| Kunstsammler stellt Bedingungen für Schenkung |
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| Freitag, 15. Januar 2010 um 20:02 Uhr | ||
Von Birgit Sander, dpa
Schwerin (dpa/mv) - Dem Staatlichen Museum Schwerin steht eine großzügige Schenkung in Aussicht - wenn es denn gemeinsam mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern seine Hausaufgaben macht. Der Berliner Kunstsammler Christoph Müller will dem Museum rund 150 Gemälde niederländischer Meister des 16. bis 18. Jahrhunderts schenken, weil diese «wie angegossen» zur vorhandenen Schweriner Sammlung passen, wie er sagt. In Schwerin hängen Werke von Frans Hals, Carel Fabritius, Jan Brueghel. Und er möchte geregelt haben, was mit seinen Gemälden - «das Beste, was ich hab» - einmal geschieht. «Ich habe keine Erben. Ich bin schwul, ich habe keine Kinder», erklärte der 71- jährige am Donnerstag in dem Schweriner Museum bei einem Gesprächsabend mit Landes-Kultusminister Henry Tesch (CDU).
Die Bilder haben nach Angaben Müllers, der einmal Verleger des «Schwäbischen Tagblatts» (Tübingen) war, einen Wert von 10 bis 15 Millionen Euro. Die Schenkung knüpft er an Bedingungen. Die wichtigste ist die Erweiterung der Ausstellungsfläche des Museums. Schon zur Eröffnung einer Ausstellung im Dezember mit 120 Niederländer-Zeichnungen aus dem Berliner Kupferstichkabinett, von denen die meisten ebenfalls einer Schenkung des Wahlberliners entstammen, hatte Müller angekündigt, er schenke die Gemälde nicht ins Depot. Dem Museum aber mangelt es an Ausstellungsfläche, nur 12 Prozent der Sammlung können derzeit gezeigt werden. Der Versuch eines Fördervereins, einen Zweckbau am Museumsgebäude aus dem 19. Jahrhundert zu errichten, scheiterte.
Der Landtag beschloss jedoch im Vorjahr einen An-, Um- und Neubau, wie Minister Tesch in der Veranstaltung erläuterte. Demnach sind die Kosten für die Planungen im Doppelhaushalt des Landes 2010/11 eingestellt. 2012 könnten die Investitionen starten, 2013 könnten die Bilder übergeben werden. «Vielleicht auch erst 2014», warf Müller ein. Den Trennungsschmerz könne er sich noch gar nicht vorstellen, sagte Müller, er werde eine Wohnung in Schwerin nehmen müssen - um gleich darauf zu betonen, dass er mit dem Schweriner Museum «überglücklich» sei. Auch zahlreiche andere Museen zeigten Interesse an der Sammlung, darunter das Museum der Bildenden Künste Leipzig und Schloss Gottorf in Schleswig-Holstein. Doch sein Lieblingsmuseum sei Schwerin. Mit der Schenkung werde Schwerin nach Kassel in Deutschland die zweitgrößte Kollektion niederländischer Gemälde haben, sagte er.
Tesch zufolge sollen im Museum Ausstellungsflächen zurückgewonnen werden, die derzeit als Depot, Café und Museumsshop genutzt werden. Für Café, Shop und Veranstaltungen sei ein Anbau geplant, für Depots und Werkstätten ein Neubau, dieser jedoch einige Kilometer entfernt. Kritikern zufolge wird das unnötige Transporte von Kunstwerken verursachen. Einen konkreten Zeit- und Kostenplan gibt es noch nicht. Während Tesch aus Kostengründen auf einen Architektenwettbewerb für den Anbau verzichten würde, erwog die Vorsitzende des Vereins der Freunde des Museums, Anne Leibold, dafür das Geld zu nutzen, das einst für den Zweckbau gesammelt worden war.
Vom Tisch ist Tesch zufolge der Plan von 2006, zur Finanzierung der Vorhaben Kunst zu verkaufen. In diesem Fall würde er seine Bilder nicht nach Schwerin geben, sagte Müller. Auch frage er sich noch, ob er seine Bilder wirklich einem Land schenken wolle, in dem die rechtsextremistische NPD im Landtag sitzt. Andererseits könne er gar nicht mehr zurück: Schon seit vier Jahren habe er kein Niederländer- Gemälde mehr ohne Absprache mit dem Schweriner Kurator Gero Seelig gekauft, gab Müller zu, der selbst erst mit 48 Jahren begann, Bilder zu sammeln.
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