| Kulturfest auf der Autobahn lockt Millionen Menschen an |
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| Montag, 19. Juli 2010 um 07:04 Uhr | ||
Essen (dpa/lnw) - So viele Menschen hat der berüchtigte «Ruhrschnellweg» A 40 auch beim dicksten Stau noch nicht gesehen: Mehr als drei Millionen Besucher haben nach Schätzungen am Sonntag zwischen Duisburg und Dortmund auf der Autobahn ein riesiges Kulturvolksfest unter der Überschrift «Still-Leben» gefeiert. Für das spektakuläre Kulturhauptstadtprojekt wurde die A 40 auf einer Länge von 60 Kilometern gesperrt. Die Teilnehmerzahl übertraf die Erwartungen der Veranstalter weit. Sie hatten im Vorfeld mit einer Million Besuchern gerechnet.
Auf der «Tischspur» waren 20 000 Biergartentische aufgebaut. Daran präsentierten Gruppen aus der Region ihre «Alltagskultur»: Taubenfreunde, Theatergruppen und Tanzformationen waren ebenso vertreten wie Imker, Schachclubs oder Fußballfans. An mehreren Tischen wurden Geburtstage gefeiert - Passanten sangen spontan «Happy birthday» mit.
Ganz viel Multi-Kulti aus der Vielvölkerregion Ruhrgebiet war vertreten: Die Gruppe «Bosporuhrus» lud zu türkisch-deutschen Spezialitäten ein. Der «English table» zauberte ein englisches Picknick. Auch Ostfriesen kamen zur Revier-Autobahn und servierten Tee mit Kluntje und Sahnewölkchen.
Die Veranstalter der Kulturhauptstadt-Projektgesellschaft Ruhr.2010 äußerten sich hochzufrieden: «Es war eine fröhliche, friedliche Kulturtafel, die man so schnell nicht wiederbekommt», sagte Ruhr.2010-Chef Fritz Pleitgen. Auch die Feuerwehr äußerte sich erleichtert: 560 Einsätze wurden gezählt, 170 Menschen kamen vorsorglich ins Krankenhaus etwa nach Asthmaanfällen oder Kreislaufproblemen. Ein Feuerwehrsprecher bezeichnete die Zahl der Einsätze als sensationell niedrig.
Auch das Ende des Festes um 17 Uhr sei unproblematisch verlaufen, sagte Ruhr.2010-Sprecher Marc Oliver Hänig. Die Besucher hätten pünktlich die Autobahn wieder verlassen und wie erbeten ihren Müll mitgenommen. «Sogar die Tische wurden wieder gerade gerückt.»
Pleitgen schlug eine Wiederholung der Mammut-Veranstaltung vor. «Auf ein Neues. Lass uns das noch mal probieren», sagte er. Auch die Landesregierung habe sich wohlwollend zu einer möglichen Wiederholung geäußert, hieß es. Der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) schlug laut Ruhr.2010 einen zwei Jahres-Rhythmus für das «Still-Leben» vor. Die vielbefahrene Autobahn sollte am Montagmorgen um 5 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben werden.
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