| Gustav Klimts Beethoven-Fries erstmals in Deutschland Von Marc Herwig, dpa |
|
|
|
| Donnerstag, 08. Juli 2010 um 07:30 Uhr | ||
Vor 100 Jahren war das Kunstwerk ein Skandal - und ein Türöffner für die Moderne: Der 34 Meter lange Beethoven-Fries des Malers Gustav Klimt, ein Schlüsselwerk des Wiener Jugendstils. Jetzt ist er erstmals in Deutschland zu sehen.
Balingen (dpa) - Im ersten Moment fühlt man sich ganz überwältigt von dem gigantischen Werk. In einem 34 Meter breiten und mehr als zwei Meter hohen Kunstwerk muss sich der Betrachter erstmal zurechtfinden. Und dann erstaunt es nicht mehr, dass die Menschen vor mehr als 100 Jahren mit einer Mischung aus Ratlosigkeit und Abscheu vor dem Beethoven-Fries des Wiener Malers Gustav Klimt (1862- 1918) standen. Seine fast frivolen Darstellungen nackter Frauen und der Einsatz von Gardinenringen oder Polsternägeln waren etwas völlig Neues. Damals war die Bilderfolge ein Skandal, heute gilt sie als das Schlüsselwerk des Wiener Jugendstils. Von diesem Samstag an wird die einzige originalgetreue Kopie der Arbeit in der Stadthalle in Balingen auf der Zollernalb erstmals in Deutschland komplett gezeigt.
Der monumentale Beethoven-Fries, ein Bilderzyklus zur 9. Symphonie des Komponisten Ludwig van Beethoven, erstreckt sich über drei Wände. «Er erzählt eine ganze Geschichte über die Sehnsucht nach Freiheit, Glück und Liebe», sagte Kuratorin Annette Vogel am Mittwoch. Auf rund 70 Quadratmetern stellt Klimt dar, wie die Menschheit durch die Kunst ihre Freiheit gewinnt - ein Angriff auf das Establishment jener Zeit.
Klimt hatte sich früh von der traditionellen Malerei abgewendet und seinen charakteristischen Stil mit Gold- und Silberfarben entwickelt. So wurde er zum Hauptvertreter des Wiener Jugendstils, einer neuen und modernen Form der Kunst. Seine nahezu pornografischen Aktzeichnungen waren in der damaligen Zeit ein Skandal. Heute bewundern Kunstkritiker, wie Klimt den Frauen huldigte.
Aber der Beethoven-Fries war für ihn mehr als ein einzelnes Werk. Klimt und die von ihm begründete Künstlervereinigung Wiener Secession strebten immer nach dem Gesamtkunstwerk. Der Fries stand 1902 im Mittelpunkt einer Ausstellung zu Ehren Beethovens, für die die Secessions-Künstler Malerei, Architektur, Skulptur, Design, Musik und Poesie zusammenführten.
Rund 80 Zeichnungen vermitteln den Besuchern in Balingen davon zumindest einen Eindruck. Sie zeigen, wie Klimt den Beethoven-Fries plante und ihn auf dem Zeichenbrett nach und nach entstehen ließ. Sie geben aber auch einen Überblick über andere Schaffensphasen des Künstlers - unter anderem über die Zeit des sogenannten Goldenen Stils, zu dem neben dem Beethoven Fries auch sein berühmtestes Werk «Der Kuss» gehört.
Die Klimt-Ausstellung läuft bis zum 26. September. Sie ist eingebettet in weitere Ausstellungen über die Wiener Kunst des 20. Jahrhunderts und spannt einen Bogen vom Jugendstil bis zur Moderne.
Der in Balingen gezeigte Fries ist die einzige originalgetreue Kopie. Das von Klimt geschaffene Original, das im Ersten Weltkrieg und später noch einmal durch unsachgemäße Lagerung beschädigt wurde, ist im Secessionsgebäude in Wien installiert und darf nicht transportiert werden.
Mit den Sommerausstellungen zur Klassischen Moderne erregt die kulturell ansonsten wenig bedeutende Stadt Balingen immer wieder überregional Aufmerksamkeit. In den vergangenen Jahren haben Ausstellungen mit Werken von Picasso, Chagall, Monet oder Miro mehr als eine Million Menschen angelockt.
|
























































