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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Alberto Giacometti: Die Frau auf dem Wagen. Triumph und Tod PDF Drucken E-Mail
Montag, 11. Januar 2010 um 20:25 Uhr

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Laufzeit: 31. Januar bis 18. April 2010

In Kooperation mit der Fondation Alberto et Annette Giacometti, Paris, Frankreich

 

 

Ab dem 31. Januar 2010 präsentiert die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum – Zentrum Internationaler Skulptur, Duisburg eine einzigartige Ausstellung zum Werk des Bildhauers Alberto Giacometti (1901-1966). Mit Unterstützung der Fondation Alberto und Annette Giacometti, Paris, dem wissenschaftlichen und organisatorischen Partner des Lehmbruck Museums, werden rund 120 Werke des Bildhauers als Leihgaben internationaler Museen und Privatsammler in Duisburg vereint. Jede der Hauptleihgaben ist nahezu unverzichtbarer Baustein der Ausstellung rund um die „Frau auf dem Wagen“. 

 

Im Zentrum: „Femme au chariot“

Die Ausstellung konzentriert sich auf die Entstehung und das Umfeld dieser bedeutenden Skulptur, die im Mittelpunkt der Ausstellung steht. Sie ist die einzige Gipsskulptur von Alberto Giacometti in einem deutschen Museum und konnte 1986 dank finanzieller Mittel der Peter Klöckner-Stiftung für das Lehmbruck Museum erworben werden. Die Plastik veranschaulicht die Handschrift und Arbeitsweise des Bildhauers bis ins Detail, einzigartig ist die Bemalung des Gesichts der Frau, deren Brauen, Augen und Mund ihr einen hoheitsvollen Ausdruck verleihen. 

 

Die 153,5 cm hohe „Frau auf dem Wagen“ entstand um 1945 (in der Rezeptionsgeschichte wurden dem Werk bisher verschiedene Datierungen zugewiesen) im Atelier des Bildhauers, der während des Krieges in Genf und Maloja arbeitete. Gemeinsam ausgestellt werden nun erstmals die drei heute neben dem Duisburger Werk existierenden Fassungen: zwei Gipse aus dem Nachlass und eine danach ausgeführte Bronze sowie historische Fotografien Ernst Scheideggers, die die früheste bekannte Ausführung der Arbeit überliefern. 

 

Die nach dem „Original“ in Duisburg ausgeführte zweite und dritte Gipsfassung besteht aus einem Vollguss des oberen Skulpturenteils der Frau, nachträglich ergänzt durch einen hohlen Sockel, sowie einer Abformung dieser Vollform, ein vollkommen weißer Gips, der von Giacometti 1962 in die ihm gewidmete Ausstellung der Kunsthalle Zürich aufgenommen wurde. Beide Gipsfiguren befinden sich heute in der Sammlung der Fondation Alberto et Annette Giacometti, die als Kooperationspartner rund 90 herausragende Werke, darunter 24 Skulpturen und zahlreiche Originalfotografien, zur Verfügung stellen kann. 

 

Auf diese Weise gelingt es erstmals überhaupt, alle vier erhaltenen Fassungen im Rahmen einer Ausstellung zu vereinen. Der Bronzeguss der Arbeit aus dem Jahr 1963 kommt dankenswerterweise aus der Staatsgalerie Stuttgart nach Duisburg. Besondere Bedeutung schließlich muss der Leihgabe des großen „Chariot“ (Wagen) (1950) beigemessen werden: der übergroße zweirädrige Wagen mit einer hohen, schlanken bemalten Bronzefigur aus dem Museum of Modern Art, New York wurde noch nie außerhalb der Vereinigten Staaten öffentlich gezeigt. Somit können in dieser Ausstellung erstmals beide Skulpturen mit einer Frau auf dem Wagen gemeinsam präsentiert werden. 

 

Triumph und Tod

Die „Frau auf dem Wagen“ steht in einem Spannungsfeld zwischen der lebensnahen Verlebendigung der Figur in ihren Gipsfassungen und der gleichsam mumifizierten Erstarrung in der Bronzefassung. Sie sind beispielhafte Leitmotive im Werk des Bildhauers: Triumph und Tod. 

 

Der zweirädrige große „Wagen“ des Museum of Modern Art erinnert in seiner Gestalt an antike Kampfwagen, kultische Sonnenwagen und Zeremonialobjekte keltischer Herkunft, bei denen statt des Kriegers eine Frau oder die Sonne selbst erhöht auf einem Wagen stehen. Dieser mythische Aspekt, der darüber hinaus seit den altägyptischen Totenritualen eine zentrale Rolle spielt, verleiht auch dieser Skulptur im Zyklus von Triumph und Tod einen magischen Charakter. 

