| Die «Ruhris» und das Kulturhauptstadtjahr |
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| Sonntag, 10. Januar 2010 um 16:17 Uhr | ||
Von Maryam Schumacher, dpa
Essen (dpa) - Essen und das Ruhrgebiet sind Kulturhauptstadt: Einen Tag nach der großen Eröffnungsfeier waten Familien mit ihren Kindern am Sonntag durch den Schnee auf dem Gelände der früheren Zeche Zollverein. Inmitten von sprechenden Wäldern und bunten Lichtern wollen sie sich berieseln lassen vom kulturellen Angebot. Die Vorfreude auf dieses ereignisreiche Jahr ist groß, die Erwartungen sind hoch. Die einen sind überwältigt vom ganzjährigen Kulturgenuss, während andere das kulturelle Treiben eher argwöhnisch betrachten.
Für die Kleinen bot das Programm am Sonntag viel Theater, Musik und Tanz. Der groß angekündigte Ritter Rost, der Botschafter des Kulturhauptstadtjahres, musste seine Shows absagen. «Der ist wohl verrostet», sagt ein kleines Mädchen trocken. Dafür ist Käpt'n Blaubär eingesprungen und animierte 30 gut gelaunte Kinder, die in Schnee und Kälte auf einer Open-air-Tribüne sitzen. Die Eltern freut es auch. «Es gibt viel zu sehen und zu entdecken», sagt Bettina Appel, die mit ihren zwei Kindern und Ehemann gekommen ist.
In allen Ecken verbindet sich Altes mit Neuem, Märchenhaftes mit Realistischem. Noch immer haftet dem Ruhrgebiet das Image der Stahlwerke, Hochöfen und brachen Industrieorten an. Ob das Kulturhauptstadtjahr das Bild über die Region verändern kann, wird sich noch zeigen. «Ich glaube nicht, dass es viel verändern wird», sagt Mike Weissenfels. Ein Jahr könne keinen Imagewandel vollziehen, meint der 33-Jährige. Das sieht Marlies Verrieth aus Waltrop anders. Viele der Projekte der Kulturhauptstadt seien nachhaltig angelegt. Und heute besteche die Region mit seiner Kulturdichte. «Es ist doch alles nicht mehr so wie früher, mit dem Dreck und so. Aber es ist halt eben speziell, unser Ruhrgebiet», sagt die 49-Jährige.
Immerhin beweist das Kulturhauptstadtjahr, dass es nicht um elitäre Veranstaltungen geht. Viele Projekte werden von Amateuren gestaltet. Eines davon ist «brick panic», an dem ein Dutzend Jugendliche musizierend und tanzend den Geräuschen ihrer Stadt auf den Spuren sind. «Mir geht es darum, Vorurteile abzubauen», sagt Julia Weber. «Wir Jugendlichen sind ein wesentlicher Teil des neuen Kulturverständnisses im Ruhrgebiet.»
Für die Eheleute Bogdahn ist das Kulturhauptstadtjahr dagegen «zu hoch gestochen». Das Ehepaar wohnt gleich angrenzend zum Zollverein und hat deshalb bereits etliche Proben auf Eisen, Stahl und Blech mitbekommen. «Das Kulturprogramm geht doch am Geschmack der Leute vorbei», echauffiert sich Herr Bogdahn. Und: «Das Geld wird einfach verbraten.» Trotzdem, da sind sich alle einig, sei es gut, dass das Kulturhauptstadtjahr hier stattfinde. «Das Ruhrgebiet wird dadurch bekannter.» Hoffentlich wirke sich das auf das Image des «Potts» aus.
Auf dem Gelände steht auch «der Baum der 1000 Wünsche». Dort haben Kinder und Erwachsene in Blattform aufgeschrieben, was in Erfüllung gehen soll: Geheimnisvoll schreibt da ein Kind «Das, was ich gerade denk, soll wahr werden», und passend zum Kulturhauptstadtjahr schrieb einer: «2010 soll viel Gemeinsames bringen».
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