| Scherer: Haus der Kulturen als Seismograph |
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| Mittwoch, 20. Januar 2010 um 12:20 Uhr | ||
Berlin (dpa/bb) - Das vom Bund getragene Haus der Kulturen der Welt in Berlin will sich zu einem Seismographen für gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen entwickeln. Im vergangenen Jahr feierte die Kulturstätte neben dem Kanzleramt ihr 20-jähriges Bestehen. Zum Jahreswechsel wurde der Vertrag von Intendant Bernd Scherer um fünf Jahre verlängert. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa sagt Scherer, wo er die Zukunft der bundesweit einmaligen Institution sieht.
Welche Arbeitsschwerpunkte wollen Sie für die kommenden Jahre setzen?
Scherer: «Das Interessante ist, dass sich das Haus immer wieder neu erfindet. Anfangs war es vor allem gedacht als Plattform für nicht-europäische Kulturen und Gesellschaften hier in Europa. Heute sehen wir es viel stärker als eine Institution, die internationale Entwicklungen in Deutschland präsentiert, die wichtig sind für das deutsche Selbstverständnis. Nationen wie Deutschland können sich nicht mehr allein über das Nationale definieren, sondern nur noch in Auseinandersetzung mit der Welt.»
Haben Sie ein Beispiel?
Scherer: «Nehmen Sie Afghanistan. 1989 war Afghanistan auf der Landkarte der Deutschen ein kleines Land irgendwo am Hindukusch. Man wusste allenfalls, dass die Russen dort abziehen. Zugleich war 1989 aber das Jahr, in dem Osama bin Laden El Kaida gründete. Und damit begann eine Entwicklung, die mit dem 11. September und seinen Folgen Weltgeschichte schrieb. Heute stehen deutsche Soldaten in Afghanistan, und die Lage dort ist ein konstantes Thema der politischen Diskussion. Und genau darum geht es: Wir wollen schauen, wo es international Entwicklungen gibt, die für uns wichtig sind, und daraus deutsche Fragestellungen entwickeln.»
Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie?
Scherer: «Wir haben einige Grundthemen definiert, die wir in den nächsten drei, vier Jahren verfolgen wollen. Das ist einmal die ökologische Frage der Beziehung Mensch und Natur. Ein zweites ist die zunehmende Bedeutung der Religion in Ländern, in denen der Staat seine Funktion nicht mehr erfüllt. Und zentral wird auch das Thema der multikulturellen Gesellschaft sein. Früher wurde das eher als Spezialproblem behandelt nach dem Motto: Eigentlich sind wir Deutsche und dann gibt es natürlich auch noch ein paar Migranten. Heute sind wir mehr und mehr in der Situation, in der einfach unsere Gesamtgesellschaft als multikulturell zu sehen ist. Hier wollen wir die Diskussion durch die Erfahrungen in anderen Ländern wie Kanada, Amerika, aber auch Indien anreichern und differenzieren - und damit adäquater machen für die Situation der Betroffenen.»
Gespräch: Nada Weigelt, dpa |
























































