigt die Kunsthalle im Frühjahr Werke der aufstrebenden Malerin Karin Kneffe. «Sie ist ein Beispiel dafür, dass zeitgenössische Kunst auch ohne kunsthistorisches Studium verstanden werden kann», betont der Kurator.
Eine «solide 50 000» hat sich Schreiber bei den Besucherzahlen der nächsten Jahre zum Ziel gesetzt. Trotzdem will er - wie es in der Kunsthalle Tradition hat - die Besucherzahl nicht zum alleinigen Maßstab machen. Auch Götz Adriani hat während seines knapp 35- jährigen Wirkens Ausstellungen kuratiert, in die gerade mal 600 Menschen kamen. Bloß dürfen es nicht zu viele Ausstellungen werden, die bei den Besuchern floppen. «Es hilft ja nichts, wenn wir unsere Ausstellungen quasi im Geheimen machen», sagt Schreiber. Und auch finanziell macht sich der Einbruch bei den Eintrittsgeldern bemerkbar.
Die Finanzen sind ohnehin eines der schwierigen Themen in der Kunsthalle. Der Ausstellungsbetrieb wird im wesentlichen durch eine Stiftung finanziert, die durch private Spender und die Eintrittsgelder erfolgreicher Jahre aufgebaut wurde. Gerüchte, dass die Stiftung durch Spekulationen in der Finanzkrise viel Geld verloren habe, werden nach anfänglichem Schweigen zwar inzwischen dementiert. Aber die niedrigen Zinssätze auf dem Kapitalmarkt machen sich deutlich bemerkbar, denn nur aus den Zinserträgen wird der Ausstellungsbetrieb finanziert.
«Wir wissen im Moment noch gar nicht, was das für unseren Etat 2010 bedeutet», sagt Schreiber. Bremsen lassen will er sich davon aber nicht. «Die Kunsthalle war immer schon ein Wunder. Hier wurden mit wenig Geld schon oft sehr gute Ausstellungen gemacht.»
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