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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Grassi Museum Spezial: Ägypten, Westasien und Indien PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 28. Januar 2010 um 20:12 Uhr

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Mit den in dieser Abteilung gezeigten Objekten kann nur ein Teil des vorhandenen Museumsbestandes aus einer Region vor­gestellt werden, die von Ägypten über West- und Mittelasien bis nach Afghanistan und Indien reicht. Die Entstehungszeit der Exponate umfasst mehrere tausend Jahre. Das vielfältige Erscheinungsbild der Ausstellung ist diesem großen räumlichen und zeitlichen Umfang geschuldet. Am Anfang stehen Objekte, die im 2. vorchristlichen Jahrtausend entstanden sind. Den Ab­schluss bilden kunsthandwerkliche Arbeiten aus dem späten 19. Jahrhundert. Die geografischen Unterschiede wie auch der Wechsel der politischen, ökonomischen und religiösen Gegebenheiten über die Zeiten hinweg haben die konkreten Erscheinungsformen der Ausstellungsobjekte geprägt, die dem Besucher einen kleinen Einblick in die große Vielfalt außereuropäischer Kultur und Kunst vermitteln.

 

 

Nischenfliese

 

 

 

Iran, signiert: al-Nusrat al-Din Muhammad, 1455 (860 H.), timuridisch  Quarzfritte-Keramik, reliefiert, Unterglasur- und Lüstermalerei  Höhe 44,5 cm, Breite 31,5 cm, Tiefe 3,8 cm  Wohl Schenkung aus der Sammlung Ph. Walter Schulz, Berlin, 1900 (?).

Die Fliese in Form einer Mihrab-Nische mit Moscheeampel und umlaufendem Schriftfries nennt den timuridischen Sultan Muzaffar Abu Sa’id Bahadur Chan als Auftraggeber. Sie ist signiert und in das Jahr 1455 datiert. Es haben sich mehrere ganz ähnlich gestaltete Fliesen in dieser eigenwilligen Farbigkeit und mit dem Namen dieses Sultans erhalten. Sie dienten zur Ausgestaltung von Innenräumen. Für welches Gebäude die Fliesen hergestellt wurden, ist unbekannt.

 

Die Region gehört zu den ältesten Kultur­landschaften der Erde. Frühe Siedlungsstruk­turen sind bereits für das 10. Jahrtausend v. Chr. nachweisbar. Großstädte mit mehreren zehntausend Einwohnern waren im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. keine Seltenheit, und auch die Entwicklung der Schrift gegen Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. fand in dieser Region statt. Das pharaonische Ägypten ebenso wie die Großreiche der Assyrer, Babylonier und Hethiter sowie der Achämeniden und der Sasaniden stehen vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis zum Aufkommen des Islam für große kulturelle und künstlerische Errungenschaften, auf denen spätere Generationen aufbauen konnten. Mit dem Eroberungszug Alexanders des Großen (333–324 v. Chr.) gelangten erstmals auch kulturelle Einflüsse des europäischen Festlandes in das Gebiet, wo sie noch lange nachwirken sollten.

 

Teller
Iznik, West-Türkei, 2. Hälfte 16. Jahrhundert, osmanisch
Quarzfritte-Keramik, Unterglasurmalerei
Durchmesser 27,3 cm, Höhe 5,5 cm
Ankauf von Kirkor Minassian, Paris, 1908.

Der Teller aus Quarz-Fritte-Keramik ist in farbiger Unterglasurmalerei gestaltet. Er entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Iznik, das seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert Zentrum der osmanischen Keramikproduktion war. Hier wurden Fliesen und Gefäßkeramiken hergestellt. Die osmanischen Herrscher unterhielten in ihrer Hauptstadt Istanbul ein Hofatelier, in dem die besten Künstler des Landes arbeiteten. Die hier entworfenen Muster und Gestaltungsweisen waren stilprägend für das ganze Reich und einmal entwickelte Formen fanden in alle Bereiche der Dekorkunst Eingang. Die frühen Iznik-Keramiken orientierten sich anfangs sowohl im Dekor als auch in ihrer blau-weißen Farbgebung noch stark an chinesischen Vorbildern. Im Verlaufe des 16. Jahrhunderts erweiterte sich die Farbpalette jedoch schnell. Den Dekor dominierte jetzt der im Hofatelier entwickelte Blumenstil, auch quatre fleurs Stil genannt, weil vor allem Rose, Tulpe, Hyazinthe und Nelke Aufnahme fanden. Rose, Tulpe und Nelke zieren auch unsere Keramik. Sie ranken sich um ein zypressenartiges Motiv, das oft auf Tellern aus Iznik zu finden ist.

