| Das Leben ist keine Baustelle - Mehr Kunst in Chemnitz Von Tino Moritz, dpa |
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| Donnerstag, 08. Juli 2010 um 07:30 Uhr | ||
Die Chemnitzer Kunstsammlungen breiten sich aus. Ab Samstag präsentieren sie Schätze aus dem eigenen Bestand in neuen Räumen. Chefin Ingrid Mössinger will aber noch mehr.
Chemnitz (dpa/sn) - Ihren guten Ruf haben sich die Chemnitzer Kunstsammlungen schon mit der halben Ausstellungsfläche verschafft. Zu den Coups der seit fast 14 Jahren amtierenden Generaldirektorin Ingrid Mössinger gehörte etwa die weltweit erste Ausstellung von Aquarellen und Gouachen der Sängerlegende Bob Dylan 2007/08. 120 000 Kunstfans hatten 2002/03 die Schau «Picasso und die Frauen» gestürmt.
Doch Platz für den eigenen Bestand, zu dem etwa die weltweit zweitgrößte Kollektion des Brücke-Mitbegründers Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) gehört, den gab es im zeitgleich mit der benachbarten Oper 1909 als König-Albert-Museum eröffneten Haus viel zu wenig, sagt Mössinger. Ein Zustand, der sich ab diesen Samstag ändert: Mit einem Festwochenende wird die Verdopplung der Ausstellungsfläche auf fast 2700 Quadratmeter gefeiert.
Mössinger zeigt sich sehr zufrieden darüber, nun «den größtmöglichen Einblick» in die Sammlungen geben zu können - auch wenn weiterhin nur ein Bruchteil der mittlerweile rund 70 000 Malereien, Plastiken oder Grafiken gezeigt werden kann. «Es gibt immer nur ein kleines Fenster, was sich da öffnet», so Mössinger.
Wenigstens ist der Spalt nun größer. Dort, wo bis 2004 das Naturkundemuseum untergebracht war und zuletzt noch Baulärm herrschte, gibt es erstmals einen eigenen Raum für die Skulpturensammlung, deren Schätze bislang meist nur als Beiwerk zu Gemäldeausstellungen zu sehen waren. Von den 350 Stücken aus eigenem Bestand werden immerhin 40 gezeigt, im Zentrum dabei Wilhelm Lehmbrucks 1918 entstandene und später von den Nazis als «entartete Kunst» entfernte Steingussplastik «Kopf eines Denkers».
Ebenfalls neu eröffnet wird ein Raum mit «Malerei der Romantik» aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Zu den 68 Gemälden von 39 Künstlern gehören neben Caspar David Friedrichs «Segelschiff» von 1815 mehrere Ansichten sächsischer Landschaften wie etwa ein 1838 entstandener Blick auf das Elbsandsteingebirge von Ernst Ferdinand Oehme.
Neu zu sehen sind auch Bilder aus der Sammlung Claus Hüppe, einer Dauerleihgabe an die Kunstsammlungen, die Werke von Lucas Cranach dem Älteren, Edvard Munch, August Macke und Marc Chagall umfasst. Chemnitz habe zum ersten Mal ein der Größe und dem Anspruch der Stadt angemessenes «reines Kunstmuseum», sagt Mössinger, die die Kosten für die bis 1990 zurückreichenden Baumaßnahmen auf insgesamt 22 Millionen Euro beziffert.
«Das ist jetzt nichts Außergewöhnliches, dass ein Kunstmuseum wächst». Mössinger verweist darauf, dass die Kunstsammlungen inzwischen rund 1500 Gemälde besitzen - vor 100 Jahren waren es nur wenige hundert. Die Sammlungschefin hat auch schon längst Pläne für einen Anbau. Doch die Realisierung scheint in weiter Ferne zu liegen: Von den kürzlich bekanntgewordenen Kürzungsplänen der Stadt Chemnitz bleiben auch die Kunstsammlungen nicht verschont.
Für das Museum Gunzenhauser, das ebenfalls dazu gehört, ist ab 2012 der Verzicht auf Sonderausstellungen vorgesehen. Mössinger hat die Stadt dafür schon kritisiert und betont, dass die Kunstsammlungen «bereits seit Jahren unterfinanziert» seien. Sie könne natürlich weiter wie bisher versuchen, das fehlende Geld durch Drittmittel einzuwerben: «Doch irgendwann ist da eine Grenze erreicht.»
www.kunstsammlungen-chemnitz.de
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