| Großer Auftritt für Ernas Wäschelöffel - Ruhr-Geschichte im Museum |
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| Freitag, 08. Januar 2010 um 18:37 Uhr | ||
Von Uta Knapp, dpa
Essen (dpa/lnw) - Der Wäschelöffel von Erna Stottrop hat im neuen Essener Ruhr-Museum seinen großen Auftritt, eigentlicher Star ist jedoch das Museumsgebäude selbst. Die ehemalige Kohlenwäsche des Essener Weltkulturerbes Zeche Zollverein beeindruckt durch riesige Ausmaße, dunkle Schächte, kohleverschmierte Bunker und lange Reihen von rostigen Maschinen. Da wirkt selbst die überlebensgroße Original- Statue des Ruhrgebiets-Patriarchen Alfred Krupp bescheiden.
Mit 90 Metern Länge, 30 Metern Breite und 40 Metern Höhe ist die Anlage, die zur Sortierung und Speicherung der Steinkohle diente, das größte Gebäude der einst leistungsstärksten Zeche Europas. Als neues «Gedächtnis der Region» soll der zum Museum umgebaute Komplex zu einer der wichtigsten Attraktionen der Kulturhauptstadt Ruhr2010 werden.
Nach einer Fahrt über eine beleuchtete Rolltreppe bis auf 24 Meter Höhe startet der Besucher seinen Rundgang durch die Schau mit rund 5000 Exponaten in der Gegenwart - zwischen BVB-Bettwäsche, Taubenzüchter-Pokalen und Schrebergarten-Idylle. Ruhrgebiets- Klischees von Maloche, Dreck und ständigem Ruß auf der nicht lange blütenweißen Wäsche werden mit historischen Fotos bedient. Hörerlebnisse aus dem Revier von A wie «A40» bis Z wie «Zwergschaf» bieten Kontaktfelder mit Lautsprechern.
Goldenen Glanz in den dunklen Bunker bringt eine Sammlung von durch Kirchen-Schließungen überflüssig gewordenen liturgischen Gegenständen. Hintergrund ist die finanziell äußerst angespannte Lage der Kirchen in der von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelten Region, die allein das katholische Ruhr-Bistum zur Schließung von 96 Kirchen gezwungen hat.
Der Weg durch das Museum führt den Besucher immer weiter abwärts auf den Spuren der Kohle. Dabei gelangt er zu den Anfängen der industriellen Revolution, die die beschauliche Landschaft zwischen Ruhr und Emscher ab etwa 1850 innerhalb weniger Jahrzehnte in einen industriellen Hexenkessel verwandelt hat. Neben industriellen Pionieren wie Alfred Krupp und Franz Haniel finden sich auch Zeugnisse des alltäglichen Lebens wie der Suppenteller einer Familie aus Bottrop. «Ich kann den Suppenteller nur halb voll machen», klagt dort eine Frau laut der Vitrinenaufschrift: Da durch Bergschäden die Böden vieler Wohnungen in der Region abschüssig waren, riskierte man mit randvollen Tellern schnell verbrannte Finger.
Eigene Vitrinen sind auch dem Bergmannshelm von Harry Müller (Essen), dem Wäschelöffel von Erna Stottrop (Essen) sowie einem riesigen Kohle-Brocken (Zeche Zollverein, Essen) gewidmet. Derartige Fundstücke aus den Kellern und Speichern der Region werden im Erdgeschoss des Gebäudes durch hochkarätige Kunstwerke ergänzt. Schätze aus Kirchen und Klöstern stehen für das «vorindustrielle Gedächtnis» der Region, berichtet Sandra Sorgenicht vom Ruhr-Museum.
Karl der Große hat dort ebenso seine Spuren hinterlassen wie ein riesiges Mammut, dessen Skelett gleich neben dem ältesten von Menschen geschaffenen Exponat des Museums steht. Mehr als 220 000 Jahre alt ist die unscheinbare «Vogelheimer Klinge». Mit dem spitzen Steinstück sollen frühe Bewohner der Region auf die Jagd gegangen sein.
Nach der offiziellen Eröffnung am Samstag, ist das neue Museum bei freiem Eintritt am Sonntag erstmals für das Publikum geöffnet. Trotz vorhergesagter heftiger Schneefälle hat sich auch Bundespräsident Horst Köhler zu dem Ereignis angesagt. Rund zehn Jahre lang hatten die Planungen und Arbeiten für den Umbau des Museum gedauert, das unter wechselnden Namen als Regionalmuseum bereits eine mehr als einhundertjährige Geschichte hat. Mit geschätzten 100 000 Besuchern soll das Ruhr-Museum nun im Kulturhauptstadtjahr 2010 zu einem der Publikumsmagneten der Region werden.
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