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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Beruf war ihr Leben - Grünes Gewölbe verliert Chefrestauratorin PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 28. Januar 2010 um 08:18 Uhr

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Von Simona Block, dpa

 

Dresden (dpa) - Klassizistische Ministerialbauten am anderen Elbufer, die Augustusbrücke und das wiedererstandene Barockensemble um die Frauenkirche: Der Ausblick von Christine Engemann-Wendt war immer von Kunstgeschichte geprägt. Fast 40 Jahre beschäftigte sich die Chefrestauratorin des Grünen Gewölbes mit der Juwelier- und Goldschmiedekunst des 18. Jahrhunderts, Bergkristallen und Elfenbein sowie Schmuck und Kunstkammerstücken sächsischer Kurfürsten und Könige. «Mein Beruf war mein Leben», sagt Christine Engemann-Wendt, die an diesem Sonntag 65 wird und in den Ruhestand geht. Für die rund 4000 Pretiosen und Stücke der einzigartigen Schatzkammersammlung bleibt vorerst nur ein Restaurator.    

 

Dabei wuchs die Tochter der «Bauhäusler» Alma Else und Friedrich Engemann mit modernem und sachlichem Design auf. Ihr Vater war Architekt und einige Zeit die rechte Hand von Mies van der Rohe, ihre Mutter eine Schülerin von Wassily Kandinsky. Kindheit und Jugend in Dessau waren vom Bauhaus geprägt. Ein Praktikum während des Studiums der Metall- und Schmuckgestaltung in Burg Giebichenstein Halle/Saale führte sie jedoch ins Dresdner Grüne Gewölbe, dessen Schätze damals noch im Depot lagen.    

 

«Der Hofstaat des Großmogul war für mich befremdlich ob seiner barocken Pracht», erinnert sich Engemann-Wendt. Erst beim zweiten Mal habe sie «Feuer gefangen». Fortan war die barocken Juwelierplastiken ihre Berufung. Nach dem Diplom fing sie 1971 als Restauratorin im Schatzkammermuseum an und entwickelte sie sich zur Spezialistin für die Pretiosen des 16. bis 18. Jahrhunderts. Sie bereitete einige der 1945 in die Sowjetunion verschleppten und 1958 zurückgekehrten Stücke für die Einrichtung des Grünen Gewölbes im Albertinum vor - einem fast 30-jährigem Interim. Die Restaurierung der restlichen 2500 Exponate der Sammlung lief unter ihrer Regie - für das Neue und das Historische Grüne Gewölbe im Residenzschloss.    

 

«Ich hatte jedes Stück in der Hand», sagt Engemann-Wendt, deren Herz an einer kleinen Eule aus Bergkristall hängt. Bei ihrer Arbeit war sie zuweilen auch besonders gefordert. So scheiterte sie fast am Hedwig-Becher, einem Bergkristallkopf mit Fassung, der im 19. Jahrhundert zerbrochen und mit braunem Schelllack gekittet worden war. Als sie mit dem Lösungsmittel nicht an die hässlichen Stellen kam, legte sie den Kopf in ein mit Spiritus gefülltes Aquarium - der Kopf fiel auseinander und konnte mit farblosem Paraloid, einem Kunstharz, wieder zusammengesetzt werden.    

 

«Wenn man vor einem Rätsel steht, muss man mal mutig sein, aber die Gefahren abschätzen.» Ihre wissenschaftliche Untersuchung des Servatius-Reliquienkästchens aus dem Quedlinburger Domschatz - eine Auftragsarbeit - sei wie die Erforschung der Emaille-Schäden eine Herausforderung gewesen. «Das zeigt, dass Restaurierung mehr ist als Handwerk.» Bei der Einrichtung im Albertinum seien Spanplatten verwandt worden, die Formaldehyd und Essigsäure emittierten. «In staubdichten Vitrinen entstand ein schädliches Mikroklima.»    

 

Die Ergebnisse des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanzierten Projekts waren wegweisend für die Neueinrichtung des Museums im Schloss. «Dort haben die Vitrinen Umluftsysteme und Schadstofffilter.» Die abgefallenen Splitter an den Emaillefiguren und -stücken seien nicht wieder ergänzt worden - ganz nach einem ungeschriebenen Gesetz. «Es gehört zur Geschichte des Stückes dazu und es gilt, den Zustand zu erhalten». Zudem werde auf präventive Konservierung gesetzt. «Das heißt, dass man Kunstwerken eine Umgebung gibt, die absolut schadstofffrei und frei von Schädigung ist.»    

 

Ein falsches Urteil oder falscher Eingriff an einem Stück könnten verheerende Folgen haben. «Entweder ist es für immer beschädigt oder verloren», sagt Engemann-Wendt, die seit 1991 Chefrestauratorin ist. «Jedes Stück ist einmalig und unwiederbringlich, in seiner ganzen Geschichte.» Daher gelten in dem Museum auch hohe Maßstäbe für die Restaurierung, um die sie sich nun sorgt. Das wegweisende wissenschaftliche Niveau zu erhalten, «ist nicht nur Aufgabe, sondern Verpflichtung.» Dafür brauche es einen Chefrestaurator, der das Ganze im Blick habe und nicht das Detail. «Ich gehe mit Wehmut», sagt sie. Statt Rosen zu züchten würde sie gern weiter an den Juwelengarnituren arbeiten. «Ausgestattet dafür bin ich zu Hause.»



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