| Kent Nagano will nicht in München bleiben |
|
|
|
| Mittwoch, 07. Juli 2010 um 06:58 Uhr | ||
München (dpa) - Der Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, Kent Nagano, will nicht mehr in München bleiben. Er stehe für eine Vertragsverlängerung über den Sommer 2013 hinaus nicht zur Verfügung, schrieb der Amerikaner in einem Brief, den seine Agentur am Dienstag veröffentlichte. «Angesichts der kulturpolitischen Entwicklungen der letzten Monate in München - am Staatstheater am Gärtnerplatz und bei den Münchner Philharmonikern - und deren Folgen habe ich mich entschlossen, für eine Vertragsverlängerung als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper nach dem Sommer 2013 nicht mehr zur Verfügung zu stehen», hieß es darin.
In der vergangenen Woche hatte es Spekulationen gegeben, Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) wolle Naganos Vertrag nicht verlängern. Der 58-jährige Dirigent erklärte nun, mit seiner Entscheidung wolle er «kulturpolitische Spekulationen und Spannungen» verhindern, «die letztlich allen Beteiligten Schaden zufügen und der noblen, einmaligen Tradition der Bayerischen Staatsoper, dem Ruf Münchens und seiner Gesellschaft nicht gerecht werden». Eine Personaldiskussion könne zu «hausinternen Spannungen und Verwerfungen» führen.
Die Staatsoper wollte sich nicht zu Naganos Entscheidung äußern. «Es gibt von unserer Seite dazu erstmal nichts zu sagen», sagte eine Sprecherin. Erst, wenn Vertragsverhandlungen aufgenommen würden, wolle sich das Haus an die Öffentlichkeit wenden. Heubisch hatte angekündigt, im Herbst eine Entscheidung über die zukünftige musikalische Leitung der Staatsoper fällen zu wollen. Die Verhandlungen müssen jetzt ohne Nagano stattfinden.
Die Personalie Nagano ist nicht die erste, die in jüngster Zeit für Aufregung in der Münchner Kulturszene sorgt. Der Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Ulrich Peters, äußerte harsche Kritik an Heubisch, nachdem der Minister ihm mitgeteilt hatte, sein Vertrag werde nicht verlängert.
Diese Entscheidung Heubischs führte damals auch zu einem handfesten Streit zwischen Kunstministerium und Staatskanzlei und den Koalitionspartnern FDP und CSU. Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) sah bei der Entscheidung die CSU übergangen. Dieses Mal wollte sich die Staatskanzlei auf Anfrage nicht zu der Personalfrage äußern. Es gelte das Ressortprinzip, das Kunstministerium sei zuständig. Vor Star-Dirigent Nagano entschied im vergangenen Sommer bereits der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, Christian Thielemann, nach Querelen um seine Vertragsverlängerung, seinen Hut zu nehmen. Thielemann wechselt nun 2012 an die Sächsische Staatskapelle nach Dresden. Mit Lorin Maazel fand die Stadt München einen prominenten Nachfolger.
|
























































