| Schau würdigt «Maus»-Mutter Isolde Schmitt-Menzel Von Sophia-Caroline Kosel, dpa |
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| Freitag, 16. Juli 2010 um 07:10 Uhr | ||
Millionen Kinder und Erwachsene begleitet sie seit Jahrzehnten durch den Alltag: die Maus aus der «Sendung mit der Maus». Doch nahezu unbekannt blieb bislang ihre Schöpferin. Eine Ausstellung in Halle widmet sich nun der Grafikerin Isolde Schmitt-Menzel (80).
Halle (dpa/sa) - Alles begann mit einer TV-Bildergeschichte über eine Mäusefamilie in einem Laden. Die Künstlerin Isolde Schmitt- Menzel sollte dem WDR 1969 dafür Zeichnungen liefern. Weil ihr graue Mäuse zu langweilig waren, gab sie den Nagern Farbe. Die Hauptfigur wurde orange, mit braunen Beinen und Armen und einer schwarzen Nase - und diente der Künstlerin als Vorbild für eine animierte Maus, die sie kurz darauf als Lückenfüllerin für das WDR-Programm schuf.
«Die Maus hat meinen Charakter: mein Denken, mein Fühlen, meine Fantasie, meine Kühnheit, meine Lustigkeit», sagte die mittlerweile 80 Jahre alte «Maus-Mutter» am Donnerstag in Halle. Im dortigen Kunstmuseum Moritzburg haben Kunststudenten eine Ausstellung über sie gestaltet: Die Schau heißt «Ich bin die Maus» und ist von diesem Samstag an bis zum 31. August zu sehen.
«Die Maus war ein sehr intensiver Teil meines Lebens. Ich freue mich, dass das jetzt mal publik wird», freute sich die agile, ganz in weiß gekleidete gebürtige Thüringerin, die extra wegen der Ausstellung von ihrem derzeitigen Wohnort Texas angereist war. Sie habe schon als Kind «geknetet, geformt und geschnitzt». 1948 bis 1950 studierte Schmitt-Menzel an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Im Hallenser Zoo zeichnete sie erstmals in ihrem Leben eine Maus. «Ich liebe Tiere und habe viel gezeichnet im Zoo. Mäuse waren aber für mich nicht das Allerinteressanteste.»
Nach dem Debüt der WDR-Maus arbeitete sie dreieinhalb Jahre lang für den Sender und entwickelte die ersten 130 Ideen. Dann habe sie keinen Auftrag mehr bekommen und nach juristischen Streitigkeiten schließlich dem WDR die Film- und TV-Rechte abgegeben, schilderte die Seniorin mit den langen grauen Haaren. Der Elefant und die Ente von der «Sendung mit der Maus» stammen nicht von ihr, dafür aber viele Bücher mit Maus-Geschichten. Zudem illustrierte sie andere Bücher, arbeitete als Keramikerin, malte, schuf Skulpturen und baute sich nach einer Zwischenstation in Jamaika ein Haus in Texas.
«Wir haben zehn Wochen an der Ausstellung gearbeitet. Das ist eine kurze Zeit, um sich in ein Lebenswerk einzuarbeiten», sagte Karin Schmidt-Ruhland, Professorin für Spiel- und Lerndesign an der Burg Giebichenstein. Mit fünf Studenten entwickelte sie eine Exposition für Kinder und Erwachsene. Zu sehen sind etwa ein von den Studenten geführtes Interview mit der Künstlerin und Original-Maus-Zeichnungen aus den 1970er Jahren. An einer Magnetwand können Jung und Alt aus Einzelteilen der Maus neue Figuren zusammensetzen. Eine Kuschelecke mit riesigen Maus-Kissen lädt zum Schmökern ein.
«Es hat mir großen Spaß gemacht mit den Studenten. Am liebsten hätte ich gleich an der Ausstellung mitgearbeitet», schwärmte die 80- Jährige, die selbst drei Kinder und drei Enkel hat. Auch die jungen Ausstellungsmacher zeigten sich begeistert von der Künstlerin, die ihre Großmutter sein könnte. «In unserem Interview stand sie zwei Stunden lang da und hat aus ihrem Leben erzählt. Danach waren wir alle vitalisiert», berichtete Student Henrik Höhne.
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