 

Anspruch der Ausstellung ist es, die auf ihre Weise vieldeutigen Wagenfiguren in ihrem jeweiligen Werkkomplex vor Augen zu führen und im Kulturvergleich zu deuten. Vor dem Hintergrund der intensiven Beschäftigung des Bildhauers mit früheren ägyptischen oder antiken Hochkulturen als primären Quellen erscheinen auch prähistorische Kultwagen als mögliche Einflüsse Giacomettis. Gezeigt wird etwa der „Sonnenwagen von Trundholm“ als ein Beispiel für bewegliche mehrrädrige Wagenmodelle aus Ton und Stein mit spielzeugartig verkleinerten Figuren und Tieren als Teil des Totenkultes.  

Forschungsleistung

Die einzigartige Ausstellung rund um die „Frau auf dem Wagen“ ist das Ergebnis einer langjährigen forschungsintensiven Vorbereitung des Duisburger Lehmbruck Museums und insbesondere der Fondation Alberto et Annette Giacometti. Zentrale Einzelwerke und Werkgruppen wurden ermittelt und konnten in das Kooperationsprojekt einfließen. Hierzu zählen die erwähnten Gipse, außerdem das Wandfragment in Öl auf Holz aus dem Atelier Giacomettis in Maloja, das eine lebensgroße Frauenfigur zeigt, sowie zahlreiche Fotografien u.a. Ernst Scheideggers, die die Aufstellung der „Frau auf dem Wagen“, die durch Véronique Wiesinger als englische Malerin und Künstlermuse Isabel Nicholas identifiziert werden konnte, an ihrem Ursprungsort dokumentieren.

 

Radiologische Untersuchungen der Giacometti-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Centre d’Innovation et de Recherche pour l’Analyse et le Marquage (CIRAM) ebenso wie Röntgen-Untersuchungen des Kölner Diplom-Restaurators Prof. Hans Portsteffen im Frühjahr 2009 offenbarten erstmals das Innenleben der Duisburger Figur und geben zugleich beinahe lückenlos Aufschluss über ihre technische Entstehung.

 

Die verschiedenen Röntgenaufnahmen von Figur und Sockel zeigen eine aus einzelnen, mittelgroßen Metallteilen und -gegenständen zusammengesetzte Armatur im Inneren der „Frau auf dem Wagen“. Die Forschungsergebnisse werden im Ausstellungskatalog erstmals ausführlich publiziert und abgebildet. 

 

Katalog  und Rahmenprogramm

Die Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Katalog im Hirmer Verlag, München; 224 Seiten, 230 Abbildungen, Preis der Museumsausgabe ca. 25 Euro.  Mit Beiträgen von Christoph Brockhaus, Pucci Corbetta und Roberto Sarfatti, Carol Jacobi, Jacques Vistel sowie den Kuratoren Gottlieb Leinz und Véronique Wiesinger.

 

Im Begleitprogramm zur Ausstellung finden regelmäßig Themenabende, Vorträge und Filmvorführungen zum Werk Alberto Giacomettis statt, außerdem ein umfangreiches Vermittlungsprogramm. 

 

Einleitung: Stephan Balkenhol – Alberto Giacometti

Eine ungewöhnliche Aktualisierung erfährt die Ausstellung durch Stephan Balkenhol (geb. 1957). Sie verbindet zu dieser zeitgenössischen Präsentation Giacometti-Skulpturen aus der Sammlung des Lehmbruck Museums mit rund 30 Arbeiten des zeitgenössischen, konsequent figürlich arbeitenden Bildhauers. Seine Werke werden durch die Galerie Löhrl in Mönchengladbach sowie aus Düsseldorfer Privatbesitz als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Die Arbeiten offenbaren eine überraschende Annäherung figürlicher Darstellung im plastischen Werk der beiden Künstler: Nähe und Distanz, Prozesshaftigkeit, Raumbezug sowie menschliche Seinserfahrungen prägen das Werk Giacomettis wie Balkenhols gleichermaßen.

 

Im Katalog erscheint ein Text von Stephan Balkenhol, beruhend auf einem Interview, das die Kuratoren im Vorfeld der Ausstellung mit dem Künstler geführt haben. 

 


Die Ausstellung wird  großzügig unterstützt von der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, dem Ministerpräsidenten des Landes NRW, der Sparkasse Duisburg-Stiftung, Pro Helvetia und weiteren Partnern.

 

Mehr über Alberto Giacometti



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