 

 

Eine wichtige Zäsur in Geschichte und Kultur der Region ist die Entstehung des Islam. Die meisten der gezeigten Ausstellungsstücke wurden in islamischer Zeit hergestellt. Muhammad, der Gründer der islamischen Religion, lebte von ca. 570 bis 632. Er wurde in Mekka geboren und war als Kaufmann tätig, bis ihm im Jahr 610 erste Offenbarungen zuteil wurden. Er konnte schnell eine stetig wachsende Anhängerschaft um sich scharen und zog sich dadurch die Feindschaft der Oberschicht von Mekka zu. Dies hatte zur Folge, dass er im Jahr 622 mit seinen Getreuen aus der Stadt fliehen musste. In Medina erhielt er Asyl. Mit dem Jahr seiner Flucht beginnt die isla­mische Zeitrechnung, die nach ­Mondjahren zählt. Alle Jahresangaben, die sich auf diese Zeitrechnung beziehen, sind im ­Katalog mit einem H. (= Hidschra, Auszug Muham­mads aus Mekka) hinter der Jahreszahl gekennzeichnet.

 

Schminkflacon
Iran, 18./19. Jahrhundert
Kupferlegierung, graviert, ziegelroter Grund
Höhe 6, 7 cm, Breite 2,9 cm, Tiefe 1,2 cm
Schenkung von Ph. Walter Schulz, Berlin, 1907. 1898 in Kaschan erworben.

Der Schminkflacon (sormedãn) aus Metall hat die tropfenförmige Gestalt eines Bute-Motivs, das wir seit dem 18. Jahrhundert oft auf persischen und indischen Seidengeweben, vor allem aber auf wollenen Kaschmirshawls als Musterelement finden. Von dort kam es im 19. Jahrhundert nach Europa. Unter der Bezeichnung Paisley-Motiv ist es hier bis heute ein beliebtes Textil-Dessin. Der eingeschraubte Verschluss des Flacons besteht aus einem schmalen Stab, der in den Behälter mit der schwarzen Augenschminke hineinreicht und nach oben in einer Blattform endet. Mit diesem Stab werden entsprechende, die Augen vergrößernde Linien gezogen. Im gesamten islamischen Raum ist es üblich, dass sich Frauen ihre Augen tuschen, um sie ausdrucksvoller und größer, wie dunkle Seen, erscheinen zu lassen. Die Augenbrauen erhielten durch Zupfen oder künstliches Nachziehen die gewünschten Halbmondformen und sollten sich über der Nasenwurzel treffen. Auch hierbei konnte die Natur mit schwarzer Augenfarbe unterstützt werden. Die äußere Wandung des Schminkflacons ist mit dichten Blütenranken bedeckt, wie sie im späten 18. und dem 19. Jahrhundert verbreitet waren. Behältnisse für Augenschminke aus Metall, Glas und Stein sind bereits aus frühislamischer Zeit bekannt.

 

 

