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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Mit Kacheln und Öfen zum Wohlstand PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 27. Januar 2010 um 10:46 Uhr

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Von Gudrun Janicke, dpa

 

Velten (dpa/bb) - Sie sind sandfarben, eher unscheinbar und waren doch ein Schatz: Tonvorkommen verschafften dem kleinen märkischen Ort Velten bei Berlin im 19. Jahrhundert Wohlstand. Der Rohstoff war bestens für Ofenkacheln geeignet. Um 1900 produzierten 40 Fabriken vor den Toren der aufstrebenden Metropole Kacheln für etwa 100 000 Öfen pro Jahr. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es damit dann fast vorbei. Ein Museum hält heute die Erinnerung an dieses Kapitel Industriegeschichte wach. Bundesweit gibt es noch etwa 15 Firmen, die Ofenkacheln herstellen, davon eine in Velten (Oberhavel).   

 

Die Branche profitiere zwar von stetig steigenden Energiepreisen, sagt Michael Toplak, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Kachelofenwirtschaft. In deutschen Wohnhäusern stehen rund 16 Millionen Öfen - vom Kaminofen aus dem Baumarkt bis zum hochwertigen Kachelofen. Die Zahl wird sich aber laut Toplak nicht entscheidend erhöhen. «In der Regel wird gegen ein hochwertigeres Modell ausgestauscht.» Insgesamt gibt es in Deutschland rund 1800 eingetragene Handwerksbetriebe für Ofen- und Luftheizungsbau.    Öfen aus vergangenen Jahrhunderten    

 

«Das Ofen- und Keramikmuseum ist das einzige bundesweit an einem authentischen Standort, wo auch Kacheln für Öfen produziert wurden», erläutert Leiterin Nicole Seydewitz. Nach der Entdeckung der reichen Tonvorkommen entstand 1835 die erste Ofenfabrik in dem Ort. Weiße Schmelzkacheln für «Berliner Öfen» machten die Betriebe bekannt. Ihre Besonderheit: makelloses Weiß und keine Haarrisse.    

 

Auf etwa 1600 Quadratmetern werden in dem Museum Öfen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert gezeigt. Es sind Kunstwerke, an die man sich unwillkürlich bei Minusgraden kuscheln möchte. Doch die Kacheln sind kalt. «Aus Brandschutzgründen kann kein Ofen angefeuert werden», erklärt Seydewitz. «Die Stücke stammen aus Herrenhäusern, Schlössern oder aus Wohnungen begüterte Bürger.» 4000 Kacheln in vielen Farben von creme, über rosé bis zu tiefblau sind zu bewundern - verziert mit Chinoiserien oder Darstellungen brandenburgischer Kurfürsten.   

 

Prunkstück ist ein fast drei Meter hohes Meisterwerk. Für den Gebrauch in der Küche waren sogenannte Kochmaschinen gedacht: Sie musste die Hausfrau zunächst mit Holz und Kohle tüchtig anfeuern, bevor auf den gusseisernen Platten gekocht werden konnte.   

 

Musterbücher und Keramikdesign    

 

Besonders stolz ist das schon 1905 gegründete Museum auf etwa 80 Musterbücher, die heute noch Inspiration bieten. «Anfang des 20. Jahrhunderts begann der Niedergang der Kachelproduktion», berichtet Seydewitz. Die Veltener Betriebe machten sich gegenseitig Konkurrenz und Zentralheizungen wurden modern. Einige Hersteller schwenkten daraufhin auf künstlerische Keramik um. Bekannte Designer wie Margarete Heymann-Loebenstein-Marks, Hedwig Bollhagen oder Otto Douglas-Hill wirkten hier.   

 

«Entworfen wurden alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Tafelservice, Vasen, Leuchter und Schalen, aber auch Skulpturen oder Kunstwerke für Gebäude», erzählt Seydewitz. Gefäße für Gewürze, Mehl und Zucker wirken heute so modern wie in den 1920er Jahren. 1923 war eine Veltener Firma an der Rekonstruktion des berühmten Ischtar-Tores im Berliner Pergamon- Museum beteiligt. Noch heute schmücken Keramiken aus dem kleinen Ort viele Berliner Gebäude.   

 

Museum in der Fabrik    Von den einst 40 Ofenkachel-Herstellern ist nur die Firma Schmidt- Lehmann übrig geblieben. «Seit 1872 sind wir die einzigen, die ohne Unterbrechung arbeiten», sagt Geschäftsführer Konrad Schmidt. Er freut sich, dass heute wieder mehr Menschen die Gemütlichkeit von Kachelöfen lieben. Glücklicherweise hat die Firma ein zweites Standbein: Baukeramik und Denkmalpflege.   

 

In Berlin war das Unternehmen schon an Arbeiten für das Alte Palais, das Neue Museum oder auch das Bodemuseum beteiligt. Ziergesimse an der Außenfassade oder Fußbodenfliesen stammen aus Velten. Die Vergangenheit ist für Schmidt immer gegenwärtig: In seinem Fabrikgebäude ist das Museum untergekommen.



Tags: museum  Öfen  kacheln  seydewitz  ort  abstrakte kunst  
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