| Berliner Philharmoniker auf der Bauhausbühne Kompositionen von Erwin Schulhoff am 26. Januar 2010 um 20 Uhr |
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| Dienstag, 19. Januar 2010 um 17:38 Uhr | ||
Eine solche Gelegenheit gibt es selten: Mitglieder der Berliner Philharmoniker treten in Dessau-Roßlau mit einem spannenden Programm auf. Auf der historischen Bauhausbühne spielen die neun Musiker Kammermusik von Erwin Schulhoff. Das Programm unter dem Titel „Erwin Schulhoff: Brückenbauer in die neue Zeit“ stellt die ganze Breite seines einzigartigen Werkes vor. Der 1894 in Prag geborene Komponist Erwin Schulhoff gilt als einer der einfallsreichsten und vielseitigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Dass sein Leben 1942 gewaltsam im Konzentrations- lager Wülzburg endete, zählt zu seinen großen Tragödien. Trotz seines Schicksals erfasste, transformierte und reflektierte Schulhoff die verschiedensten kreativen Reize einer schwierigen Epoche in einer besonders eindringlichen Weise.
![]() Philharmoniker
Schulhoff, ein unersättlich Neugieriger und weltoffener Kosmopolit, wuchs als Wunderkind auf. Mit sieben traf er Antonin Dvorak, noch als Junge besuchte er die berühmte Kompositionsklasse von Max Reger. Früh nach Deutschland übergesiedelt, blieb Schulhoff seiner heimatlichen tschechischen Musiktraditionen von Stamitz über Dvorak bis Janacek stets tief verbunden. Er interessierte sich aber gleichzeitig für alle radikalen Richtungen der Avantgarde. Er entdeckte den Expressionismus von Gustav Mahler und Richard Strauss und den Impressionismus von Claude Debussy. Aus seiner Verbindung zu Künstlern wie Otto Dix und George Grosz resultier- ten völlig neue musikalische Ansätze, Visionen, die seine Flötensonate besonders eindrücklich spiegelt. Im Berlin der 20er Jahre wurden Schulhoffs Orchesterwerke regelmäßig von den Berli- ner Philharmonikern und der Staatskapelle aufgeführt; Paul Hindemith spielte die Uraufführung mehrerer Kammermusikstücke Schulhoffs, etwa das vom slawischen Volkstanz inspirierte Con- certino für Flöte, Bratsche und Kontrabass. Hauptsächlich lebte Schulhoff in dieser Zeit vom Klavierspielen in den schäbigen Swing-Tanz-Clubs der Hauptstadt. Hier entstanden viele seiner Klavierstücke und die Hot-Sonate für Saxophon und Klavier. Schulhoffs Oszillieren zwischen „E“- und „U“-Musik-Formen, zwischen elitären und volkstümlichen Wendungen, eben- so wie seine orthodoxen Neigungen und anarchistischen Tendenzen irritierten Traditionalisten jeder Couleur. Mit seiner Begabung verkörperte der Komponist genau jene weltoffene Vielfalt, die die Nationalsozialisten als „wurzellos“ und „kulturbolschewistisch“ diffamierten. Das Leid der Heimatlosen fand bei Schulhoff seinen klanglichen Ausdruck – unter anderem in seinem „auto- biographischen“ Streichsextett. Eigentlich kein Ideologe, wandte sich Schulhoff vor dem Hintergrund der globalen Wirtschaftskri- se der späten 20er Jahre und des erstarkenden Antisemitismus in Deutschland letztlich dem Kommunismus zu. Zunehmend widmete er sich musikalischen Solidaritäts- und Widerstandsauf- rufen. 1942 wurde Schulhoff schließlich verhaftet, interniert und in das KZ Wülzburg, Bayern, deportiert, wo er am 18. August 1942 starb. Mit ihm verlor die Neue Musik eine ihrer faszinierend- sten und radikalsten Persönlichkeiten. |

























