Nach islamischer Auffassung hat Gott (Allah) Muhammad auserwählt, um ihm als letzten in der Reihe der Propheten nach Jesus die abschließende Offenbarung zu verkünden. Die anfangs nur mündlich weitergegebenen Aussagen wurden noch im Verlaufe des 7. Jahrhunderts tradiert und sind im Koran, dem heiligen Buch der Mus­lime, gesammelt und niedergeschrieben. Die einzelnen Abschnitte des Korans werden Suren genannt und bestehen aus un­terschiedlich vielen Versen. Der Koran ist sowohl religiöse Quelle als auch Richtschnur für gottgefälliges Handeln und somit Grundlage für das Zusammenleben der Gläubigen. Muhammad verstand sich wie alle seine Nachfolger zugleich als religiöser und weltlicher Führer der Gemeinde. Er war von Anfang an darum bemüht, den Islam auf der gesamten Arabischen Halbinsel zu verbreiten. Zum Zeitpunkt seines Todes war dieses Ziel erreicht. Schnell gelang es unter Muhammads Nachfolgern, die Sasaniden (224–651) zu stürzen und bis nach Afghanistan im Osten vorzudringen sowie die Byzantiner nach Kleinasien zurückzudrängen, so dass die erste islami­sche Dynastie, die Omayyaden (661–750), von ihrer neuen Hauptstadt Damaskus aus ein Reich beherrschte, das sich von Spanien bis nach Afghanistan erstreckte. Unter der nachfolgenden Dynastie der Abbasiden (750–1258) kam es zur ersten großen Reichsteilung, indem sich die westislami­sche Region mit Spanien als Zentrum abspaltete. Aber auch im abbasidischen Machtbereich nahmen die Partikularisie­rungs­bestrebungen der regionalen ­Gouverneure zu. Ägypten mit den angrenzenden Gebieten bildete unter Fatimiden (909–1171), Ayyubiden (1171–1250) und Mamlu­ken (1250–1517) eine eigenständige politische Einheit, und auch in den anderen Re­­gionen gelang es lokalen Kräften, wie den Sama­niden (819–1005) und den Bu­yiden (932–1055) in Iran und Mittelasien, oder von außen einfallenden Stämmen, wie den türkischen Seldschuken (1032–1194), immer wieder, die Macht zu ergreifen, sich zu verselbständigen und nur noch ­nominell die Führung der abbasidischen Kalifen in Bagdad anzuerkennen. Ein gewaltiger militärischer, aber auch kultureller Einschnitt war die mongolische Eroberung weiter Teile der Region, die in der Einnahme der abbasidischen Hauptstadt Bagdad (1258) und dem Untergang der Abbasiden gipfelte und deren Vordringen erst durch das mamlukische Heer bei Ain Dschalut (1260) gestoppt werden konnte. Die jetzt in Irak und Iran herrschende mongolische Dynastie der Ilchaniden (1256–1335) verlegte ihr Machtzentrum in den Iran. In dem nachfolgend von Timur errichteten Reich (1370–1507) war zunächst Samarkand, spä­­ter dann Herat Hauptstadt. In Kleinasien wiederum begann Ende des 13. Jahr­hunderts der Aufstieg der türkischen Osmanen (1281–1924), einer neuen Macht, die bald auch weite Regionen des Irak so­wie ganz Ägypten, Nordafrika und die Arabische Halbinsel beherrschte und späterhin zweimal bis vor Wien vordringen konnte. Die Macht ihrer regionalen Kontrahenten, der Safawiden (1501–1722), war dage­gen auf Iran sowie Teile Afghanistans und Iraks beschränkt. In Indien gelang es den Mogulherrschern (1526–1858), Fuß zu fassen.

 

 

Schnabelkanne mit Pferdekopfaufsatz
West-Iran, 10.–8. Jahrhundert v. Chr.
Ton, gebrannt, unglasiert
Höhe 18,7 cm, Breite 31 cm, Tiefe 19,7 cm
Schenkung aus der Sammlung Giorgio Silzer, Hannover, 2002.

Das nach seiner Ausgussgestaltung Schnabelkanne genannte Gefäß mit Pferdekopfaufsatz stammt wahrscheinlich aus West-Iran und weist die für dort gefundene Keramik der Eisenzeit (ab ca. 1200 v. Chr.) typische Färbung auf. Vergleichbare Gefäße mit dem charakteristischen langgezogenen Ausguss sind auf dem iranischen Hochland seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. belegt und haben auf Grund ihres Variantenreichtums, bezogen auf den Dekor sowie ihre Rand- und Ausgussformen, besondere Bedeutung für die Datierung von Fundplätzen. Wozu diese Gefäße ursprünglich gedient haben, ist noch unklar. Man findet sie jedoch häufig in Gräbern, wo sie oftmals mit Trinkschalen vergesellschaftet sind. Sie könnten als Libationsgefäße (für Trankopfer) benutzt worden sein. Kannen, die ähnlich plastisch zoomorph wie das vorliegende Gefäß verziert sind, stammen aus der im West-Iran gelegenen Nekropole B von Tepe Sialk. Dort haben die Ausgräber teilweise fünf solcher Gefäße in einem Grab vorgefunden.

