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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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3000 Jahre alter ägyptischer Sarkophag restauriert PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 27. Januar 2010 um 19:49 Uhr

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Nach der erfolgreichen Restaurierung von zwei Gothaer Mumiensärgen (Kartonage einer Sängerin des Amun, 9. Jh. v. Chr., Kartonagesarg der Tjen-Tjen, 10. Jh. v. Chr.) in den Jahren 2003 und 2006 ist es der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha nun wiederum gelungen, mit Hilfe von Sponsorengeldern die Restaurierung eines außergewöhnlichen Sargensembles aus der Ägyptensammlung des Schlossmuseums zu realisieren.

 

Mit Unterstützung des Freundeskreises Schlossmuseum Schloss Friedenstein Gotha e.V. und der Regionalstiftung der Kreissparkasse Gotha konnten der äußere und der innere Sarg einer Frau aus der 22. bis 25. Dynastie (ca. 10. - 7. Jh. v. Chr.), d. h. aus der sogenannten „Dritten Zwischenzeit“, die der Ramessidenzeit (19. und 20. Dynastie) folgte, wiederhergestellt werden. Die Restaurierung wurde von der Restauratorin Tatjana Lamfried aus Regensburg, die sich auf Aegyptiaca spezialisiert hat, vorgenommen. Frau Lamfried hatte bereits Tjen-Tjen restauriert. Die wissenschaftliche Bearbeitung der Särge ist erst kürzlich abgeschlossen worden.

 

 

„Grabkammer“ auf Schloss Friedenstein

„Grabkammer“ auf Schloss Friedenstein

 

Am Mittwoch, 27. Januar 2010, stellte der Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Dr. Martin Eberle gemeinsam mit dem Direktor des Schlossmuseums, Herrn Bernd Schäfer, der zuständigen wissenschaftlichen Mitarbeiterin, Frau Uta Wallenstein, sowie der Restauratorin, Frau Tatjana Lamfried, das Ergebnis der mehrwöchigen Restaurierung vor. Ganz besonders dankte der Stiftungsdirektor den ebenfalls anwesenden Förderern, die die aufwändige Restaurierung erst möglich gemacht haben: Herrn Herr Jochen Peter, Vorsitzender des Freundeskreises Schlossmuseum Schloss Friedenstein Gotha e.V., und Herrn Manfred Vitt, Vorstand der Regionalstiftung der Kreissparkasse Gotha.

 

Nach Abschluss der Arbeiten wird der restaurierte Sarkophag im Laufe des Februars in der Ägyptensammlung des Schlossmuseums Gotha ausgestellt werden.

 

 

Zur Geschichte der Ägyptensammlung auf Schloss Friedenstein Gotha

 

Die Aegyptiaca auf Schloss Friedenstein in Gotha zählen zu den ältesten europäischen Sammlungen ihrer Art, die zielgerichtet in größerem Umfang angelegt wurden. Den entscheidenden Schritt zur Sammlungsgründung unternahm der fremdartigen Kulturen und Exotica gegenüber sehr aufgeschlossene Erbprinz August (1772 – 1822) von Sachsen-Gotha-Altenburg bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

 

Der restaurierte Sarg

Der restaurierte Sarg

 

Ägyptische Sammlungen bereicherten zwar schon im 17. und 18. Jahrhundert die deutschen Kunstkammern, doch waren dies Einzelobjekte im Sinne von Kuriosa und Außergewöhnlichem. Sie besaßen einen gleichsam enzyklopädischen Charakter. Auch im Gothaer Kunstkammerinventar von 1657 ist bereits ein „Idolum Aegyptiacum, dergleichen bey den Mumys gefunden worden...“ erwähnt.

Im 18. Jahrhundert befanden sich zudem in der Friedensteinischen Kunstkammer Amulette von einer „Medizinalmumie“ sowie verschiedene Mumienteile und eine vollständige „Mumia“, wobei letztere unter „Anatomica“ eingereiht wurden.

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging man am Gothaer Hof im völkerkundlichen Sinne zum bewussten Sammeln orientalischer – eingeschlossen ägyptischer – Altertümer über. Ein veränderter Zeitgeist, der sich ideell und künstlerisch im Klassizismus manifestierte und von namhaften Naturwissenschaftlern und Geographen bestimmt wurde, öffnete den Blick auf die Kultur und Kunst ferner Länder, im Besonderen auf die griechisch-römische und ägyptische.

 

Die Restauratorin des Sarkophags, Frau Tatjana Lamfried

Die Restauratorin des Sarkophags, Frau Tatjana Lamfried

 

Im Auftrag des Gothaer Herzogshaus sammelte der deutsche Naturforscher Ulrich Jasper Seetzen (1767 – 1811) auf seiner Orientreise (1802 – 1811) auch zahlreiche ägyptische Altertümer, wofür Erbprinz August jährlich zunächst 800, später sogar 2000 Reichstaler aussetzte. Seetzens Reiseroute führte über Konstantinopel, Syrien, Palästina, Phönizien, die Transjordan-Länder, Arabien nach Unterägypten. Von 1807 – 1809 hielt er sich in Kairo und Umgebung auf, von wo aus er im Frühjahr 1809 über Triest 16 Kisten mit Altertümern nach Gotha sandte. In ihnen befanden sich 1574 Manuskripte, 3536 Antiquitäten, Schmuck, Hausgeräte, Tiere, Pflanzen, Mineralien, 4 vollständige Mumien, 40 Mumienköpfe, Medaillen, einbalsamierte Ibisse und Ichneumone (Manguste). Die von Seetzen gesammelten Altertümer und Kunstsachen gliederte man in die herzoglichen Sammlungen ein und vereinte sie 1831 zum Ägyptischen Kabinett. Noch heute befinden sich zahlreiche Seetzen-Erwerbungen in unserer Ägyptischen Sammlung.

