| Landesmuseum zeigt die «Geburt der Romantik» in Pommern |
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| Donnerstag, 28. Januar 2010 um 19:58 Uhr | ||
Von Martina Rathke, dpa
Greifswald (dpa/mv) - Am 4. Oktober 1808 setzt sich Caspar David Friedrich (1774-1840) an seinen Dresdner Schreibtisch und formuliert einen sorgenvollen Brief an seinen Malerkollegen Philipp Otto Runge (1777-1810): «Es thut mir leid um unsern Klinkowström, dass er jetzt auf Irrwegen ist, und da die Kunst zu finden glaubt, wo höchstens nur die Künsteley zu Hause seyn kann. Die Kunst mag ein Spiel seyn, aber sie ist ein ernstes Spiel; wer sie da zu finden glaubt, wo K. sie zu finden gedenkt, der hält sie für Puppenspiel!» Im Mittelpunkt des Schreibens steht der gemeinsame Freund Friedrich August von Klinkowström (1778-1835). Friedrich ist entsetzt über dessen Pläne, nach Paris gehen zu wollen und erhofft sich Beistand von Runge, den Klinkowström in einem anderen Brief aus dem Jahr 1805 liebevoll seinen «Herzens Otto» nennt.
Caspar David Friedrich mit seinen symbolschwangeren Landschaftsbildern und Philipp Otto Runge, bekannt durch seine Idyllen pausbäckiger Kinder, gehören zweifellos zu den Protagonisten der deutschen Romantik. Weniger bekannt ist, dass beide wie auch ihr Malerfreund Klinkowström aus Pommern stammen. Erstmals soll dieser Aspekt in einer Ausstellung beleuchtet werden. Selbstbewusst nennt das Pommersche Landesmuseum in Greifswald die Schau auch «Die Geburt der Romantik» und provoziert mit diesem Ausstellungstitel zwangsläufig die Frage, ob und inwieweit ähnliche Kinder- und Jugenderfahrungen die Künstler in ihren ästhetischen und künstlerischen Auffassungen prägten.
Anlass der Schau ist der 200. Todestag Runges, der 1777 in Wolgast zur Welt kam. Eröffnet wird die mit vielen Leihgaben gespickte Ausstellung im August dieses Jahres. «Uns war klar, dass wir den Geburtstag Runges nicht spurlos an uns vorbeigehen lassen können», sagt die Kuratorin und Gemäldegalerie-Chefin im Landesmuseum, Birte Frenssen. Es wird die größte Ausstellung des Museums sein, beide Etagen der Galerie werden für drei Monate freigeräumt für die Friedrichs, Runges und Klinkowströms.
Parallelen gibt es viele: Der in Greifswald geborene Friedrich und der um vier Jahre jüngere Adlige Klinkowström lernen das Zeichnen beim Greifswalder Universitätszeichenlehrer Johann Gottfried Quistorp. Runges erster Lehrer ist der Theologe und Verfasser empfindsamer Werke, Ludwig Gotthard Kosegarten. Dieser wiederum ist seit der Jugend in enger Freundschaft mit Quistorp verbunden. Friedrich und der drei Jahre jüngere Runge besuchen nacheinander die Kopenhagener Kunstakademie - studieren dort beim gleichen Lehrer Nicolai Abilgaard.
Persönlich kennengelernt haben sich die Maler allerdings erst später - als sie Pommern bereits den Rücken gekehrt hatten. Friedrich, der in Dresden lebt, reist 1801 zu seinen Verwandten in seine Geburtsstadt Greifswald. Dort besucht ihn erstmals der Malerkollege Runge. Später, 1802 in Dresden, wird Friedrich väterlicher Mentor Klinkowströms, beherbergt ihn zuweilen in seiner Wohnung. Trotz der gleichen ästhetischen Grundhaltung entwickeln alle drei jedoch ganz eigene künstlerische Handschriften. Anders als Friedrich und Runge wendet sich Klinkowström schwerpunktmäßig biblischen Motiven zu.
Kunsthistorikern Frenssen ist überzeugt, dass die wild-natürliche Landschaft Pommerns und die in diesem Landstrich gepflegte «einfache religiöse Frömmigkeit» die Empfindsamkeit der Drei «für die Wunder der Natur» geschult hat. Hinzu komme, dass weder Friedrich, noch Runge und Klinkowström in der pommerschen Provinz durch künstlerische Vorprägungen «verbildet» worden seien. «Sie wuchsen weder in Malerdynastien auf, noch hatten sie Zugriff auf Arbeiten vermeintlicher Vorbilder», erklärt sie. Dies habe ihnen einen unverbildeten Blick eröffnet - frei von akademischen Dogmen. Die Beziehung Friedrich-Runge, davon ist die Friedrich-Expertin überzeugt, sei bisher unterschätzt worden. Klinkowström, dessen künstlerischer Nachlass mit der Ausstellung erstmals in Deutschland gezeigt werde, sei ein wichtiges Bindeglied der Beziehung gewesen.
In der Ausstellung fokussiert das Museum immer wieder biografische Parallelen. So waren alle drei - wenn auch unabhängig voneinander - an Entwürfen für einen Altar der Greifswalder Marienkirche beteiligt. Zudem zeigt die Exposition, wie sich Runge und Friedrich an dem romantischen Kernthema «Jahreszeiten» abarbeiten. Leihgaben, wie beispielsweise aus der Hamburger Kunsthalle, dem Belvedere in Wien oder aus Berlin ergänzen das eigene Konvolut von Friedrich- und Runge-Gemälden sowie Grafiken.
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