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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Geierabend-Premiere zieht RUHR.2010 durch den Kakao PDF Drucken E-Mail
Montag, 04. Januar 2010 um 06:21 Uhr

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Von Julia Wäschenbach, dpa

 

Dortmund (dpa/lnw) - Auf der Bühne steht einer, der Kalauer erzählt, unten sitzen über 400 mit Konfetti besprenkelte Menschen, die klatschen, schunkeln und johlen. Hört sich an wie Karneval? Nicht ganz. Denn bei der Premiere des alternativen Ruhrpott-Karnevals «Geierabend» am Samstagabend in der Dortmunder Zeche Zollern trägt das jecke Publikum keine Kostüme und der Präsident statt einer Narrenkappe eine rote Kinderstrumpfhose auf dem Kopf. Auch sonst ist wieder einmal alles anders.    

 

Der Chef des Theaters Fletch Bizzel, Horst Hanke-Lindemann, war schon ein bisschen nervös, als er den diesjährigen Geierabend eröffnete. Denn schließlich steht das Kabarett in diesem Jahr unter dem Motto «Geier.2010. Kulturhauptveranstaltung» und bilde so den inoffiziellen Auftakt zum Jahr der Kulturhauptstadt im Ruhrpott, wie Hanke-Lindemann erklärt. Damit alles glattgeht, haben die Verantwortlichen nicht nur die freiwilligen Helfer bei der RUHR.2010, die Volunteers, getestet, sondern auch Stimmungsprüfer Schmöll (grandios: Martin F. Risse) eingeladen, der mit dem Publikum die neue Ruhrpott-Hymne «Der Pott kaputt» einstudierte.    

 

Geierabend-Urgestein Martin F. Risse brillierte zuvor schon in der Rolle des schnodderigen Joachim Schlendersack aus Schnöttentrop mit Anekdoten in schönstem Sauerländer Platt. Ein Highlight der Show, die wie immer vom Kulturbüro der Stadt Dortmund und dem Theater Fletch Bizzel veranstaltet wurde: sein anschließender Auftritt mit den katholischen Landfrauen aus Schnöttentrop, bei dem die mit Schürzen, Gummistiefeln und Kopftüchern ausgestatteten Weiber ein Michael- Jackson-Medley neu vertexteten.    

 

Publikumslieblinge waren auch «Die Zwei vonne Südtribüne», von denen einer wegen einer verlorenen Wette einen Tag im Schalke-Trikot verbringen musste, und «Die AWO-Oppas», die Pläne schmiedeten, um ihren Zivi Knut behalten zu können.    

 

In einem Grubenwagen am Rand der Bühne saß mit weißem Bauarbeiterhelm, den ein Stoff-Geier krönte, ein weiteres bekanntes Gesicht: der Steiger (Martin Kaysh), der mit bissig sozialkritischen Gags durch das Programm führte. Weder den Dortmunder Wahl-Skandal noch den Gelsenkirchener Schuldenberg oder den in einer ewigen Bauphase versumpften Phoenix-See ließ er bei der Premiere aus. Vor allem Tisch 5, der mit einiger regionaler Prominenz wie dem Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) besetzt war, bekam sein Fett weg.   

 

Für den gefürchteten Anti-Orden «Pannekopp» sind in diesem Jahr der ehemalige Chef des mittlerweile insolventen Handelsriesen Arcandor, Thomas Middelhoff, und CDU-Landesvize Oliver Wittke, nominiert. Abgestimmt wird auf jeder der 37 Sitzungen und im Internet. Der Sieger steht am 16. Februar fest. Tagessieger der Premierenvorstellung wurde Middelhoff. Der Orden wird jedes Jahr an Personen verliehen, die sich in «besonderer» Weise um das Ruhrgebiet verdient gemacht haben. Middelhoff wurde für den «Strukturwandel de Luxe» nominiert, Wittke für den «moralischen Wiederaufbau der Ruhr-SPD. Den 28,5 Kilogramm schweren Orden hat noch nie einer der «Geehrten» entgegengenommen.    

 

Während ein Sketch über einen Scheich in einem Swingerclub ein bisschen arg in den puren Klamauk abdriftete und der Präsident als Sumo-Ringer ein bisschen viel nackte Haut zeigte, bot der Geierabend ansonsten über dreieinhalb Stunden eine unterhaltsame Show mit intelligentem Humor und gezielten Gags. Kostüme, Narrenkappe und Funkenmariechen fehlten mal wieder kein bisschen.

 

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