 

Im 18. Jahrhundert wurden die letzt­ge­nann­ten Regionen allerdings von politischen Kämpfen erschüttert, bis schließ­­lich die Qadscharen (1796–1924) in Iran die Macht eroberten, während Indien in zahlreiche Fürstentümer zerfiel und im 19. Jahrhundert unter britische Kolonialherrschaft geriet. Aus dieser komplizierten historischen Entwicklung heraus erwuchs einerseits eine große Vielfalt in Kunst und Kultur, andererseits schuf der Islam als Grundlage der Gesellschaft die Basis für fundamentale Gemeinsamkeiten, die es uns trotz aller Unterschiede ermöglichen, allgemein von einer islamischen Kunst zu sprechen.

 

Teller mit floralem Dekor
Iran, um 1600
Quarzfritte-Keramik, Unterglasurmalerei, transparente türkise Glasur
Durchmesser 27,2 cm, Höhe 5,6 cm
Ankauf von Kirkor Minassian, Paris, 1906.

Keramiken mit schwarzer nichtfigürlicher Malerei unter transparenter türkiser Glasur und starkem Krakelee sind zahlreich erhalten geblieben. Sie entstanden im Iran vom ausgehenden 16. bis ins 17. Jahrhundert. In Kubatschi, einem Ort in Dagestan, wurden größere Mengen von Gefäßen, die vier verschiedenen safawidischen Keramik-Gruppen angehören, gefunden. Sie sind dort wohl gesammelt, aber nicht hergestellt worden. Trotzdem hat man sie in der Vergangenheit unter dem Begriff „Kubatschi-Ware“ zusammengefasst. Dazu gehören auch Arbeiten wie der vorliegende Teller.

 

 

 

Mit der Machtübernahme der Omayyaden (661) war für die neuen Beherrscher eines Weltreiches auch die Notwendigkeit verbunden, diese Macht und den Sieg ihrer Religion für alle sichtbar zum Ausdruck zu bringen. Es entstanden beeindruckende Bau­werke, wie der Felsendom in Jerusalem (691/92) oder die sogenannte Omayyaden-Moschee in Damaskus (706–715) sowie zahlreiche Palastanlagen, die sich allerdings in Architektur und Dekor an byzantinischen und sasanidischen Vorbildern orientierten. Auf eigene Traditionen konnte man nicht zurückgreifen. Die Kalifen ließen Handwerker aus den eroberten Gebieten und sogar Mosaizisten aus Konstantinopel für sich arbeiten, so dass Freskomalereien mit fi­gür­­lichen Szenen, zum einen byzantinisch oder provinzial-römisch, zum anderen sasa­ni­disch geprägt, in ihren Palästen keine Seltenheit waren. Lediglich im sakralen Bereich bestand von Anfang an ein Verbot bild­licher Darstellungen, und bereits im Felsendom wird die arabische Schrift als Stilmittel eingesetzt. Darüber hinaus scheinen sich in dieser frühen Zeit jedoch kaum eigene Kunstideale herausgebildet zu haben. Erst mit der breiten gesellschaftlichen Verankerung des Islam als Religion und Lebensweise entwickelten sich auch ­eigene ästhetische Vorstellungen. Das oft zitierte islamische Bilderverbot hat es als absolutes Postulat jedoch nie gegeben, wie auch anhand der Ausstellungsstücke zu erkennen ist. Im Koran findet sich dafür kein direkter Hinweis. Erst in der im 9. Jahr­hundert tradierten Hadith-Literatur, den gesammelten Aussprüchen und überlieferten Verhaltensweisen Muhammads, gibt es Aussagen, die gegen die Darstellung von Lebewesen gerichtet sind. Diese Entwicklung erwuchs aus dem strikten Monotheismus und der absolut abstrakten Gottesvorstellung im Islam, Ansichten, die mit bildlichen Darstellungen im sakralen Bereich unvereinbar waren. Die in der Hadith-Literatur entwickelte Auffassung, dass nur Gott allein alles Leben schaffen kann und darf, der Mensch jedoch nicht versuchen sollte, es ihm gleichzutun, begründete noch zusätzlich negative Haltungen gegenüber der Abbildung von Lebewesen auch in der profanen Kunst. Die starke Orientierung der islamischen Religion auf das im Koran offenbarte Gotteswort findet ihren sichtbaren Ausdruck zum einen in kostbaren Koranabschriften und zum andern darin, dass kunstvoll gestaltete Koransuren, der Name Allah oder die Namen geheiligter Personen die Wände sakraler Bauwerke schmücken. Die Kunst des schönen Schreibens, die Kalligrafie, gelangte dadurch auch in der profanen Kunst der islamischen Welt zu höchstem Ansehen und zu ästhetischer Vollkommenheit. Ebenso konnten sich Orna­mentik und floraler Dekor zu eigenständigen Kunstformen entfalten. Diese Entwicklung führte jedoch nicht zu einer bilderlosen Gesellschaft, sondern beförderte lediglich eine Abkehr von der direkten Nachahmung natürlicher Vorbilder hin zu deren künstlerischen Umgestaltung. Damit einher gingen die Ablehnung individualisierter Menschendarstellungen zugunsten einer formelhaften Gestaltung des Figurendekors sowie der Verzicht auf Räumlichkeit und Körperlichkeit in der Kunst. Gleichzeitig entwickelte sich eine nahezu grenzenlose Vielfalt ornamentaler Formen. Ins Unendliche wachsende Arabesken-, Blüten- und Blattranken bedecken in gleicher Weise sowohl im sakralen als auch im profanen Bereich die Flächen. Ob auf Wänden, Büchern, Gegenständen des täglichen Bedarfs oder Textilien, die herausgebildeten Formen konnten überall zum Einsatz kommen. Mit wenigen Ausnahmen werden diese Prinzipien erst durch das Eindringen europäischer Kunstauffassungen aufgebrochen.