 

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts konnten einige Erwerbungen für die Ägyptensammlung getätigt werden. Vermehrt wurde sie vor allem durch Geschenke Herzog Ernsts II. (1818-1893) von Sachsen-Coburg und Gotha und seines Bruders Albert sowie durch Zukäufe. Ende des 19. Jahrhunderts bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts nutzte man intensiv Auktionen und den Kunsthandel für Erwerbungen. Besonders im Kleinkunstbereich verfolgten die Wissenschaftler einen systematischen Ausbau der Aegyptiaca; so wurden z.B. die Bronzestatuetten zielgerichtet komplettiert. Die letzte Erwerbung für die Sammlung stellt der 1943 angekaufte Katzensarg mit Mumienrest dar.

 

 

Qualitätsvolle Einzelwerke der Plastik und Skulptur sind:

 

● hockender Beamter (Mittleres Reich, um 1880 v. Chr.)

● Oberteil einer Statue König Sesostris’ III. (Mittleres Reich, um 1860 v. Chr.)

● Fragment einer hieroglyphischen Inschrift (Spätzeit, 664–525 v. Chr.)

● Relief mit Opfergabenträgern (Altes Reich, um 2500 v. Chr.)

● Statuenoberteil einer ptolemäischen Königin (240–200 v. Chr.), das sich bereits im 18. Jahrhundert im historischen Münzkabinett als »schöne Isis von Basalt« befand.

● Unter den Särgen sind zwei Kartonagesärge von Sängerinnen des Amun aus Theben (10./9. Jh. v. Chr.) besonders erwähnenswert, die durch umfangreiche Restaurierungen in den Jahren 2003 und 2006 wieder in beeindruckender Farbigkeit und Klarheit des Inkarnats erscheinen.

 

 

Gegenwärtig zählen zum Bestand der Ägyptensammlung:

 

● 10 Plastiken/Reliefs (Altes Reich – Ptolemäische Zeit)

● 1000 Kleinplastiken (Uschebtis, Bronzestatuetten, Statuetten aus Holz und Stein, Amulette)

● 20 Kartonagemumien, Mumiensärge aus Holz, bandagierte Mumien (Menschen und Tiere)

● 30 Teile von menschlichen Mumien und Tiermumien

● 15 verschiedene Objekte aus dem Mumienkult (Mumienbeläge, abnehmbare Gesichtsteile von Särgen, Mumienmasken)

● 25 Gefäße aus Stein, Ton, Fayence

 

 

Die Restaurierung des Sarkophages

 

Es handelt sich bei der Mumie um eine Frau, worauf u. a. die Gestaltung des Kopfes mit Geierhaube hinweist. Das Dekorationsprogramm des Innensarges mit der Darstellung unterschiedlicher Toten- und Schutzgottheiten entspricht dem gängigen Programm der zeitgleichen Särge.

 

Der Sarg stammt, wie neueste Untersuchungen ergaben, aus Mittelägypten, aus dem Gebiet nördlich von Theben. Typisch für diese Särge sind z. B. das relativ unausgewogene Verhältnis von kleinem Kopf und massiger Perücke sowie die geballten Hände, verziert mit Schachbrettmuster. Die spärliche Gestaltung des Sargdeckels, bei dem nur die Kopfpartie, der Kragen und die Hände dekoriert sind, ist ebenfalls charakteristisch für die örtliche Einordnung des Sarges.

 

Zeitlich stammt der Sarg aus der ersten Hälfte der 22. Dynastie (ca. 945 bis 800 v. Chr.), wie bestimmte Motive der Dekoration erkennen lassen.

 

Insgesamt ist es schwierig, die Särge aus dem nördlichen Niltal korrekter zu datieren. Denn durch die verschiedenen regionalen Entwicklungen im Handwerk ergab sich  auch eine unterschiedliche stilistische Entwicklung der Särge aus dem Norden und der Thebanischen Särge. Im Vergleich zu den Thebanischen Särgen sind die Särge aus dem Norden noch relativ unerforscht.

 

Die Mumie gelangte 1848 als Geschenk von Albert an seinen Bruder, Ernst II., nach Gotha. Eine Besonderheit des Sarges besteht darin, dass auch der innere Sarg komplett aus Holz gefertigt wurde, nicht, wie sonst üblich aus Kartonage. Dies ist an keinen weiteren Särgen aus dieser Zeit nachgewiesen.

 

 

Die Restauratorin Tatjana Lamfried

 

Hochschulausbildung September 2000 – Januar 2005

Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, Restaurierung gefasster Holzobjekte und Gemälde

Abschluss: Diplom–Restauratorin

Spezialisierung während des Studiums auf ägyptische Objekte, Diplomthema: Eine ägyptische Mumienmaske aus der Sammlung Gütte im Martin von Wagner Museum der Universität in Würzburg.

 

Berufspraxis seit Februar 2005

als freiberufliche Restauratorin für verschiedene Museen tätig, u.a. Märkisches Museum Berlin, Staatliche Museen zu Berlin (Ägyptische Sammlung), Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Kunsthistorisches Museum Regensburg, Cuvilliés Theater München.

 

Publikationen:

● Ägyptische Mumienmasken – Eine restauratorische Betrachtung zur Herstellungstechnik, in: Kunstwerk–Werkstoff, Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung, Würzburg 2005

 

● Eine ägyptische Mumienmaske aus der Sammlung Gütte in Würzburg, Untersuchung-Technologie-Konservierung, Juli 2009

 

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