| Feiern bei Tizian oder Rodin - Museen vermieten Domizile Von Simona Block, dpa |
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| Dienstag, 06. Juli 2010 um 06:42 Uhr | ||
Dresden (dpa) - Champagner im Zwinger, Tafeln im Fürstensaal oder Tanzen im modernen Albertinum-Foyer: Nach Museumsschluss öffnen sich die Horte der Kunst in Dresden für zahlungskräftige Kunstliebhaber. «Ein Museumsbesuch außerhalb der Öffnungszeiten, Sommerfeste, Empfänge, Konzerte, Tagungen oder Galadinner - vieles ist möglich», sagt die Geschäftsführerin der MSU Museumsladen GmbH, Maria Krusche. Die Tochterfirma des gemeinnützigen Freundeskreises Museis Saxonicis Usui der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden koordiniert seit 2009 die Events. Seit wenigen Tagen sind die Gebäude und Räume in den zwölf Museen auch per Mausklick buchbar.
«Museumsbesuche außerhalb der Öffnungszeiten sind der Renner», sagt Krusche. Ob Gemäldegalerien, Porzellansammlung, Rüstkammer oder Kunsthalle, der Privatbesuch ist jeweils für 950 Euro zu haben. Das Interesse an den seit den 1990er Jahren von den Kunstsammlungen selbst gemanagten Angeboten wachse seit Jahren. Ob Firmenjubiläum oder Konzerntagung, Staatsbesuch oder Botschafter-Empfang, Geburtstagsfest oder Hochzeitsjubiläum - Zwinger, Schlösser und Albertinum sind als Kulisse beliebt, haben aber auch ihren Preis.
Für den ungestörten Rundgang mit maximal 20 Freunden durch die barocke Schatzkammer der sächsischen Kurfürsten und Könige, das Historische Grüne Gewölbe, werden 1200 Euro verlangt. Wer zum Dinner inmitten der Pretiosen laden möchte, muss 4500 Euro Miete zahlen. Am günstigsten kommen Stehempfänge: egal ob Zwinger, Schloss oder Albertinum. Mit 8000 Euro Miete am teuersten sind Empfang oder Dinner unter der spektakulären «Arche» im Foyer des erst vor zwei Wochen wiedereröffneten Albertinums an der Brühlschen Terrasse - dafür kann der Gastgeber bis zu 1000 Leute einladen.
Gastgeber im luxuriösen Ambiente zu sein liegt im Trend der Zeit, für die Museen ist es eine Möglichkeit, in Zeiten knapper Kassen zusätzliches Geld zu erlösen. Damit werden Ausstellungsprojekte finanziert, Restaurierungen gefördert und vor allem Ankäufe ermöglicht, sagt Kunstsammlungs-Generaldirektor Martin Roth. «Wir müssen aber auch viel an den Freistaat abführen.» Viele große und auch kleine Museen bundesweit nutzen ihre Domizile auch auf diese Art, sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Museumsbundes, Anja Schaluschke. Nicht nur moderne Kunstmuseen mit ihrer Architektur eigneten sich als Location.
Die meist mit Führungen verbundene Vermietung stelle auch eine Form von Öffentlichkeitsarbeit dar, um neue Besuchergruppen zu gewinnen. Laut Schaluschke wird die Vermietung über museumseigene Gesellschaften derzeit stärker professionalisiert. Auch bei den Staatlichen Museen zu Berlin kümmert sich eine Gesellschaft um die Koordination. Das Angebot reicht von Sonderführungen auf der Museumsinsel - «quasi einer privaten Nacht im Museum» - über gesetzte Essen in der Basilika des Bode-Museums oder in der Treppenhalle des Neuen Museums bis zum Sommerfest im Hamburger Bahnhof.
Das Auswärtige Amt bucht indes gern in Dresden. So sprachen im Herbst 2006 Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ungestört im rekonstruierten Grünen Gewölbe. Im Juni 2009 traf sich Merkel dann mit US-Präsident Barack Obama in den tresorartig gesicherten Räumen des Schatzkammermuseums. Im Kleinen Schlosshof loste die FIFA im April 2010 die Gruppen zur U-20-Frauen- Weltmeisterschaft aus und Königin Margrethe II. von Dänemark speiste schon in der Fürstengalerie. «Es wäre doch schade, wenn wir unsere gigantisch schönen Räume nicht nutzen würden», sagt Generaldirektor Roth.
Auf die Art und Weise könne man Menschen auch Kunst nahebringen, «selbst wenn sie mit Champagnerglas mit dem Rücken zum Bild stehen». Sehr oft werde ein Essen im Schloss vorbereitet, wenn er abends sein Büro verlasse. Selbst Kinder können ihren Geburtstag in einem Tonnen- Gewölbe des Schlosses feiern. Künftig will Roth Räume auch für Benefizveranstaltungen zur Verfügung stellen.
Aber es gibt auch Grenzen. «Bier und Currywurst im Museum - da bin ich dagegen.» Mietwagen-Unternehmerin Regine Sixt holte sich einst eine Abfuhr. «Sie fand, dass Sixt und Sixtinische Madonna zusammengehören und wollte dort feiern», erzählt Roth. Partys mit Alkohol und Rauch sind in Gegenwart der Kunstwerke tabu - vor allem bei Raffaels Werk in der Sempergalerie. «Wer dorthin will, müsste Unglaubliches bieten.»
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