 

 

Rosenwassersprenger
Iran, 19. Jahrhundert
Höhe 28,5 cm, Durchmesser 12,4 cm
Quarzfritte-Keramik, Motive leicht reliefiert, Schmelzfarbenmalerei
Schenkung von Ph. Walter Schulz, Berlin, 1907.
1898 in Teheran erworben.

Der Rosenwassersprenger steht für eine Gruppe qadscharischer Keramiken, deren Dekor in Schmelzfarben gestaltet ist und die sich durch ihre ausgesprochen kräftige Farbgebung auszeichnen. Rosenzweige sind das Hauptmotiv dieser Ware. Direkte Vorbilder aus der Region gibt es nicht. Im 19. Jahrhundert wurde allerdings chinesisches Porzellan der sogenannten „famillerose“ nach Iran exportiert. Ihr Dekor könnte als Anregung für die Gestaltung eigener Rosenmuster gedient haben. Die Bedeutung der in den beiden Bildmedaillons dargestellten Tiere konnte noch nicht erschlossen werden.


 

 

Der Sammlungsbestand des Museums an islamischer Kunst ist vielfältig, umfasst jedoch nicht alle Bereiche. Die iranische Region und besonders das Kunsthandwerk des 19. Jahrhunderts sind am besten vertreten. Dies ist vor allem Ph. Walter Schulz (1864–1921), einem Kenner und Sammler islamischer Kunst sowie großzügigen Unter­stützer des Leipziger Grassimuseums, zu danken. Bereits im Jahre 1900 stellte er dem Museum einen Großteil seiner Sammlung für eine damals vielbeachtete Ausstellung zur Verfügung und übereignete noch im gleichen Jahr erstmals einige der gezeigten Exponate dem Haus. Im Jahr 1907 erhielt das Kunstgewerbemuseum nochmals ca. 800 Objekte aus seiner Sammlung als Geschenk. Auch die besten islamischen Miniaturen erwarb das Museum von diesem Sammler. Ebenso gehen zahlreiche Textilien auf ihn zurück. Nach ­seinem Tod wurde darüber hinaus seine Bibliothek dem Museum übergeben.

 

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