| Die Fassung bewahren - Rahmenschau für Kunst-Stiefkinder |
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| Mittwoch, 27. Januar 2010 um 20:59 Uhr | ||
Von Britta Gürke, dpa
München (dpa/lby) - Wie Leonardo Da Vincis Mona Lisa aussieht, das weiß fast jedes Kind. Aber wie die schmucke Dame die Fassung wahrt und was sie an der Wand hält, damit sie Jahr für Jahr Millionen anhimmeln können - da müssen selbst Kunstexperten plötzlich tief in ihrem Gedächtnis kramen. Bilderrahmen sind die Stiefkinder der Museumswände: Selten beachtet, kaum erinnert und über Jahrhunderte der Zerstückelung und Umgestaltung preisgegeben. Dabei haben sie mindestens genauso viele Geschichten zu erzählen wie ihr Inhalt. Eine Schau in der Alten Pinakothek in München will jetzt den Blick auf die Rahmen lenken und damit auch ein Umdenken in der Forschung fördern. Die Schau ist seit Dienstag zu sehen und dauert bis zum 18. April.
«Rahmen sind eigentlich Verschleißmaterial», sagt Kuratorin Helge Siefert, die für die Ausstellung rund 4000 Rahmen in den Gemäldedepots der Alten Pinakothek angesehen, erforscht und schließlich 91 ausgesucht hat. «Eigentlich dachte man früher, man kann mit Rahmen machen, was man will. Auch heute gibt es noch ältere Kollegen, die die Bedeutung des Rahmens nicht ernst nehmen.» So wurden Jahrhundertealte, mit echtem Gold besetzte und filigran gearbeitet Rahmen zerschnitten und umgeformt, überpinselt oder sogar ganz weggeworfen. Oft sei gar nicht mehr nachvollziehbar, in welchem Rahmen ein Gemälde einst präsentiert wurde und wie es dadurch ursprünglich wirkte.
Siefert hat für die Schau und den Katalog «Rahmenkunst - Spurensuche in der Alten Pinakothek» komplizierte Recherchen angestellt. Zwar sei das Thema Bilderrahmen mittlerweile in der Forschung angekommen und sogar recht beliebt. «Sie werden aber wenige Galerien und Museen in Erinnerung rufen können, die den Rahmen eine Ausstellung gewidmet haben», sagt Klaus Schrenk, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. «In keiner anderen Galerie der Welt ist das in dieser Form möglich, weil wir eben diese riesigen Bestände haben», erläutert Siefert das Problem.
Aus den tausenden Bilderrahmen in den Lagern in München hat Siefert thematisch ausgewählt. Im ersten Teil der Ausstellung gibt es besonders prächtige Rahmen aus mehreren Jahrhunderten zu sehen. Goldranken, Blätter, Musikinstrumente und Kronen schmücken die Prachtstücke. Die Bilder erscheinen fast schon nebensächlich. Sogenannten Kabinettrahmen widmet sich ein zweiter Teil. Diese sind zum Teil mit wertvollen Intarsien, Halbedelsteinen, Muscheln oder Leder besetzt und kleine Kunstwerke in sich. Bei den Rahmen aus verschiedenen Galerien aus Bayern gibt es dann auch schlichtere Stücke zu sehen, die das Bild in den Mittelpunkt heben.
Immer wieder stellt sich die Frage: Inwieweit unterstützt der Rahmen die Wirkung eines Gemäldes? Vor allem in der holländischen Malerei habe beispielsweise lange calvinistische Schlichtheit und Zurückhaltung vorgeherrscht, beschreibt Schrenk. «Bei Ludwig dem XIV. allerdings sollten die Prachtrahmen den Prunk des Königshauses sichtbar werden lassen.» Heute werde je nach Galerie wieder versucht, die Bilder so zu zeigen, wie sie in ihrer Zeit aussahen. «Man versucht, wieder eine authentische Präsentation zu erreichen.»
Ein eigener Raum ist in München dem Bau von Rahmen und ihrer Vergoldung gewidmet, deren Technik sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat. Doch obwohl es eine Rahmenschau ist, sind in der Ausstellung auch viele Gemälde zu sehen. Trotz aller Fortschritte ist die Bedeutung von Bilderrahmen bei den Leuten noch nicht genug angekommen, meint Siefert. «Ich habe im Vorfeld gemerkt, dass die Leute sagen: Was? Nur Rahmen? Da haben wir teilweise doch noch die Gemälde dazugenommen.» |
























































