| Fotoausstellung über 100-Jährige in Mainz Von Wolf von Dewitz, dpa |
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| Mittwoch, 21. Juli 2010 um 07:01 Uhr | ||
Hundertjährige? Keine absolute Seltenheit mehr. Und doch sind sie in der Öffentlichkeit kaum präsent, findet ein Künstler. Seine Foto- Ausstellung zeigt Porträts der Hochbetagten. Mit Erfolg. Jetzt ist sie im Mainzer Rathhaus zu sehen.
Mainz (dpa/lrs) - Der Schlüssel zum hohen Alter ist simpel. Jeden Tag ein halbes Glas Milch mit Bienenhonig trinken, das reicht. Jedenfalls sagte das der 100-jährige Erich Büttner aus Berlin, als ihn der Fotograf Karsten Thormaehlen Ende 2007 für seine Ausstellung «Jahrhundertmenschen» befragte. Die Schau mit 22 Porträts im Format von knapp zwei Metern Höhe und 1,20 Metern Breite ist bis zum 4. September im Mainzer Rathaus zu sehen. Humorvolle Zitate geben den Bildern einen leichten Unterton. So wird ein Hundertjähriger zitiert, er habe keine Sorge mehr um seine Kinder, seit die auch alle im Altersheim seien.
Aus wissenschaftlicher Sicht sei das Phänomen hohes Alter schwieriger zu erklären als mit regelmäßigem Honigkonsum, sagt Thormaehlen schmunzelnd. Teilweise sei es genetisch bedingt, außerdem spielten Faktoren wie die gesunde Lebensweise der Mutter während der Schwangerschaft eine Rolle. «Menschen, die ein so hohes Alter erreichen, sind mit Stress und Schicksalsschlägen gut umgegangen», sagt der 44-Jährige. Außerdem seien die meisten Menschen im biblischen Alter selten oder überhaupt nicht umgezogen. «Sie sind an einem Ort geboren, haben dort gelebt und wollen dort auch sterben.»
Der wohl berühmteste Vertreter der Generation «100 plus» ist nicht zu sehen: Der ewige Entertainer Johannes «Jopie» Heesters fehlt. Er habe Heesters einen Brief mit der Bitte um ein Foto-Shooting geschrieben, aber nie eine Antwort bekommen, sagt Thormaehlen.
Die Idee zu den Porträts von Menschen, die mindestens 100 Jahre alt sind, bekam Thormaehlen bei einem Blick in die Zeitung im Jahr 2006. Zu sehen war ein Foto eines Mannes, der seinen 100. Geburtstag feierte und Glückwünsche vom Bürgermeister bekam. «Ein Jubilar mit dicker Brille und Hörgerät sitzt in seinem Sessel, er hat Rötungen im Gesicht und ein Rotweinglas unsicher in der Hand. Dabei scheint er die Situation nicht mehr wirklich zu begreifen.»
Das fand Thormaehlen, der im Brotberuf Werbefotograf ist, unwürdig. Er wollte die Senioren, die oft in Altersheimen leben und in der Öffentlichkeit wenig präsent seien, würdevoll und in Ruhe fotografieren. 30 Hochbetagte bekam er vor die Kamera. Sie wurden gepudert und geschminkt. Besonders Augen der Senioren faszinierten ihn. «Sie spiegeln fast das ganze 20. Jahrhundert.» Unter ihnen waren Bühnenbildner, Landarbeiter, Angestellte, Ingenieure und eine Friseurin, die stolz von ihren Ur-Ur-Enkeln berichtete.
Mit den Bildern von alten Menschen in einer alternden Gesellschaft traf der Wiesbadener Künstler offenbar einen Nerv: Seit dem Startschuss im April 2008 sei die Schau durchgehend gebucht gewesen, sagt er. Mainz ist die 14. Station in Deutschland, der Schweiz und in Österreich, bis 2011 seien weitere Ausstellungsorte geplant. Zeitungen und Wochenmagazine zeigten Thormaehlens Bilder.
Nun hat er ein Problem: Nur noch sieben der 22 Porträtierten der Schau leben, manche starben nur wenige Wochen nach den Aufnahmen. «Es soll keine Ausstellung nur über Tote sein», sagt der Künstler aus Wiesbaden. Deshalb wolle er bald andere Senioren der Generation «100 plus» vor die Linse holen und die Schau gewissermaßen «auffrischen».
Unter den noch Lebenden ist die Tänzerin Hanna Merke aus Berlin. Dort leitet die heute 102-Jährige ein Senioren-Orchester. Wenn Posaunisten mal wieder nicht im Takt seien, übe sich Merke in Nachsicht, erinnert sich Thormaehlen an das Gespräch mit ihr: «Kein Wunder, die Posaunisten sind ja schon 70», sagte Merke.
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